Der Prozess gegen Josef S.

Seit fast einem halben Jahr sitzt ein unbescholtener Student in U-Haft, weil er bei der Demonstration gegen den Akademikerball randaliert haben soll. Sein Fall gibt Einblick in eine kafkaeske Strafverfolgungsmaschine

POLITIK | FLORIAN KLENK | aus FALTER 28/14 | 36 Kommentare   

Angeklagter Josef S. vor Gericht. Er sei „offenkundig von purem Hass getrieben“ (Foto: APA/Herbert Neubauer)

Angeklagter Josef S. vor Gericht. Er sei „offenkundig von purem Hass getrieben“ (Foto: APA/Herbert Neubauer)

Kürzlich hatte der Bürgermeister von Jena zur Verleihung des „Preises für Zivilcourage“ geladen. Ein Bürger der Stadt, bürgerliches Elternhaus, Student der Werkstoffkunde, Mitglied der Roten Falken, sollte geehrt werden: Josef S., 23 Jahre.

Im Kampf gegen den Rechtsextremismus sei er in der von Neonazis heimgesuchten Stadt besonders mutig gewesen, so die Jury. Jena ist jene Kommune, in der die NSU ihre Morde plante. Jena ermuntert junge „Antifaschisten“ mit Preisen.

Josef S. kam nicht zur Preisverleihung. Seit 24. Jänner sitzt er in Österreich fest, und zwar im Trakt E1-10 der Justizanstalt Josefstadt. Erst Ende Juli wird sein Prozess fortgeführt, da wichtige Zeugen auf Drängen der Verteidigung geladen wurden und der Richter Urlaub braucht. Die Justiz lässt sich viel Zeit, wenn es um die Freiheit der anderen geht.

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