Artigkeiten

I’d rather be a hammer than a nail Yes I would. If I could. I surely would. Art Garfunkel

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 37/07   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Anlässlich des Staatsbesuchs des Vatikan-Eigentümers wurde Österreich zu katholischem Hochglanz aufpoliert. Wie Pilze nach dem Regen schossen plötzlich Politiker aus dem Boden, die sich eher „grundsätzlich“ und je nachdem zum „Glauben“, der „katholischen Kirche“, dem „Christentum“ und dergleichem bekannten. Und wenn Gäste kommen, dann gilt es, das Haus auszubesen und den ganzen Schmurgel, der sich mit der Zeit unerwünschterweise angesammelt hat, zu entsorgen. Da sagt man gerne mal mit der von Konrad Lorenz ausgeborgten Autorität des populären Wissenschaftlers: „Minarette sind etwas Artfremdes, und Artfremdes tut auf Dauer in einer Kultur nicht gut.“ Wenn dies der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll von der ORF-Kanzel predigt, dann sollten die Wahlschäflein nicht Amen, sondern „Wehret den Anfängen“ sagen. Denn wer den biologischen Artbegriff auf die menschliche Kultur anwendet, landet im Sumpf der Rassenpolitik.
Lange Jahrhunderte war es durch das Diktat der Kirche nicht möglich, die Entwicklungsgeschichte der belebten Welt zu erkennen. Wenn Gott die Welt in einem einmaligen Schöpfungsakt mit dem ganzen Set aller Tier- und Pflanzenarten ausgestattet hatte, dann ist die Vorstellung, dass sich Lebewesen aus ihren Vorgängern heraus aufgrund von Anpassungen an Umweltbedingungen und nicht nach göttlichem Plan entwickelt haben, nicht zulässig.
Selbst in der modernen Wissenschaft gibt es keinen einheitlichen Art-Begriff: Manche bezeichnen damit eine Gruppe von Lebewesen, die so viele unverwechselbare körperliche Merkmale gemeinsam haben, dass sie anhand dieser Merkmalskombinationen gegenüber jeder anderen Gruppe unterschieden werden können. Das biologische Art-Konzept hingegen klassifiziert danach, ob sich diese Organismen und ihre direkten Nachkommen miteinander auf natürliche Weise unter Zeugung fruchtbarer Nachkommen fortpflanzen können. Und das ist unbestrittenerweise bei Menschen aus allen Weltteilen und Kulturen möglich und tägliche Praxis. Zumindest so lange als man solche Beziehungen nicht als artfremde „Rassenschande“ verbietet.


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