Tiefschnee mit Leichtigkeit

Zum Skifahren nach Japan?

von Lea Hajner | aus COMPLETE LUXUS 2/17   

Foto: Simon Rainer / simonrainer.com

Das Land der aufgehenden Sonne steht auf den Wunschlisten von vielen europäischen Freeridern – und das trotz der langen Anreise. Zwischen Ende November und Anfang Mai fallen im japanischen Skigebiet Niseko durchschnittlich 15 Meter Neuschnee. Für acht Teammitglieder der „Sinkflug“-Crew war das Grund genug, ihre Sachen zu packen und sich selbst ein Bild davon zu machen. Der Freerider Tobias Wohlmannstetter ist einer von ihnen. Früher ist der Niederbayer Skirennen gefahren, heute schlägt sein Herz für breite Ski und Powderhänge. Und für die ewige Suche nach den besten Spots.

Tobias, ihr habt in Japan einen Film über das Freeriden gedreht. Wie ist die Idee entstanden?

tobias wohlmannstetter: Gemeinsam mit den Freeridern der „Sinkflug“-Crew haben wir die letzten Jahre bereits einige Filmprojekte umgesetzt. Als wir uns letzten Sommer überlegt haben, was wir als Nächstes machen sollen, war plötzlich Japan am Tisch. Keiner von uns ist je dort gewesen, jeder wollte einmal hin. Die Idee ist uns nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

— Wie hast du dir den Winter in Japan vorgestellt? Und wie war er tatsächlich?

Diese berühmten Bilder von meterhohen Schneewänden am Straßenrand sind das, worauf auch wir gehofft haben. Sobald wir nach Niseko ins Skigebiet gekommen sind, war das dann genau so!

— Womit hat dich Japan überrascht?

Den ersten Kulturschock hatte ich sicherlich bei der Ankunft am Flughafen in Tokio: Die Hallen waren mit japanischen Schildern überladen, die wir nicht lesen konnten, aber alle Leute waren unglaublich freundlich. Im Skigebiet auf der Insel Hokkaidō war das ähnlich.

— Wie fühlt er sich denn nun an, dieser berühmte japanische Schnee? Und was ist daran so besonders?

Die Menge des Schnees. Und die Regelmäßigkeit, mit der er fällt. In den drei Wochen gab es keinen einzigen Tag, an dem es nicht zumindest ein wenig Neuschnee gegeben hat! Gleich am ersten Tag hatten wir hüfthohen Tiefschnee. Wenn das bei uns einmal passiert, bleibt man schnell in der Masse stecken. In Japan fährt man und merkt gar nicht, dass der Schnee so tief ist, weil er so leicht ist. Erst dann, wenn man nichts mehr sieht.

— Woran liegt diese Leichtigkeit?

Aus dem Meer steigt viel Feuchtigkeit auf und wird an Land geblasen, wo sie auf die sehr kalte Festlandluft, die aus Sibirien kommt, trifft. Wir hatten in Japan meistens -5 bis -10 Grad und trotzdem hat es noch geschneit. Diese Temperaturen sorgen dafür, dass der Schnee extrem trocken und leicht fällt und auch so bleibt.

— Worauf sollte man eingestellt sein, wenn man in ein japanisches Skigebiet fährt?

Auf vollen Service. Bei den meisten Gondeln werden einem die Ski abgenommen, hineingestellt und auch wieder für einen herausgeholt. Dafür bedankt man sich dann mit einer Kopfbewegung und einem „Arigato“. Und Drängeln am Lift ist natürlich auch ein absolutes No-Go.

— Wie kann man sich das Skigebiet vorstellen?

Die meisten Abfahrten sind eher flach und extrem gut bewaldet. Aber nicht wie bei uns mit Nadelbäumen, sondern mit Birken. Die weißen Bäume, auf denen dann noch mal extrem viel Schnee liegt – das sieht schon extrem cool aus.

— Ihr wart nur ein paar Tage im Skigebiet und den Rest der Zeit im freien Gelände unterwegs. War es denn schwierig, abseits der Pisten die besten Spots zu finden?

Man muss definitiv mit offenen Augen im Auto sitzen. Meistens sind wir von der Straße auf einen Kamm aufgestiegen und dann von dort abgefahren. Außerdem haben wir Unterstützung vom Hokkaidō Backcountry Club bekommen, ein Unternehmen, das Heli- und Cat-Skiing anbietet.

— Womit stärkt man sich am Berg bei acht Stunden langen Sessions?

Mein persönlicher Favorit sind Reisecken mit Lachs und Preiselbeeren. Die haben wir beim Tourengehen fast immer als Stärkung dabeigehabt. Zum Aufwärmen gab’s oft Ramen-Nudelsuppe.

Info

Skigebiet: Niseko www.niseko.ne.jp
Höhe: Meeresspiegel–1.000 m
Preise. 8 h ca. € 50,–, 3-Tages-Ticket ca € 155,–
Gut zu wissen: Rund um das chinesische Neujahr sind die Unterkünfte fast alle ausgebucht und die Pisten voll (2018: 16. Februar). Der Film, den die „Sinkflug“-Crew auf der japanischen Insel Hokkaidō produziert hat, erscheint diesen Winter.



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