Ich mag die ewig unzufriedenen Deutschen

Der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani über religiösen Analphabetismus und die integrative Leistung des deutschen Fußballs

KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/12   

Unter den deutschen Intellektuellen ist Navid Kermani eine jener Figuren, die das gern genommene Epitheton „streitbar“ verkörpern. Normalerweise ist dies ein Euphemismus für „störrischer alter Mann“. Aber dafür ist der Schriftsteller, promovierte Islamwissenschaftler und habilitierte Orientalist, der demnächst seinen 45. Geburtstag begeht, einfach noch zu jung.

Ein beeindruckendes Werk hat der Sohn iranischer Einwanderer dennoch bereits vorgelegt. Das betrifft nicht nur den Umfang seines letzten Romans „Dein Name“, der es immerhin auf stattliche 1232 Seiten bringt, sondern auch die Bandbreite der Themen und Debatten, zu denen sich der in Köln lebende Doppelstaatsbürger äußert – ob es nun um das Gottesbild im Koran, den Multikulturalismus, die US-amerikanische Invasion im Irak oder die in Deutschland recht heftig, um nicht zu sagen: hysterisch geführte Beschneidungsdebatte geht.

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