Ein Mounty im Wilden Westen

Ein Kanadier, der bei den ganz Großen kochen lernte, macht in Penzing Tajine

STADTLEBEN | FLORIAN HOLZER | aus FALTER 23/13   

Wenn man François Laliberté durch die Glasscheiben, die die eher karg gehaltene Ex-Pizzeria von seiner Küche trennen, beobachtet, bemerkt man einen gewissen Unterschied zu anderen Köchen. Er flitzt herum, macht dies, greift da, hat ordentlich Stress; kein Wunder, schließlich ist sein Mitte April eröffnetes „François im Vierzehnten“ jeden Tag bis zum letzten Platz voll, mittags und abends. Was umso außergewöhnlicher ist, als es in der Reinlgasse liegt, einer abgefuckten Verbindungsstraße zwischen der Hütteldorfer und der Linzer Straße im wirklich nicht gerade schönsten Teil Penzings. Aber das wäre bei jedem anderen Koch wohl auch der Fall. Der Unterschied ist dieser Ausdruck, dieses Strahlen. Dem Kanadier, der da hinter der Glasscheibe herumfliegt, geht es ganz offenbar großartig.

Nachvollziehbar, denn die Chance, in einer Gegend mit einem Lokal Erfolg zu haben, wo es sonst nur Lieferpizzerien und Bauchstich-Cafés gibt, war nicht wirklich abzuschätzen. Und auch wenn ein Immobilienmensch hinter ihm stand, der die Idee hatte, mit einem guten Lokal eine Wohngegend aufwerten zu können, war das sicher alles andere als eine gemähte Wiese. Weshalb sich Laliberté auch sehr genau überlegte, wie er das hier anstellen könnte: ein Lokal, das zwar so gut ist, dass es Leute aus der Stadt anzulocken vermag, die Anrainer aber nicht abschreckt; eine Küche, die jeder mag und die einen Bezug zur lokalen Bevölkerung mit Migrationshintergrund hat; so gut gekocht, dass man Freude daran hat, und um einen Preis, der sich dieser Freude nicht in den Weg stellt. Also unterm Strich: ein irrsinnig gutes, mediterranes Lokal, das man sich leisten kann.

Klingt jetzt nicht so besonders, ist es aber absolut. Und zwar nicht zuletzt deshalb, weil François Laliberté echt wahnsinnig gut kochen kann, er hat’s schließlich bei Alain Passard im L’Arpège (Paris, 3 Sterne) und im L’Astrance, einem der allerbesten Restaurants des Universums (Paris, 5 Hauben), gelernt.

Kräuter, Gewürze, Aromen, Nuancen und vor allem Gemüse kommen hier in einem begeisternden Ensemble. Zum Beispiel Labneh – eine Art Frischkäse – mit Gurken, Sardellen, Paprika und gerösteten Pignoli, ganz frisch, ganz köstlich; oder Hummus aus weißen Bohnen mit der intensivsten Peperonata des Landes, Petersil-Pesto und Pecan-Nüssen – zum Schreien gut; oder Kibbeh vom Lamm, also Tatar, orientalisch gewürzt mit Radieschen und Karotten, Wahnsinn – und jede dieser Vorspeisen (von insgesamt sechs, fünf Hauptspeisen) um € 2,90. Zwei Komma neun!

Lammleber-Tajine mit Morcheln und Zimtjoghurt war leider aus, Rindbackerl-Tajine mit Saubohnen und einer Zitronen-Knoblauch-Zwiebel-Gewürz-Kruste aber sicher mindestens so gut, sehr nämlich (€ 12,50). Ich will, während ich das schreibe, gleich wieder hin. Will jetzt jeden Tag dorthin!

Resümee:

Ein Restaurant in einer Un-Gegend, das aber die beste französisch-nordafrikanisch-spanisch-griechische Küche des Landes bietet.

François im Vierzehnten,
14., Reinlg. 20, Tel. 01/985 51 03, Mo–Fr 11.30–22, Sa 18–22 Uhr, www.francois-14.at


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