Bart haben und beten

Im besetzten Palästina gewann die Hamas die Wahlen. Sympathisanten hat die verbotene Organisation auch in Wien, aber die wenigsten bekennen sich offen zu ihr. Der „Falter“ hat sich in der Szene umgesehen.

MATTHIAS G. BERNOLD, STEFAN APFL | aus FALTER 06/06   

Es ist kalt, aber nicht zu kalt, um den Wienern von der Wahrheit zu künden. Im Jonasreindl, wo Straßenbahnen durchrumpeln und Studenten sich mit Pizza und Zigaretten versorgen, offeriert ein junger Mann Devotionalien des palästinensischen Befreiungskampfes. Flugblätter, Postillen, Flaggen, ein Palästinensertuch. Zu den Klängen traditioneller Volkslieder aus einer batteriebetriebenen Stereoanlage erzählt Abu-Shawki, der seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, was an diesem Mittwoch kaum einen der Passanten interessiert: Er erzählt vom Palästinenserdasein. Es ist der erste „Infotisch“ seit dem Wahlsieg der Hamas am 25. Jänner. „Klar gibt es in Österreich Sympathisanten. Die Leute bekennen sich nur privat dazu“, sagt der Jusstudent mit einem Becher Tee in der Hand. Öffentlich tue das aber niemand. „Das ist zu gefährlich.“ Nach wie vor gilt die Harakat al-muqawama al-islamiyya (Islamische Widerstandsbewegung), kurz Hamas genannt, der Europäischen Union als terroristische Vereinigung. Auf eine Beteiligung an ihr stehen nach österreichischem Recht ein bis zehn Jahre Freiheitsstrafe. Allein in den vergangenen Jahren werden ihr in Israel rund sechzig Selbstmordattentate zugeschrieben. Als ausschlaggebend für den Wahlsieg, bei dem die Hamas 74 von 132 Parlamentssitzen und somit die absolute Mehrheit errang, gelten Gesundheits- und Sozialprojekte wie auch die Kritik an der Korruption der Palästinensischen Autonomiebehörde. Trotz internationalem Druck will

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