Radikale Renn-Semmel

Karg wie eine Mönchszelle, flott wie ein Wiesel. Was vor fünfzig Jahren als „Auto für alle“ beworben wurde, genießt als „Puch-Schammerl“ heute Kultstatus.

STADTLEBEN | MARTIN KRUSCHE | aus FALTER 34/07   

Ich hab’ keinen brustschwachen 500er, sondern den 650er mit bärenstarken 19,8 PS.“ Die Kommastelle sitzt schon richtig, Georg Kurtz meint es ernst. Der Arzt aus Gleisdorf ist praktizierender „Puchianer“. Vor rund einem Jahrzehnt hat er, damals gerade Turnusarzt, zugeschlagen. Seine „Renn-Semmel“, ein Steyr-Puch 650 T, war über zwei Vorbesitzer auf nur 70.000 Kilometer gekommen. Kurtz hatte schon als Student eine Anfälligkeit für kleine, flotte Autos verspürt. Die einstige „Ritter-Garage“ in der Grazer Zinzendorfgasse galt damals als ein Ort, an dem Enthusiasten wie er ihre Sehnsüchte pflegen konnten. Ihm war natürlich klar, dass ein Klassiker eine „Sparbüchse“ ist, in die man laufend einzahlen muss. An seinem Wagen fasziniert ihn immer noch, wie wenig technischer Aufwand für ein funktionstüchtiges Auto nötig ist. „Mehr braucht’s eigentlich nicht“, sagt Kurtz, der das gängige Arztklischee durch sein kleines Pucherl kontrastiert, das so völlig frei von Luxus und Übermotorisierung dasteht. Zumindest für den Nahverkehr reicht es. Und auf Urlaub muss er mit dem „Puch-Schammerl“ ja nicht unbedingt fahren. Am 30. September 1957 wurde ein Auto aus Thondorf bei Graz präsentiert, mit dem im ganzen Land heute noch unzählige Biografien und große Emotionen verbunden sind. Das „Pucherl“ – formal Steyr-Daimler-Puch genannt – wurde bis 1973 in den Grazer Puchwerken produziert. Heuer wird sein Fünfziger gefeiert und noch immer gibt es in der Steiermark eine Handvoll Puchianer, für die es

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