Die Unterseite der Stadt

Der junge Fotograf und Flaneur Ronnie Niedermeyer veröffentlicht dieser Tage seinen ersten Bildband: „Zeit und Wien“. Eine sensationelle Reise durch die Stadt und ein Glücksfall von Metropolenerkundung.

WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 46/07   

Die Unterseite der Stadt Lange Zeit wusste Ronnie Niedermeyer im Grunde nicht, was genau er machte, wenn er tat, was er tat. Er ging vormittags Gelegenheitsjobs nach, nachmittags marschierte er im Zickzackkurs durch die Stadt, von den Rändern ins Zentrum, vom Zentrum an die Peripherie. In seinem Kopf archivierte und ordnete er die Eindrücke. Er sammelte Orte, Menschen, Details von Gebäuden und Landschaften, er häufte Augenblicke an. Gelegentlich hatte er eine Kamera dabei, eine ausgeborgte Hasselblad. Niedermeyer zog ein imaginäres Netz über die Stadt, er schuf ein Koordinatensystem schöner, schön-schauriger, unheimlicher Örtlichkeiten. Eine Sammlung ungewöhnlicher, unbekannter Wien-Ansichten: die Unterseite der Stadt. Von Juni 2006 bis Juni 2007 besuchte er all jene Plätze, die er auf seinen ausufernden Erforschungsgängen kennen gelernt hatte, nochmals, diesmal mit Stativ, Hasselblad und eigener Kamera. „Zeit und Wien“ nennt sich nun das in jeder Hinsicht erfreuliche Ergebnis dieser Expedition. Christian Brandstätter, Gründer und Leiter des gleichnamigen Verlags, in dem „Zeit und Wien“ dieser Tage erscheint, widmete Niedermeyer kürzlich mit den Worten „für den Autorenfotografen R. N.“ ein Buchgeschenk. „Jetzt weiß ich, was ich eigentlich bin“, sagt Niedermeyer ohne Koketterie, ohne Hintersinn. Ronnie Niedermeyer, 1980 in Wien geboren, von 1993 bis 1998 in Israel wohnhaft, Spross der gleichnamigen Elektronikkette, ist ein freundlicher, ernster Mann. Mit bestimmten

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