Marco und Maxi

Sie haben exzellente Noten. Trotzdem kommt der eine ins Gymnasium, der andere in die Hauptschule. Das wird ihr Leben entscheidend prägen. Wieso lässt die Politik das zu?

POLITIK | INGRID BRODNIG, NINA HORACZEK | aus FALTER 46/07   

Marco und Maxiaxi Schwingshandl beugt sich über sein Heft. Die hellbraunen Haare fallen ihm ins Gesicht. Konzentriert multipliziert er vor sich hin. 235 mal 300 macht 70.500, das fällt Maxi leicht. Mathematik ist sein Lieblingsfach. Marco Djuricic mag Mathematik nicht. Dafür findet er Deutsch toll. Das hat er auch ganz rasch gelernt, als er vor fünf Jahren mit seinen Eltern aus Serbien nach Wien zog. Heute merkt man kaum, dass er zuhause nur Serbisch spricht. Auf seine erste Deutschschularbeit hatte er bereits einen Einser. Marco hat große Pläne. Er will einmal Arzt werden. „Da rettet man den Menschen das Leben, das ist doch toll“, sagt er. Maxi hingegen hat noch nicht viel über seine berufliche Zukunft nachgedacht. „Vielleicht Erfinder“, sagt er. Zumindest statistisch gesehen wird Marco es schwerer haben, sein Ziel zu erreichen. Zwar sind beide sehr gute Schüler. Doch Maxi besucht die erste Klasse der Geblergasse, eines Gymnasiums in Hernals, Marco hingegen die erste Klasse der Leibnizgasse, einer Hauptschule in Wien-Favoriten. Marco, 11, und Maxi, 10, sind keine Ausnahmen – sie repräsentieren das heimische Bildungssystem. Es ist ein System, das es diesen beiden Kindern unmöglich macht, eine gemeinsame Schulbank zu drücken. Während in wohlhabenderen Wiener Bezirken der Großteil der Zehn- bis Vierzehnjährigen in die AHS geht, landen die Kids in Gegenden mit wenig Geld und vielen Migranten vermehrt in der Hauptschule. Diese Trennung mit zehn Jahren ist nicht nur für SPÖ

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