U-Bahn-G’schichten – 24 Stunden in der U2

  
G'schichten

Von morgens früh bis spät in die Nacht sind wir mit der U2 gefahren und haben die Menschen zum Leben in der Seestadt und ihrer Zufriedenheit mit der U-Bahn befragt.


Krieau



Silvia (73)

Wohnen Sie in der Seestadt?
Ich werde hier bald wohnen. Ich war jetzt in der Wohnung, aber ich wohne noch nicht fix hier.

Wieso ziehen Sie in die Seestadt?
Ja wieso… (zögert). Ja, weil ich die Wohnung nun einmal da habe.

Aber finden Sie die Seestadt schön?
Ja schön, mein Gott na. Im Süden ist es auch schön, aber man muss es sich auch leisten können.

Sie ziehen also in die Seestadt, weil die Wohnungen dort günstig sind?
Ich weiß nicht, ob alle günstig sind. Ich habe eine Mietwohnung. Eine Eigentumswohnung um ein paar hunderttausend Euro kann ich mir nicht leisten. Ich ziehe her, weil ich Probleme mit meiner Wohnung habe.

Welche Probleme?
Ich habe im Arsenal gewohnt. Ich weiß nicht, ob Ihnen das etwas sagt. Vielleicht kennen Sie das Heeresgeschichtliche Museum. Die Wohnung dort hat einmal dem Bund gehört. Meine Mutter hat beim Bund gearbeitet und ich habe dann die Wohnung übernommen. Sie war ganz annehmbar, weil sie eben dem Bund gehörte. Aber der Herr Schüssel hat uns das noch eingebrockt und das Arsenal verkauft. Jetzt ist es privat und da stimmt manches nicht mehr. Und deswegen wollte ich weg. Deshalb hab’ ich hier die Wohnung genommen. Ich habe zwei Jahre lang gewartet. Es ist natürlich eine kleinere Wohnung, das ist für mich schon eine Umstellung. Aber hier ist alles klein, was Großes kann man sich nicht leisten. Ich bin Pensionistin. Ich habe zwar nicht die Mindestrente aber trotzdem. Es ist nicht so einfach. Aber wie es mir gefällt… Naja, es geht fürs Erste. Wie sich das weiterentwickelt, weiß man nicht. Jetzt geht es noch, aber, wer weiß, vielleicht bin ich dann schon tot, wenn sie alles zubauen.

Und wie empfinden Sie die lange Fahrt?
Es ist schon ein bisschen weiter. Aber mit der U-Bahn geht’s flott. Da kann man nichts sagen.

Kennen Sie schon irgendwen in der Seestadt?

Ja, meinen Nachbarn. Den hab ich kurz gesehen. Aber ansonsten kenne ich in der Seestadt noch relativ wenige.

Nach einer Woche treffen wir sie wieder und sprechen sie an.
Was ich noch erzählen wollte, weil Sie mich gefragt haben, wieso ich hier herziehe: Es ist auch wegen dem Wasser. Ich bin eine Wasserratte. Es gibt aber Leute, die sagen das ist kein Badeteich. Wieder andere sagen, man darf hinein.

Aber man darf oder?
Ja, man darf schon, aber ich sehe sehr wenige Leute baden. Ich würde schon gern schwimmen, auch weil man in meinem Alter Probleme mit dem Gewicht hat. Ich habe schon zehn Kilo zugenommen.

Wohin fahren Sie?
Wohin? Ich fahr jetzt in die andere Wohnung, weil ich lebe ja noch nicht richtig hier. Ich trage nur die Sachen hierher.

Ist der Umzug stressig?
Eigentlich nicht. Ich kann in der Seestadt einen Monat gratis wohnen. Da kann ich alles schön langsam machen.


Stadion



Martin

Er trägt ein blaues Polohemd und sitzt in der U-Bahn. Alleine auf einem Vierersitz am Fenster. Er hat hervorstechend blaue Augen.

