Der Diktator und Du

Gaddafi, Li Peng und jetzt Putin: Österreichs Regenten reden auch mit den Bösen der Welt – und vergreifen sich oft im Ton. Wie die Gratwanderung zwischen Kritik und Kotau gelingt.

POLITIK | GERALD JOHN | aus FALTER 20/07   

Die Tiroler Schützen, Feder am Hut, Gewehr bei Fuß, standen Spalier. Eine Salve zur Begrüßung verbat sich der hohe Gast, das obligate Stamperl nahm er aber an. Der Landeshauptmann drückte ihm eigens designte Ski und einen Wollpulli in die Hand, ehe die Staatsspitzen zur Audienz im noblen Hospiz zu St. Christoph anrückten. Von einem „beeindruckenden Mann“ sprach Kanzler Wolfgang Schüssel, Präsident Thomas Klestil berichtete von kuscheliger Atmosphäre, Industriebosse jubelten über Milliardengeschäfte. Zum Abschied wedelte Schüssel mit seinem Kumpel noch die Hänge des verschneiten Arlbergs hinunter. Nach sechs Jahren kommt der Sportsfreund wieder: Die Republik rüstet sich für den Empfang von Wladimir Wladimirowitsch Putin, der am 23. und 24. Mai Wien beehrt. Abermals werden Kanzler und Präsident den russischen Staatschef begrüßen, sie heißen heute Alfred Gusenbauer und Heinz Fischer. Parlamentspräsidentin Barbara Prammer legt mit Putin einen Kranz beim Russendenkmal nieder, scharfe Worte wird der Gast hingegen von Menschenrechtsaktivisten ernten. Sie fordern schon lange eine härtere Gangart der EU gegenüber dem Hardliner, den höchstens noch Gerhard Schröder, deutscher Altkanzler und Manager des russischen Energiekonzerns Gazprom, für einen „lupenreinen Demokraten“ hält. In Putins Russland verprügeln Polizisten Demonstranten, schikaniert die Justiz aufmüpfige Bürger, bangen kritische Journalisten um Leib und Leben. Ihre Mörder kommen oft ebenso straffrei davon wie russische

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