Rote Grütze

Das pikant-süßsäuerliche Beerengelee klingt schrecklich, schmeckt aber vorzüglich. Wir servieren es mit einer trickreichen Vanillecreme

THURNHER AUF REZEPT / SÜSSES   

Foto: Irena Rosc

Dem Klang des Wortes Grütze wollen wir weichgestreichelten Mitteleuropäer nicht zu lange nachlauschen, es klingt tatsächlich nicht besonders. Nicht nur, weil es die norddeutsch-skandinavische Herkunft des Gerichts nicht verleugnet. Dagegen hätten wir nichts. Nein, es stört eher, dass die Feinheit und Eleganz dieses Desserts so überhaupt nicht in seinem Namen hörbar wird. Grütze, das klingt grau und schleimig, breiig wie Hafer (Haferschleim mochte ich nie). Rote Grütze ist aber von feiner Säure und süßer Eleganz, ganz und gar fruchtig und überaus praktisch.

Die rote Grütze kann man nämlich bereits am Vortag machen, Koch und Köchin sind dadurch erheblich entlastet. Sie ist unkompliziert in der Zubereitung, Kinder und Erwachsene lieben sie, man sollte wirklich über einen neuen Namen nachdenken. Sie lässt sich auch appetitlich anrichten, zum Beispiel in Stielgläsern jeder Art, aber auch in Schüsselchen oder Suppentellern.

Die Masse soll auch nicht gelieren wie amerikanisches Jell-O, sondern gerade eben stocken. Die Konsistenz entspricht eher einer Marmelade als einem Wackelpudding. Die schnelle Vanillecreme schmeckt fein, funktioniert deppensicher, spart Nerven und taugt auch allein oder mit Früchten zu einer Nachspeise. Man kann natürlich eine echte Vanillecreme anfertigen oder einfach zu Vanilleeis aus dem Päckchen oder dem Eissalon greifen. Oder Schlagobers draufsetzen und mit einem Minzeblättchen krönen – die Rote Grütze macht das alles mit.


Rezept
für 4 Personen

Zutaten
Grütze:
1⁄2 kg tiefgefrorene Waldbeeren
1 Glas entkernte Weichseln
75 g Zucker, 1 Orange, 1 Zitrone
1∕8 l Rotwein
30 g Tapiokamehl (oder Maizena)

Sauce:
1 Packerl Vanillepuddingpulver 2 Vanilleschoten, 350 ml Milch etwas Zucker, 500 g Mascarpone

Zubereitung
Grütze:
Zucker mit etwas Wasser aufsetzen, leicht karamellisieren lassen. Mit Saft der Zitrusfrüchte, Weichselsaft und Wein löschen (Obacht, spritzt!), um ein Drittel einkochen und 300 Gramm der gefrorenen Beeren zugeben, etwa 1 Stunde köcheln lassen, durch ein Sieb passieren (ergibt ca. 1⁄4 Liter Fruchtmark). Dann Tapioka oder Maizena in etwas Wasser anrühren, dazugeben, 15 Minuten weiterköcheln. Fruchtmark auf Schüsselchen verteilen (oder in eine Schüssel geben), die restlichen gefrorenen Beeren und die Weichseln vorsichtig hinzufügen, ein paar Stunden erkalten lassen.