Karamellaufstrich

Ebenso einfach wie unwiderstehlich, erfordert diese kleine Leckerei etwas mehr als eine Stunde Ihrer ungeteilten Aufmerksamkeit

THURNHER AUF REZEPT / FRÜHSTÜCK   

Foto: Irena Rosc

Als ich vor Jahrzehnten nach Amerika kam, fragte mich der Trainer meiner College-Fußballmannschaft, ob ich gern Steak esse. „Nichts lieber“, sagte ich, „wenn ich es mir leisten kann.“ Er lud mich auf eines ein und beklagte die Verweichlichung der jungen amerikanischen Generation, die bloß noch schlappe Sachen wolle, nichts mit Biss, nur diese fluffigen Hamburger-Brötchen, Buns genannt, und drinnen möglichst weiche Laberln. Das war vor vierzig Jahren.

Klagen über Essgewohnheiten der Jugend sind mir also keineswegs fremd. Tatsächlich greifen die jungen Damen und Herren gern zu Fastfood, wie man überall beobachten kann. Pauschalurteile dieser Art können wir uns aber schenken, denn für jeden jungen Menschen, der am Hamburger-Bun nuckelt, finden wir einen, der sein Vollkorn kaut. Der Trend heißt nicht Fastfood, sondern Differenzierung.

Außerdem beobachte ich, dass junge Menschen in zunehmendem Maß selber kochen. Matteo zum Beispiel war schon mit dreieinhalb für jenen schlichten Brotaufstrich zu gewinnen, den ich vom französischen Meisterkoch Alain Ducasse übernommen habe. „Bist du auch ein Kameltiger?“, fragte mich Matteo, während ich ihm und mir die dunkelgold-gelbe Karamellcreme zum Frühstück auf ein Stück gebutterten Striezel schmierte. Darauf konnten wir uns mühelos einigen. Sieben Jahre später, Matteo ist jetzt elf, geht es uns noch immer so.


Rezept
für 2 Marmeladegläser

Zutaten
2 l Milch
720 g Zucker
1 gute Messerspitze Natron

Zubereitung
Am besten in einem emaillierten Topf – jedenfalls in einem Topf mit dickem Boden – die Milch aufkochen, die Hitze zurückschalten, den Zucker und das Natron einstreuen und etwa eine Stunde lang auf kleiner Flamme köcheln lassen. Gegen Ende öfter umrühren; wenn die Creme goldgelb bis karamellfarben ist, in Marmeladegläser einfüllen. Gekühlt und verschlossen hält sich die Creme mindestens einen Monat lang.