Für diesen scharfen Semmelkren da lässt man gerne alles stehn

GRUNDKURS KOCHEN / BEILAGEN | 23.2.2011
  

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Heißt es nun richtig Semmelkren oder doch Semmelnkren? Angelehnt ist dieses Beispiel an den berühmten Dialog zwischen dem Komiker Karl Valentin und seiner Gespielin Liesl Karlstadt, die diese Frage rund um den Semmel(n)knödel spinnen. Im modernen Singlehaushalt wird man auch mit einer einzelnen Semmel diese Sättigungsbeilage zaubern können. Die postmoderne Patchworkfamilie wird zu einigen Semmeln greifen müssen, um die vielen hungrigen Mäuler zu füllen.
Aber natürlich heißt diese alterwürdige Zuspeise immer Semmelkren, weil es ja um die Idee Semmel geht. Diese humoristische Frage birgt aber doch eine kleine Wahrheit: Sprache hat letztlich mit Ästethik zu tun und nicht mit mathematischer Perfektion.
Man schneidet die Semmeln in dünne Scheiben und gibt sie in einen Topf. Nun wird heiße Gemüse- oder Rindssuppe darübergegossen, gerade so viel, dass das Semmelbrot damit knapp bedeckt ist. Das Ganze zieht nun so lange, bis man das sogenannte Krenreißen hinter sich gebracht hat. Dafür schneidet man ein ordentliches Stück von der frischen Krenwurzel ab, schält und hobelt es mit dem Reibeisen mittlerer Stärke in feine Streifen. Ein halber Becher Sauerrahm, Salz, Pfeffer und das scharfe Teufelszeug hinein, die aufgeweichten Stücke mit dem Kochlöffel zerdrücken, umrühren und eventuell die überschüssige Flüssigkeit auf dem Herd reduzieren lassen. Am besten passt gekochtes Rindfleisch dazu und ein deftiger Erdäpfelschmarren. Vergeltsgott.