Sexbombe

Welche vier Flüsse meiden homophobe Männer? Inn. Main. Po. Rhein

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 41/07   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Herbst. Weinlese. Nobelpreise. Und natürlich die Epigonen wie der IG- Nobel, der „unwürdige“ Wissenschaftspreis für „Forschungen, die nicht wiederholt werden können oder besser nicht wiederholt werden sollten“. Ein lustiger Watschentanz für Menschen, die der Wissenschaft grundsätzlich misstrauen und meinen, dass man Forschungsgelder besser gleich direkt in der Toilette hinunterspülen sollte. Und weil es billige und fette Mediennahrung ist, will man diese Meldungen als Redakteur gar nicht erst hinterfragen, sondern seine Seiten mit der Rubrik „Skurriles“ füllen. Daher lesen wir, dass heuer in der Kategorie Biologie eine Studie über die in Matratzen vorkommende Mikrofauna, über Pilze und Bakterien ausgezeichnet wurde. Warum dies so absonderlich ist, wissen wohl nur Leute, die auch gerne über Worte wie Pipi, Kacka und Lulu lachen.
Nur die alljährlichen Friedenspreise weichen von der dumpfen Verwitzelung ab. So war der Physiker Edward Teller 1991 erster Preisträger für seine Entwicklung der Wasserstoffbombentechnik, weil er „die Bedeutung von Frieden nachhaltig verändert hat“.
Und auch der diesjährige peace prize verdient es, aus dem Dunkel sogenannter Forschungsarbeit an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt zu werden: 1994 begannen Wissenschaftler des Wright Laboratory, für die US Air Force verschiedene Konzepte für nicht-tödliche Chemiewaffen zu erarbeiten. Eine dieser Waffen sollte die gegnerischen Soldaten in sexuelle Ekstase mit großer Wollust versetzen, so dass diese untereinander zu sexuellen Handlungen verführt worden wären. Diese dann nicht mehr kampffähigen, weil kopulierenden Soldaten könnten von den eigenen Bodentruppen leicht und gewaltfrei überwältigt werden.
In der Antragsstellung für dieses 7,5 Millionen Dollar teure Projekt hieß es: „One distasteful but completely non-lethal example would be strong aphrodisiacs, especially if the chemical also caused homosexual behavior.“ Die gay bomb war also auch noch dazu ein humanitäres, weil nichttödliches Unterfangen, das aufgrund der von den USA im Jahr 1997 ratifizierten Chemiewaffenkonvention gestoppt wurde. Heißt es. Wobei man ja die Abschreckungswirkung auf extrem homophobe Soldaten nicht unterschätzen sollte. Aber dazu braucht es wohl noch etwas mehr Forschung.


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