„Man muss sie überzeugen, es zu riskieren“

Das ImPulsTanz Festival bringt jeden Sommer zeitgenössischen Tanz und Performance nach Wien. Seit 1984 steht Indendant Karl Regensburger hinter den erfolgreichen Workshops, Aufführungen und Partys

von Elisabeth Schepe | aus COMPLETE 2/17   

Foto: Nikolaus Similache

COMPLETE MAGAZIN — Sie sind studierter Betriebswirt und leiten seit 33 Jahren das ImPulsTanz Festival. Würden Sie auch andere Veranstaltungen managen?

KARL REGENSBURGER: Würde ich schon, aber nach so vielen Jahren ist man sehr damit verbunden. Den Aufwand, den wir durch unser Wachstum hatten, weiß ich sehr zu schätzen.

— Warum brauchte Wien 1984 ein Tanzfestival?

Wir waren anfangs in einem Tanzstudio zu Gast. Das wurde uns wegen der hohen Nachfrage nach Workshops zu klein. Also hab’ ich mich zur Sportuni auf der Schmelz begeben. Dort haben sie mir gesagt, hearns, sie können nicht als Privatperson eine Universität mieten. Da hab’ ich den „Verein zur Förderung des künstlerischen Ausdruckstanzes“ gegründet. Weil mir die Idee eines Vereins nicht gefallen hat, wollte ich ihn möglichst kompliziert benennen. Das hab’ ich jahrelang bereut, den Namen musste ja vor allem ich immer schreiben. (lacht) Bis Ende der 90er waren wir auf der Schmelz, dann haben wir die Probebühne des Burgtheaters und die Bundestheaterwerkstätten im Arsenal entdeckt. Das sind gewaltige Säle, sicher die schönsten Tanzstudios der Welt. Seither sind wir dort und sehr zufrieden.

— Wie haben Sie das ImPulsTanz als Festival profiliert?

Da wir mit Workshops angefangen haben, haben die etablierten Festivals anfangs auf uns runtergeschaut. Genau diese Festivals haben Mitte der 90er Jahre auf einmal begonnen, auch Workshops zu machen. Nur haben sie das nicht gekonnt. (lacht) Bei ImPulsTanz war das ein sehr organisches Wachstum.

— Wie bringt man Nichtkennern zeitgenössischen Tanz und Performance näher?

Man muss sie überzeugen, es einfach zu riskieren. Bei unseren Workshops konnte man von Anfang an gratis zusehen. Daraus hat sich ganz natürlich entwickelt, dass man am Abend auch noch ins Theater zu einer Performance schaut.

— ImPulsTanz ist einer der wenigen Events im Hochsommer…

Ja, mittlerweile sind durch uns auch viele Theater geöffnet. Ich finde es aber nach wie vor schade, dass die Wiener Staatsoper nicht zur Verfügung steht.

— Die hätten Sie gerne als Bühne?

Wir haben dort im Jahr 2000 schon das Ballett der Pariser Oper präsentiert. Die Staatsoper würde ich gerne wieder bespielen. Da könnte man das Festival um eine zeitgenössische Ballettschiene erweitern. Es gibt im Bereich Ballett nicht nur verzopftes Erzähltheater aus dem 19. Jahrhundert!

— Wird Tanz in Wien genug gewürdigt?

Wien ist eine Musikstadt, da spielen wir erste Geige. Der Theaterbereich ist auch sehr gut. Tanz kann sich die Theaterräume meist nicht leisten. Die Aufmerksamkeit für Tanz hat sich zwar blühend entwickelt, die Budgets dafür leider nicht.

— Wie hoch ist Ihr Budget?

5,8 Millionen Euro. 1,5 Millionen erlösen wir über Workshops und Kartenverkauf. Unser Eigenfinanzierungsgrad ist außergewöhnlich gut. Besser sind nur die Salzburger Festspiele, aber die haben andere Kartenpreise.

— ImPulsTanz ist nicht nur für die Workshops und Vorstellungen bekannt, sondern auch für die Partys danach. Was macht eine richtig gute Party aus?

Wir wollten mit den Partys einen Treffpunkt für die Künstler und Teilnehmer schaffen. Das ist auf viel Widerhall gestoßen. Die Leute, die uns besuchen, tanzen wirklich gerne. Das macht eine befreite und gute Stimmung und dann wird das eine schöne Party.

— Was ist Ihr Programmhighlight 2017?

Ich freue mich besonders auf Michael Laub. Der macht ein Stück über einen Fassbinder-Film und verbindet ihn mit dem Gretchen-Thema aus „Faust“. Und ich fühle mich geehrt, dass Jan Fabre seine Uraufführung bei uns haben wird.

— Welche Compagnie konnten Sie bisher nicht nach Wien holen?

Ich hätte immer gerne das Tanztheater Wuppertal mit Pina Bausch bekommen. Und es wäre natürlich toll, einen Tom Waits oder einen Bob Dylan zu kriegen.

— Haben Sie sie gefragt?

Prince habe ich gefragt. Wir hatten Kontakt zu einem Gitarristen seiner Kernband. Ich wollte Prince immer mit seinen Lovesongs – er alleine am Piano – in die Staatsoper bringen. Da hätte ich die Staatsoper übrigens bekommen, nur hat er uns leider nicht geantwortet. Tom Waits würde mir gut gefallen, weil er in seinen Konzerten einen sehr theatralen Zugang hat. Und Dylan ist Dylan.

— Gibt es ein internationales Festival, von dem Sie sich etwas abschauen?

Nein… (überlegt)

— Sind Sie sowieso die Nummer eins?

Wir sind schon die Nummer eins – das muss man in aller Bescheidenheit sagen. (lacht) Nein, wir schauen natürlich genau, was die anderen machen, und lernen auch davon.

— Käme ImPulsTanz heute auch ohne Ihr persönliches Netzwerk aus?

Mittlerweile schon. (Anm.: Der Presse-sprecher schüttelt den Kopf und verneint.) Ich habe ein hervorragendes Team. Ich hoffe noch immer, dass ich einen wertvollen Beitrag leisten kann. Man macht natürlich nicht mehr alles selbst wie zu Beginn, als man die Kataloge selbst ins Kuvert gesteckt und aufgegeben hat.

— Zum Kulturstadtrat geht man aber schon noch selber?

Ja. Man geht aber nicht oft zum Kulturstadtrat. Das ist eine Terminfrage – aber nicht meine. (lacht)



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