Draußen vor der Tür

Sie sind immer dort, wo’s am meisten weh tut: Wiens Türsteher bewachen nicht nur Clubeingänge, sie schlichten Wickel, verhindern Taschendiebstähle und streiten sich mit Besoffenen rum. Manche spielen auch ganz gerne Gott.

MARTINA STEMMER | aus FALTER 20/07   

Der Mann verbringt fast mehr Zeit vor dem Richter als am Arbeitsplatz. Das nervt, aber irgendwie hat er sich daran gewöhnt. „Es gehört halt dazu“, sagt Özkan Alldirmz achselzuckend, „da ist nichts dabei.“ Seit zehn Jahren steht der 32-Jährige vor dem Eingang zum Flex. Und wird regelmäßig von Gästen, die behaupten, völlig zu Unrecht aus dem Lokal befördert worden zu sein, vor den Kadi gezerrt. Oder er erwischt jemanden beim Dealen im Lokal und das Gericht lädt ihn als Zeuge vor. Die Stunden, die er dafür aufwendet, bekommt Alldirmz immerhin bezahlt: Gerichtszeit ist Arbeitszeit. Es gibt schlimmere Jobs, als im und vor dem Musiklokal am Kanal drauf zu schauen, dass niemand Gäste anpöbelt, Drogen vercheckt, Frauen bedrängt oder Geldbörsen klaut, das weiß der zweifache Vater. „Wir sind hier eine Familie, niemand wird mit einem Problem alleingelassen.“ Alldirmz hat es auch schon anders erlebt. Weil seine Mutter schwer krank wurde, brach er als Jugendlicher seine Bauschlosserlehre ab und zog mit ihr in die Türkei zu Verwandten. Als er ein paar Jahre später zurückkam, ohne Job, ohne Ausbildung, heuerte er im Casino als Security an. „Im Flex gibt’s auch viele Verrückte, in der Spielbank rennen aber echte Psychopathen herum“, sagt Alldirmz, „und du musst selbst schauen, wie du mit ihnen klarkommst, da hilft dir niemand.“ Er war dann heilfroh, als ihn ein Freund, der wiederum auf Vermittlung des Chefs des Integrationsvereins Echo, Bülent Öztoplu, zum Türsteherjob im Flex kam.

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