Wohnen Sie in der Seestadt?
Ja, seit 2015 – also ziemlich von Anfang an.

Arbeiten Sie in der Seestadt?
Nein, nicht wirklich. Ich bin bei der Wiener Rettung in Aspern, aber im Umkreis von 15 Minuten von der Seestadt. Hin und wieder muss ich zu einer anderen Station. Prinzipiell bin ich aber in Gehdistanz.

Wie empfinden Sie die lange Fahrt mit der U2?
Ich finde, die Fahrt ist nicht lang. Wenn man ins Stadtzentrum muss, ist es gut. Aber wenn man von Stadtende zu Stadtende muss, fährt man halt ewig – zum Beispiel wenn ich nach Atzgersdorf muss, oder meine Eltern im 11. Bezirk besuche. Das ist dann eine lange Reise.

Und wie finden Sie die Intervalle?
Wenn man weggeht, muss man schauen, wann die U-Bahn fährt. Dann geht es sich gut aus. Gerade habe ich nur vier Minuten gewartet. Beim Zurückfahren ist das so eine Sache. Man wird unterschiedlich fertig und muss dementsprechend warten.

Stört Sie das?
Jetzt nicht, aber früher war ich in der Zentrale in Schönbrunn und wenn ich da am Sonntag in der Früh aus hatte, hab ich dann schon 20 Minuten auf die U-Bahn gewartet. Das war ein bisschen nervig.

Wieso sind Sie damals in die Seestadt gezogen?
Ich habe eine Wohnung durch das Wohnservice angeboten bekommen. Das hat sich so ergeben. Ich bin aber überaus zufrieden, muss ich sagen. Am Anfang war ich skeptisch: Ich habe immer im 11. Bezirk gewohnt und mir gedacht, so über dem Wasser will ich eher nicht so wohnen.

Was haben Sie für einen Eindruck von der Seestadt?
Ich bin sehr zufrieden. Man merkt, dass mehr Leben reinkommt. Am Anfang war wirklich nur die U-Bahn da und ich war im zweiten Haus, das fertig geworden ist. Da ist man noch auf dem Schotterweg hingegangen. Das ist jetzt anders. Die Nahversorgung ist noch nicht ganz optimal. Es ist nur der “Spar” da – der ist ziemlich klein und überlaufen.

Glauben Sie, dass sich die Seestadt zu einem Banlieue entwickeln könnte?
Man merkt schon: Je mehr Menschen herziehen, desto mehr hat man „Krawallmacher“. Ich fühl mich aber nicht unsicher. Hin und wieder ist wer laut draußen. Aber das ist kein Vergleich zur Innenstadt.

Sind viele Einsätze in Aspern?
Nein. (lacht) Kein Vergleich. Es gibt nur ein Rettungsauto für den ganzen Bezirk Aspern. Es ist halt ländlich. Wir haben hier keine Partyzonen, wie in der Stadt.

Was halten Sie von der U2 als Linie?
Ich finde sie sehr gut. Sie ist sehr störungsresistent. Das Einzige ist, dass nur jede zweite rausfährt. Es gibt immer wieder Betrunkene aber nicht übermäßig viele.

Was fällt Ihnen zur Seestadt noch ein?
Die Seestadt ist noch in ihrer Entwicklung. Man muss Geduld haben, wenn man herzieht. Aber ich habe alles von Anfang an erlebt und es geht schon einiges weiter. Es ist zum Teil noch recht ausgestorben. Man kann hier in der Früh gehen, ohne dass man jemandem begegnet. Oder auch unter der Woche, wenn die Menschen arbeiten, sieht man niemanden. Das wird sich aber auch noch ändern.


Donaumarina



Manuel (35) und Sabrina (26)

Das Pärchen sitzt auf einem Vierersitz. Beide auf der gleichen Seite. Sabrina kommt aus Südtirol. Sie ist hellblond, eher der blasse Hauttyp. Ihre hellblauen Augen strahlen. Sie ist zurückhaltend und sehr ruhig.

