Landleben eben

Reife Früchte, fermentiertes Gemüse, gepflegter Garten und wildeste Wildnis – diese Bücher sind der Natur nahe

von Tiz Schaffer | aus COMPLETE 2/17   

Der britische Autor Robert Macfarlane hat sich aufgemacht, um zu erleben und zu beschreiben, was Wildnis ist. Er erkundet verwunschene Inseln und bedrohliche Gebirge, stapft durch Moore und kämpft sich durch dichte Wälder. Vom Norden Schottlands bis nach Südengland. Zudem schildert er, was die Wildnis mit jenen gemacht hat, die vor ihm schon hier waren: Eremiten, Literaten und Naturkundler. Seine Prosa ist die eines Verliebten, kulturphilosophisch angereichert. Die Kritik attestierte dem Buch das Zeug zum modernen Klassiker. Erstmals 2007 erschienen, ist „Karte der Wildnis“ nun als Taschenbuch erhältlich.

Robert Macfarlane: Karte der Wildnis. Ullstein, 304 S., € 15,50

Klar, Essiggurkerl und Sauerkraut kennt jeder. Doch das Haltbarmachen von Gemüse geht den Dreh avancierter. Hier erfährt man, wie das Gären unter Sauerstoffausschluss richtig geht und dass dabei für die Verdauung wertvolle Milchsäurebakterien entstehen. Auch bekommt man g’schmackige Rezepte und Fermentideen aus aller Welt kredenzt – vietnamesisches Limetten-Kürbis-Ferment etwa oder Rote-Beete-Pfeffer-Ferment. Das Tolle ist, es braucht nicht viel: Salzwasser, geschnippeltes Gemüse, Gewürze, Einmachgläser und das Büchlein in der Hand. So legt man sich nicht nur Vorräte ohne Ende, sondern auch einen Darm mit Charme zu.

Katrin Thomas: Fermentieren – Superfood für den Darm. Kneipp Verlag, 96 S., € 14,90

„Früchte, woher kommen sie, wie werden sie zubereitet, wie haltbar gemacht?“, umreißt der Verlag, was uns erwartet. Und wohin gehen sie? Natürlich in unseren Magen. Während man also Sammelnussfrüchte (Erdbeere etc.) und Panzerbeeren (Kürbis etc.) verzwickt, erklärt die Botanikerin und Literaturliebhaberin Rosemarie Gebauer, wie und wo die Früchte hängen, auch, wie sie Eingang in Literatur und Kunst gefunden haben – etwa in die Werke von Goethe oder van Gogh. In leicht verdauliche Kapitel portioniert, taugt das Buch als Nachschlagewerk zu Quittenbaum, Sanddornstrauch und wie sie alle heißen.

Rosemarie Gebauer: Sammelnüsschen und Panzerbeeren. Von Apfelbaum bis Zitrusfrucht. Transit, 144 S., € 19,80

Peu à peu, also in gut nachvollziehbaren Schritten, erläutert Folko Kullmann, wie man einen Garten erblühen und die Nachbarn vor Neid erblassen lässt – von der Planung bis zur tatsächlichen Umsetzung. Zäune, Hecken, Mauern. Tische, Stühle, Gartenmöbel. Obst-, Gemüse-, Blumengarten. Teich und Pool und Sprudelstein. Herr Kullmann weiß, wie’s geht. Und erklärt es so, dass selbst DIY-Freunde mit zwei linken Händen nicht verzweifeln müssen. Im Handumdrehen ist der Obstbaum gepflanzt, das Insektenhotel eröffnet und … okay, für den Bau eines Hochbeets oder das Aufziehen einer Trockenmauer empfiehlt es sich, eventuell eine befreundete Hilfskraft beizuziehen.

Folko Kullmann: Garten step-by-step. GU, 192 S., € 19,99


3 Fragen an Eva Menasse

Die in Berlin lebende österreichische Schriftstellerin hat sich von kuriosen Pressemeldungen über Tiere zu ihrem Erzählband „Tiere für Fortgeschrittene“ inspirieren lassen

Foto: juergen-bauer.com

Sie haben Ihren acht Erzählungen kuriose Tiermeldungen vorangestellt. Was verraten sie uns über die Protagonisten? Der Zusammenhang mag sich nicht immer gleich erschließen…
Die Tiermeldungen sind „nur“ meine Anreger. Sie öffnen mir einen Assoziationsraum, in dem ich dann schreibe. Mancher Leser mag Verbindungen finden, aber das ist keine Pflicht. Ich zeige damit nur meine Arbeitsweise: Seht her, diese Meldung hat mich zu dieser Erzählung inspiriert. Ich lese diese Tiermeldungen wie Parabeln, wie Fabeln und versuche, sie rückzuübersetzen oder umzuwandeln in etwas Neues.

Sie haben Ihr Buch dem 2014 verstorbenen Regisseur Michael Glawogger gewidmet. Welches Verhältnis hatten Sie zu ihm?

Uns hat in den letzten Jahren seines Lebens eine kreative Freundschaft verbunden. Ich war dabei, für ihn ein Drehbuch zu schreiben, als er starb. Er hatte ein viel innigeres, echtes Verhältnis zu Tieren, wie man in seinen Dokumentarfilmen sehen kann. Ich weiß, dieses Projekt hätte ihm gefallen. Und ich vermisse ihn.

Mütter in Patchwork-Familien kommen bevorzugt in den Erzählungen vor. Warum?

Warum fällt das allen dauernd auf? Vielleicht, weil Mütter überhaupt ansonsten in der Literatur stark unterrepräsentiert sind? Mütter und Patchworkfamilien sind eine Lebensrealität, von der wir alle umgeben sind. Und ich beschreibe, was ich kenne und sehe. Mein persönliches Verhältnis zu Tieren ist übrigens so gut wie null. Ich habe kein Haustier, als Kinder durften wir nur Wellensittiche halten. Heute interessiere ich mich – sehr theoretisch – am ehesten für intelligente Vögel wie Papageien, Raben oder Krähen.



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