„Haydn ist Cool Jazz“

Der Komponist und Trompeter Franz Koglmann feiert am 22. Mai seinen sechzigsten Geburtstag. In seinem jüngsten Werk versucht er, Joseph Haydn und den Aphoristiker E.M. Cioran unter einen Hut zu bringen. Ein Gespräch über Melancholie, Schlaflosigkeit, die Vor- und Nachteile des Alters.

KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 20/07   

Franz Koglmann ist Komponist, Bandleader, Trompeter und Flügelhornist und – nicht zuletzt dank dieser Kombination – einer der interessantesten Musiker des Landes. Hochreflektiert, aber undogmatisch bewegt er sich in verschiedenen Idiomen, was ihm einmal den Ruf eingetragen hat, die 2. Wiener Schule von Schönberg, Berg und Webern mit dem Cool Jazz zusammenzubringen.
Dass nun sein sechzigster Geburtstag und die Uraufführung seines jüngsten Werkes – im Volltitel: “Nächtliche Spaziergänge. Eine Gedankendämmerung nach Motiven von Joseph Haydn, mit der Originalstimme von E.M. Cioran” – zeitlich zusammenfallen, ist eher Zufall. Der Grundstein für den Kompositionsauftrag der Europäischen Kulturhauptstadt 2007, Sibiu/Hermannstadt, wurde schon vor Jahren gelegt, als Franz Koglmann aus Anlass der Ausstellung “Melancholia Austriae” im Brukenthal-Museum, Sibiu, auftrat. Schon damals besuchte er das Geburtshaus des rumänischen, später nach Paris übersiedelten Aphoristikers E.M. Cioran (1911-1995), in Rasinari, einem Ort in der Nähe von Sibiu. Auf den Spuren Ciorans ging Koglmann auch den Weg, den der über Jahre unter Schlaflosigkeit leidende Cioran in der Nacht immer gegangen war, “ein Ochsenweg”, wie sich Koglmann erinnert, “der jetzt im Zuge der Kulturhauptstadt etwas schnuckeliger aussieht und eingeebnet wurde”.
Die andere Säule, auf der Koglmanns “Nächtliche Spaziergänge” ruhen, stellt Joseph Haydn dar, dessen frühe, 27. Symphonie mitunter auch den Beinamen “Hermannstädter Symphonie” trägt, weil nach dem Zweiten Weltkrieg in Freck bei Hermannstadt eine Abschrift dieses Werkes gefunden worden war, dank der die Hermannstädter Symphonie 1946 ihre Welturaufführung in Bukarest erlebte.

Falter: Ihr jüngstes Werk, “Nächtliche Spaziergänge”, bringt den Komponisten Joseph Haydn und den Aphoristiker E.M. Cioran zusammen. Die haben miteinander ja eher genau nichts zu tun, oder?

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