Ei III: French Toast

Wie ich den Armen Ritter in Gestalt des French Toast wiederentdeckte. Und warum Sie dieser Speise einmal eine Chance geben sollten

THURNHER AUF REZEPT / FRÜHSTÜCK   

Foto: Irena Rosc

Kaum 18 geworden, gewann ich ein einjähriges Stipendium in die USA. Kulinarisch war dieses Jahr in Amerika weniger ergiebig als kulturell (es handelte sich um das schöne Jahr 1968). Immerhin – ich erwähnte es – lernte ich laufend neue Dinge kennen, die unsere Kleinstadt zuvor noch nie gesehen hatte: Pizza, Hamburger, Roastbeef-Sandwich. Man glaubt nicht, wie unglobalisiert in den späten 60er-Jahren der Speiseplan eines österreichischen Haushalts war. Nicht, dass wir schlecht gegessen hätten, im Gegenteil. Aber Weißbrot gab es selten. Über einen Toaster verfügte unser Haushalt nicht. Ab und zu jedoch erschienen zum Nachtisch Arme Ritter auf dem Teller, für die Erwachsenen mit Rotwein-Zimt-Sauce, für die Kinder mit Himbeersaft. In den USA entdeckte ich den Armen Ritter in Gestalt des French Toast. Er wird Sie aus drei Gründen erfreuen. Erstens, weil Sie nun wissen, was Sie mit dem Ahornsirup anfangen, den Sie damals aus der Bioabteilung im Supermarkt mitgenommen haben. Zweitens, weil Sie Ihr altes Weißbrot, die Reste von Striezel oder Pinze, sinnvoll verwenden können (besser wird French Toast natürlich mit frischem Toastbrot). Drittens aber, weil er zum Frühstück wunderbar schmeckt. Wunderbar amerikanisch.


Rezept
für 4 Personen

Zutaten
pro Person 4 Scheiben Toastbrot (evtl. Weißbrot, Striezel etc.)
pro Person 1 Ei
etwas Milch
Butter zum Herausbacken
Butter zum Belegen
Ahornsirup

Zubereitung
Verquirlen Sie die Eier in einer Schüssel, geben Sie etwas Milch dazu. Zerlassen Sie etwas Butter in einer beschichteten Pfanne, ziehen Sie die Brotscheiben durch das gequirlte Ei und backen Sie sie auf beiden Seiten goldgelb. Ein paar Scheiben aufeinanderstapeln, auf jede eine Butterflocke setzen und alles mit Ahornsirup übergießen. Rasch servieren.