Ein Freund, ein guter Freund

Er verkaufte Wurstsemmeln, lernte, Gold zu schmieden, und wurde als Präsident von Sturm Graz zum geliebten Millionär. Nun sitzt Hannes Kartnig schon wieder im Gefängnis. Die abenteuerliche Geschichte des gefallenen steirischen Sonnenkönigs.

DONJA NOORMOFIDI, WOLFGANG KÜHNELT | aus FALTER 20/07   

Hannes Kartnig hat es längst geahnt: „Ich bin jetzt Privatier. Vom Präsidenten zum Sacklpicker“, dröhnt der Bass des Ex-Sturm-Präsidenten am 17. April 2007 durch die ÖVP-Parteizentrale am Karmeliterplatz. Dort findet der Auftakt zur allwöchentlichen Diskussionsrunde „Dienstalk“ statt. Das Thema: „Geht dem Grazer Fußball die Luft aus?“ Vor Beginn der Veranstaltung versammeln sich Diskutanten, Parteisoldaten und die ersten Publikumsgäste in der Bar. Hannes Kartnig steht wie immer im Mittelpunkt des Geschehens.

Zu diesem Zeitpunkt muss ihm schon bewusst gewesen sein, dass er bald ein Déjà-vu der besonderen Art erleben würde: Im Jahr 1976 saß Kartnig bereits acht Monate wegen betrügerischer Krida in der Justizanstalt Jakomini ab – am vorvergangenen Montag wurde er zum zweiten Mal in Untersuchungshaft genommen. An jenem Abend in der ÖVP-Zentrale musste Kartnig dann noch eindeutig feststellen, dass sich die Zeiten schlagartig geändert haben. Als ein Gruppenfoto von Neo-Sturm-Präsident Hans Rinner, dem Fußballgewerkschafter Gernot Zirngast und Moderator Peter Bermann gemacht wird und ein Fotograf ruft: „Hannes, du musst auch aufs Foto!“, winken die anderen Herren dezent ab. Im Nachhinein gibt es auf der ÖVP-Website zwar eine Menge optischer Erinnerungen an den Diskussionsabend, aber auf keinem einzigen Bild ist Kartnig zu sehen. Einer der erwarteten Gäste, Staatssekretär Reinhold Lopatka, verzichtete vorsichtshalber überhaupt auf sein Erscheinen.

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