Bam Oida!

Neonkappen, Vokuhilas und solariumbraune Gesichter sind die Zutaten für einen neuen Wiener Jugendstil: Krocha erobern derzeit die Diskotheken und Einkaufszentren der Stadt.

STADTLEBEN | FLORIAN OBKIRCHER, ROSA WINKLER-HERMADEN | aus FALTER 14/08   

Freitagnacht, der Zug von Wien Richtung Baden ist voll. Auf den abgewetzten Sitzgarnituren der Wiener Lokalbahn, die sonst überarbeitete Pendler ins nahe Umland befördert, macht sich heute seltsam uniformiertes Jungvolk breit. Die sichtlich aufgekratzten Teenager tragen T-Shirts, auf denen protzig die Logos von teuren Modemarken wie D&G oder Ed Hardy prangen. Manche der Schriftzüge sind mit Glitzersteinchen verziert, andere durch übergroße, zu Schals umfunktionierte Palästinensertücher verdeckt. Die Hosen der jungen Leute sind eng und münden in hohen Turnschuhen, während ihre Vokuhila-Frisuren keck unter bunten Kappen herauslugen. Beats poltern ausgedünnt aus kleinen Handy-Lautsprechern und lassen erahnen, wohin ihre nächtliche Reise gehen soll: ins Millennium, die Großraumdiskothek am unteren Ende der Shopping City Süd. Freitags ist das Vösendorfer Tanzlokal Treffpunkt der sogenannten Krocha, einer neuen, lokalen Jugendkultur, über die momentan jeder spricht. Oder sich lustig macht. Schon vor dem Eingang zum Millennium sammeln sie sich in kleinen Gruppen, begrüßen einander mit laut geschmatzten Bussis und klopfen sich mit einem zünftigen „Bam, Oida!“, einer anerkennenden, aber einigermaßen sinnfreien Phrase, auf die Schulter. Es herrscht Hochbetrieb in der sonst finsteren Shoppingmall, Handys klingeln ohne Pause. „Du Schicht? Ich bin im Millennium“, gibt einer schreiend per Telefon seinen Standort kund. Hier in der SCS finden die ob ihres auffälligen Stylings

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem Abo-Onlinezugang:

Ihre Abonummer:   Ihr Passwort:  

Alle Artikel aus FALTER 14/08 finden Sie ab dem Erscheinungstag der Printausgabe im FALTER-Archiv!


Artikel kommentieren

Bitte geben Sie Ihren vollständigen Vor- und Nachnamen, sowie eine gültige E-mail-Adresse ein. Wir behalten uns vor, Kommentare mit unvollständigen Angaben oder unangemessenem Inhalt nicht zu veröffentlichen. Die geteilten Kommentare müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen, die inhaltliche Verantwortung trägt ausschließlich der Verfasser des jeweiligen Kommentares.

(wird nicht veröffentlicht)


*

ANZEIGE