Schön sprechen

„Durch den strengen Zuruf ,Pfui‘ und einen leichten Rutenschlag lassen sich die Unarten nach und nach abgewöhnen.“ Uwe Nettelbeck, 1979: „Fantômas. Eine Sittengeschichte des Erkennungsdienstes“

FALTERS ZOO | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 24/07   

Zeichnung: Bernd Püribauer  » zur Tier-Galerie

Zu tief verinnerlichtes Amtsdeutsch hat beim G8-Gipfel zu innenpolitischen Irritationen geführt. Ein mit schwarzer Kapuze verkleideter Zivilbeamter mischte sich unter die Demonstranten und versuchte, passive Blockierer zu Gewalt anzustacheln. Dabei siezte er aber die „Kollegen“ („Werfen Sie doch einen Stein auf die Exekutivorgane!“), und als die misstrauisch gewordenen Leute seine wahre Identität feststellen wollten, verweigerte er dies mit dem Hinweis, dass er sich nur „autorisierten Stellen“ (der Autonomenszene!) ausweisen werde. Wir lernen: Immer den richtigen Soziolekt verwenden.
Schön gesprochen wird auch in der Diensthundestaffel der deutschen Polizei. Dort findet man Tipps für den Umgang mit amtshandelnden Polizeihunden: „Wer von einem Polizeihund verbellt wird, sollte sich nicht von der Stelle rühren. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass das Tier den Eindruck gewinnt, man wolle fliehen. Dann kann es zu einer Beißhandlung kommen.“
Bei der österreichischen Polizei gibt es zur Zeit 381 fertig ausgebildete Polizeihunde und 67 Lehrlinge. Die Aufnahmetests sind strikt und zielen auf Hunde mit „guter Nasenleistung und Unterordnungsfreude“ (Letzteres ist im öffentlichen Dienst auch für andere Lebewesen Pflicht) ab. Die speziellen Talente eines Hundes hängen stark von der bevorzugt benutzten Hirnhälfte ab: Linksstarke Hunde sind bewegungsfreudig und werden besonders als Spürhunde oder bei Rettungseinsätzen verwendet. Rechtsstarke Tiere sind objektbezogen und daher als Schutzhunde oder in Anti-Terror-Einheiten eingesetzt. Die kaninen Jobs in Österreichs Exekutive verteilen sich auf 117 Suchtmittel-, zwanzig Leichen-, fünf Blut-, 48 Sprengstoff-, 27 Brandmittel- und vier Bargeldspürhunde.
Nach einer zweijährigen Ausbildung kostet ein Diensthund zwischen 10.000 und 15.000 Euro, nach spätestens zehn Amtsjahren darf der beste Freund in Pension – oder wie es bei Beamten eigentlich heißt – in den Ruhestand gehen.
Wer eine Alternative zur romantisierenden Schönheitsdefinition Saint-Exupérys (… liegt im Auge des Betrachters) sucht, wird bei Max v. Stephanitz, dem Begründer der Deutschen Schäferhundezucht fündig: „Gebrauchstüchtigkeit ist das einzige Kriterium für Schönheit.“ Gut gebellt!


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