Focaccia

Es lebe das Schöne und Gute, und das ist meistens das Einfache. Zum Beispiel die Focaccia. So heißt die ligurische Urform der Pizza

THURNHER AUF REZEPT / VORSPEISEN   

Foto: Irena Rosc

Eine klassische Definition von Schönheit? Immer brauchbar ist des Philosophen Hegel „sinnliches Scheinen der Idee“. Wenn der Koch denn eine Idee hat. Hat er keine, droht Leere auf dem Teller; noch schlimmer ist es, wenn er einen Einfall hat, ihm aber nicht zu sinnlichem Glanz verhelfen kann. Und am schlimmsten ist der modische Gag, das bloße äußerliche Scheinen ohne irgendwas dahinter. Als junger Mensch habe ich mir ein Notizbuch mit Beschwerden angelegt, die man niemals führen sollte, wenn man nicht als nörgelnder Greis erscheinen möchte. Die Jugend hat das Recht, das Alter blöd zu finden, während das Alter, sage ich heute, wiederum alles Recht, ja sogar die Pflicht hat, zu sagen, was ihm an den Jüngeren nicht passt.

Heutzutage hat jeder Angst, als alt zu gelten. Deswegen kuschen die meisten vor dem Jugendterror. Ich nicht. Ich halte auch wenig von Kochbüchern, bei deren Anblick naseweise Knaben Kochen geil zu finden beginnen. Jamie Oliver ist nur das bekannteste Beispiel für Kochen mit Looks. Einen gewissen Appeal spreche ich dem pfiffigen Briten gar nicht ab – und kochen kann er auch.

Wenn aber knappbekleidete Mädels mit riesengroßen Rosmarinbuschen in der Hand aus einem Kochbuch lachen, wenn Bikinischnitten an Tartes knabbern oder eine Blickkonkurrenz von Rucola und Minirock als Aufputz von Rezepten dient, dann ziehe ich die Konsequenz aus diesem Scheinen ohne Idee und klappe das Kochbuch zu. Schönheit beim Kochen entsteht nicht aus anmutiger Oberflächlichkeit, sondern aus Konzentration aufs Einfache, aufs Wesentliche. Zum Beispiel auf Brot mit Öl.

Zum Beispiel auf die Focaccia, diese traditionelle ligurische Ur-Pizza. So schlicht, so sinnlich, so schön kann Kochen sein.


Rezept
für 1 Focaccia (für zwei Personen)

Zutaten
Teig:
1⁄4 Germwürfel
300 ml kaltes Wasser
400 g Mehl, universal 100 g Mehl, griffig
1 1⁄2 TL Salz

Weiters:
Mehl zum Bestäuben
5 EL Olivenöl, Meersalz
Pfeffer aus der Mühle
1 Handvoll frische Rosmarinnadeln

Zubereitung
Zutaten für den Teig mischen und kneten, bis der Teig geschmeidig ist und nicht mehr klebt. Mit einem Tuch bedecken und über Nacht (mindestens 8 Stunden) an einem kühlen Ort rasten lassen. Dann den Teig auf ein geöltes und gestaubtes Blech legen, mit Handballen etwas auseinanderdrücken, mit Meersalz und frischem Rosmarin bestreuen und mit 3 EL Olivenöl beträu- feln. Im auf 240° C vorgeheizten Ofen knapp 20 Minuten backen. Sie können auch schwarze Oliven in den Teig geben oder ihn mit halbierten Cocktailtomaten belegen. Warm servieren.