Mehr Nasch als Markt

Prosecco statt Sauerkraut, Szenevolk statt Gemüse. Wird der Naschmarkt zu Wiens neuem Bermudadreieck? Die Standler schlagen Alarm.

STADTLEBEN | FLORIAN HOLZER | aus FALTER 28/07   

Die Touristen sind begeistert: so bunt, so vielfältig, so multikulturell, so nahe an der frischen Ware. Kein Spuckschutz, keine Griffbarrieren, Kühlvorhänge oder Pollenfilter wie im Lebensmittelhandel sonst üblich; und erst das Publikum: jung und lässig. So üppig auch das Warenangebot, so entspannt die Szene – der Naschmarkt als Wiener Sonderfall. Eine Gruppe französischer Wienbesucher steht vor dem Stand von Elisabeth Jarosch: „Quels fruits!“ Auch die Chiller, Typen mit Tocotronicfrisuren, Möchtegern- oder Exberliner finden’s super: DJs schon am Nachmittag. Bier aus mittelständischen Kleinbrauereien. Italienischer Espresso und viel Raum, um die hart erarbeitete Lässigkeit einem gleichgesinnten Publikum vorzuführen, und dann noch Sonnenschein. Der Naschmarkt ist der hippste Winkel Wiens. Wo vor kurzem noch ältere Damen mit ihren Dackeln und Trachtenhütchen Sauerkraut prüften, zeigt sich die Stadt als hedonistische Metropole. Gourmets, Prominente und Szenevolk gehen hier auf Tuchfühlung mit Trüffelmortadella, indischer Alfonsino, malayischem Pfeffer und Marchfelder Biospargel. Genussmetropole Wien, der Naschmarkt ist dein Schmuckkästchen. Tatsächlich gewann das geliebte Dauerprovisorium zwischen der rechten und linken Wienzeile in den vergangenen Jahren enorm an Ansehen. Eva Traxler von Wientourismus zum Beispiel bestätigt, dass der Naschmarkt in den vergangenen Jahren einen Fixplatz in Sachen „Lebenslust“ bekommen hat. Als „booming neighbourhood“ wird er den

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