Billig, willig, Praktikant

Dumping Sie arbeiten hart und verdienen nichts. Eine neue Studie zeigt, wie Akademiker als Praktikanten ausgebeutet werden – und sich darüber nicht mehr beklagen. Experten warnen vor der Demontage des Arbeitsrechts.

POLITIK | INGRID BRODNIG | aus FALTER 28/07   

Was er so macht? Darauf antwortet Paul S. mit einem gequälten Lächeln und meint, er sei „Filmschaffender“. Dann versucht er, das Thema zu wechseln. Denn wer will schon von sich erzählen, dass er als 28-Jähriger mit abgeschlossenem Publizistikstudium am Set den Kaffee holt? Paul S. jedenfalls nicht. Er hat so viele Praktika absolviert, dass er sich gar nicht an alle erinnern kann. „So zehn, 15 werden es sein.“ In seinem Lebenslauf stehen allein sieben aus der Filmbranche. Zwischendurch jobbte Paul S. auch in besseren Positionen, etwa als Regieassistent. Seinen Fuß bekam er aber nie in die Tür. Stattdessen hörte er: „Wir haben schon jemanden. Wie wäre es mit einem Praktikum?“ Beim vorletzten Mal bekam der 28-Jährige 300 Euro im Monat, vom letzten Praktikum hat er das Geld noch nicht gesehen. Klar fühlt er sich ausgebeutet – schlimmer, er fühlt sich wertlos. Er sagt: „Ich gehöre der Generation Praktikum an.“ Diesen Begriff prägte die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Als Deutschland 2005 kollektiv Trübsal blies, weil weder Geld, Arbeitsplätze noch Zukunft in Sicht waren, rief ein Artikel die „Generation Praktikum“ aus. Gemeint war damit jene Horde junger Menschen, die trotz voller Lebensläufe und Hochschulabschluss keinen Job finden, sondern von einem Praktikum zum nächsten ziehen. Hierzulande ging es Anna Schopf so ähnlich. Nach ihrem Soziologiestudium tingelte sie vom Museum zur Kulturplattform, von der Kulturplattform zum Forschungsinstitut – hier machte sie ein Praktikum,

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