Abschied von Amazon

Das Online-Warenhaus Amazon steht am Pranger. Wo wir mit gutem Gewissen im Netz einkaufen können

BARBARA TÓTH, INGRID BRODNIG, NINA HORACZEK, WOLFGANG ZWANDER | aus FALTER 08/13 | 14 Kommentare   

Spätestens als der Independent am vergangenen Donnerstag die Nazikeule schwang, schwappte der Skandal um das Online-Versandhaus Amazon von Deutschland über Großbritannien bis zum Firmensitz in die USA. „Amazon nutzte Neonazi-Wachen, um Immigranten-Arbeiter in Deutschland unter Kontrolle zu halten“, titelte die britische Qualitätszeitung. Es folgten Boykottaufrufe wütender (Ex-)Kunden, die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen forderte schnelle Aufklärung und sogar die chinesische Zeitung Global Times berichtete über die „Misshandlung“ von Arbeitern in Deutschland.

Was ist da passiert? Der öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehsender ARD strahlte vergangenen Mittwochabend eine nicht einmal halbstündige Doku-Reportage aus, in der die Arbeitsbedingungen im Amazon-Logistik-Zentrum im hessischen Bad Hersfeld aufgedeckt wurden. Der Beitrag zeigte Leiharbeiter, die von der österreichischen Firma Trenkwalder zu Tausenden etwa aus Spanien oder Polen nach Deutschland gekarrt worden sind (siehe Seite 12). Dort angekommen, werden sie in Motels und Wohnanlagen kaserniert und von schwarz uniformierten Glatzköpfen des rechtsextrem unterwanderten und mittlerweile gekündigten Sicherheitsdienstes H.E.S.S. perlustriert und schikaniert. Die Arbeiter müssen die Kosten für ihre Unterbringung und Überwachung selbst bezahlen und tagsüber für einen Stundenlohn von 8,52 Euro brutto unter großem Druck in den Warenlagern malochen. Nach den besonders lukrativen Vorweihnachtstagen werden sie wieder gefeuert und nach Hause geschickt.

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