Er kommt aus Wien, aus dem 22. Manuel hat braune, kurze Haare, einen kleinen Mund. Seine aufgeschlossene Art nimmt viel Platz ein. Während dem Gespräch, gestikuliert er viel mit seinen Händen.

Kommen Sie aus der Seestadt?
-Manuel: Wir holen gerade den Wohnungsschlüssel für unsere Wohnung in der Seestadt.
-Sabrina: Aber wir haben noch keine Erfahrungen mit der U2.

Wieso ziehen Sie in die Seestadt?
-Manuel: Das müssen Sie sie fragen, sie wollte daher. (Er deutet auf Sabrina.)
-Sabrina: Einfach so. Mir gefällt die Gegend.

Wie empfinden Sie die lange Fahrt?
-Manuel: (Er wirkt genervt.) Ja, definitiv wird uns die lange Fahrt nerven. Ich arbeite im 12. Bezirk draußen, da werd ich jeden Tag fahren. Aber man kommt hier in ein ganz neues Ambiente, da kommt Urlaubsfeeling auf. Wir schauen einfach, wie es so wird da draußen. Zum Beispiel auch mit den Nachbarn. Aber was wir bisher so gesehen haben, bei der Wohnungsvergabe, sind da viele junge Leute. Die sind eigentlich so ziemlich auf demselben Niveau wie wir. Dem schauen wir schon freudig entgegen.

Wann genau ziehen Sie ein?
-Manuel: In zwei Wochen. Nächste Woche kommt die Küche und danach wird gesiedelt.

Was halten Sie von der U2 als Linie?
-Sabrina: Es gibt viele neue Garnituren.
-Manuel: Was halt nervig ist, ist das nur jede zweite U-Bahn in die Seestadt rausfährt.

Was halten Sie sonst von der Seestadt?
-Manuel: Es wurde alles sehr alternativ errichtet. Teilweise hört man positive, aber auch mal negative Berichterstattung. Zum Beispiel, dass die Seestadt eine zweite Rennbahnsiedlung wird, aber das glauben wir eigentlich nicht. Die Leute, die wir selbst in der Seestadt gesehen haben, besitzen eigentlich ein recht anständiges Einkommen. Ein bisschen über dem Durchschnitt. Und die Wohnungen sind ja auch teuer. Die könnte ich mir ohne sie auch nicht leisten (deutet auf Sabrina).
-Sabrina: Es ist schon gemischt, ja.
-Manuel: Ja und was man eben so in der Heute liest: Dass irgendein Tschetschene die Seestadt terrorisiert. Das war sogar auf der Titelseite. Ja mal schauen, wie es dann wird.

Wie wird sich die Seestadt entwickeln?
-Manuel: Also was ich jetzt gelesen habe, wird ja entsprechend gebaut, bis in die 2060er Jahre.
-Sabrina: 2024.
-Manuel: Nein, 2060. Von der Seestadt bis zum Stadion. Da wird ein eigenes Erholungs- und Naturschutzgebiet erschaffen.
-Sabrina: Aber das gehört ja nicht mehr zur Seestadt.
-Manuel: Die bauen die ganze Zeit. Bis 2060 ist es geplant, da was Neues zu erschaffen.

Wie empfinden Sie es, dass da so viel gebaut wird?
-Manuel: Ich wünsch mir, dass es außer einem “Spar” mehrere Einkaufsmöglichkeiten gibt. Also einen “dm”, “Billa” oder “Penny”. Das fehlt jetzt noch. Und die Kritiken von “Spar”, die sind ja auch nicht so fein gewesen. Die letzten Posts sind sehr negativ. Wo wir da waren, ist die Frau einfach von der Kassa weggegangen und dann war keiner bei der Kassa. Ich mein, darf ich zahlen oder soll ich jetzt fladern?

