Waffenbrüder

Die Affäre um den Eurofighter-Vertreter Erhard Steininger rückt eine übel beleumundete Branche ins Scheinwerferlicht. Rüstungslobbyisten versuchen, Politikern und Beamten sündteure Waffensysteme einzureden – helfen manche mit Schmiergeld nach?

POLITIK | GERALD JOHN | aus FALTER 16/07   

Es ist eines jener Dörfer nördlich von Wien, die stets wie ausgestorben wirken. An der Straße die geduckten Häuserzeilen mit den bröckelnden Fassaden, dahinter die gesichtslosen Familienburgen mit den Thujen in den Vorgärten. Biedere Idylle, in der man keinen aus der Branche Carl Julius Wagners vermuten würde. „Jetzt sehen Sie einmal“, sagt Wagner mit ironischem Unterton, „wie ein internationaler Waffenschieber lebt.“ Wagner genießt das Leben abseits vom Schuss. Hart waren jene „Hungerjahre“, in denen der heute 52-Jährige für seinen Auftraggeber „die Flagge hochhalten musste“, ehe endlich das große Geld winkte. Nach der Lawinenkatastrophe von Galtür im Februar 1999 kaufte die Regierung nagelneue Hubschrauber, das Rennen machte der amerikanische Anbieter Sikorsky. Das Bundesheer freute sich über neun Black-Hawk-Helikopter. Und Sikorsky-Vertreter Wagner über 5,5 Millionen Euro Provision. Wagner gehört zu einer diskreten Community, die „wie ein Spähtrupp“ (Exgeneral Peter Corrieri) auf der Lauer nach lukrativen Aufträgen für die Rüstungsindustrie liegt. Obwohl nicht im Sold des Staates, spazieren diese Lobbyisten im Verteidigungsministerium aus und ein, um Informationen aufzuschnappen, Werbung zu machen und natürlich mit Entscheidungsträgern anzubandeln. „Jeden Abend ein Arbeitsessen“ wickelt Wagner in hektischen Zeiten ab: „Die Beziehungen gehen so weit, dass man auf Familienfeiern eingeladen wird.“ Abseits der Zielgruppe geben sich die Provisionsjäger weniger leutselig. In

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