Was sagen denn Ihre Bekannten zu dem Umzug?
-Sabrina: Meine Bekannten sind eh nicht da. Die sind in Südtirol.
-Manuel: Naja, die fragen, warum ich mir das antue. Die meisten kommen aus den Randgebieten. Aber ich habe keinen Führerschein, sie hat keinen Führerschein (deutet auf Sabrina). Für uns ist die Seestadt optimal. Also für Leute, die keinen Führerschein haben und doch irgendwie im Grünen sein sollen.
-Sabrina: Auf der anderen Hälfte von der Seestadt soll es, glaub ich, eh urbaner werden, mit Einkaufsstraße und so. Da haben wir Glück auf unserer Seite, mit dem Grün.

Wir treffen Manuel ein zweites Mal. Er setzt sich zu uns und erzählt, dass ihn gerade die Handwerker für seine Küche angerufen haben. Sie waren früher da als geplant, deshalb wirkt er leicht gestresst. Trotzdem plaudert er über Weinreben vor seinem Haus. Er erwähnt, dass immer wieder Schulklassen und Kindergärten in die Seestadt pilgern und er sich wie in einem Touristenort vorkommt.


Donaustadtbrücke



Linda (15), Sofia (15), Laura (15), Verena (15), Clara (16)

Kommt ihr aus der Seestadt?
-Linda: Nein, wir sind hier um eine Freundin zu besuchen.

Fahrt ihr öfter in die Seestadt?
-Laura: Ja.
-Linda: Nur um sie zu besuchen.

Wie findet ihr die Seestadt?
-Linda: Schön.
-Die anderen: Hm.
-Linda: Ich find‘s schön, aber die U-Bahn und die Busse kommen zu selten hier. Es ist echt ländlich. Es gibt keine Autoparkplätze. Der See ist schön, aber die Seestadt ist ein bisschen eine Fehlkonstruktion. Es sollte wenigstens der Bus öfter kommen, wenn es schon keine Parkplätze gibt. Sie wollten ja, dass es eine grüne Stadt wird, dass man eher öffentlich fährt. Aber das ist schief gelaufen. Es ist echt schwer herzukommen. Und wir müssen da jetzt 15 Minuten warten (deutet auf die Anzeige).
-Verena: Beim See ist es echt unheimlich.
-Verena: Es sind auch manchmal ur komische Leute hier.
-Linda: Zum Beispiel, gerade sind wir gegangen und da waren echt seltsame Typen.
-Laura: Ja, man wird öfter angesprochen.

Also habt ihr eher einen gemischten Eindruck von der Seestadt?
-Linda: Also ich finde es schon schön (anderen stimmen zu). Ich würde aber hier nicht alleine spazieren gehen. Aber zum Beispiel mit Freunden beim See, ist es schon schön.
-Sofia: Also ich finde blöd, dass der See jetzt gesperrt ist. Ein Mann ist zu uns gekommen und hat uns gesagt, dass man leise sein muss und eigentlich nicht mehr da sein darf. Aber ja, es ist schon schön hier.

Wie empfindet ihr die lange Fahrt?
-Laura: Naja, es ist nicht so lang.
-Sofia: Es ist schon lang.
-Laura: Bis zum Praterstern sind es von hier nur 20 Minuten.
-Linda: Aber Praterstern ist doch nicht Innenstadt. Es sind schon 25 Minuten bis in die Innenstadt. Das ist schon lang.
-Laura: Wenn man keine Beschäftigung hat, dann ist es lange.

Wie findet ihr die U2 im Gegensatz zu anderen Linien?
-Linda: Viel schöner. (andere stimmen zu) Und auch nicht so gruselig. In die U6 steig ich nicht alleine ein. Auch die U-Bahnstationen sind schöner. Letztens sind wir unabsichtlich zu Aspern Nord gefahren. Da war es ungefähr neun am Abend und es war echt gruselig. Es war nicht ein Mensch da.
-Laura: Es ist auch am Tag keiner da. Ich bin da vorbeigefahren, da ist niemand. Da gibt’s keine Menschen.

Woher kommt ihr?
-Linda: Wir kommen alle aus dem 22. Bezirk.


Stadlau



Andrea (21) und Stefan (23)

„Ah, you are not from Balkan like me!“, sagt Stefan. Er trägt eine hellblaue Jean und ein rotes Polo-Shirt. Er hat einen Bart, dunkelbraune, kurze Haare, eine große Nase und kleine Ohren. Während des Gesprächs stellt er ständig Rückfragen. In der Hand hält er eine Flasche Roséwein.
Andrea ist aus Ungarn. Sie trägt eine Jean, hellblaue Schuhe und eine dunkelblaue Bluse. Sie hat schwarze, geglättete Haare und trägt rosa Lippenstift. Ihre Augen sind stark geschminkt.

Do you live in Seestadt?
-Stefan: We are living in the dormitory in Seestadt.

How do you like it?
-Stefan: The place is nice, but it is far away.
-Andrea: It is nice and really comfortable, but it is far away.

What do you think of the U2?
-Stefan: I don’t like it. I need the time for other things. Two months ago I had a meeting with a supervisor and I had to spend two hours of the day travelling.

What do you do during the ride?
-Andrea: I listen to music or just listen to others having conversations.
-Stefan: I don’t. I don’t have music. I don’t know how to put music on IOS, although I have this phone for 2 years.

Is there anything significant about the Seestadt?
-Andrea: I hate that only „Spar“ is here, it is really expensive. There are a lot of people from abroad. I am from Hungary and I hear people talking in Hungarian. There are many people from Europe, I think. Lots of families and children.

Are there any parties in Seestadt?
-Stefan: Parties? There are only parties if the dormitory – we – organize it.
-Andrea: So we have fun in the dormitory, just the dormitory.
There is no nightlife. That is why we are going to the city. You cannot meet anyone after 8 on the street.
-Stefan: There are no people to party with.
-Andrea: Everyone is sleeping.


Hardeggasse



Marco (16), Alex (16) und Sebastian (16)

Die drei Jungs sitzen auf der Metallbank am Bahnsteig. Alex trägt eine kurze Nike-Hose, weiße Schuhe und ein weites T-Shirt. Er hat dunkelbraune Haare und trägt eine Uhr am Handgelenk.

Sebastian trägt eine blaue Jean mit Löchern und ein schwarz-weiß gestreiftes T-Shirt. Er hat ebenfalls dunkelbraune Haare.

Marco trägt eine Kappe, seine Haare sind nicht sichtbar. Er trägt eine runde Brille mit dünnem Rahmen. Sein kariertes Hemd wirkt zu groß für ihn und schlackert um seinen Körper.

Wohnt ihr in der Seestadt?
-Alex: Nein, wir sind auch nicht oft da. Wir waren gerade bei einer Party, aber die war zach.

Ihr fahrt jetzt schon wieder heim?
-Marco: Zu einer anderen Party.

Wie empfindet ihr die Fahrt mit der U2 bzw. generell die U2?
-Marco: Es ist nicht so weit, wir kommen von der Hardeggasse.
-Alex: Die U2 ist die beste U-Bahnlinie und sauber.

Und wie ist die U2 in der Nacht?
-Alex: Normal. Also wenn sie fährt.
-Marco: Hin und wieder gibt es ein paar Betrunkene, aber die sind in anderen U-Bahnen genauso.

Welchen Eindruck habt ihr von der Seestadt?
-Alex: Bisschen kahl.
-Marco: Es ist langweilig, es gibt genau gar nichts.
-Sebastian: Oh ja, einen “Spar” gibt es. Und es gibt zu viele Wohnungen.
-Marco: So als Pensionist gibt es vielleicht was, ja…


Donauspital



Djordje (35)

Djordje hat hellgrüne Augen und trägt graue Nike-Air an den Füßen.

Wohnen Sie in der Seestadt?
Ja, seit 1 ½ Jahren ca.

Wieso sind Sie in die Seestadt gezogen?
Ich habe die Wohnung damals überraschend vom Sozialbau bekommen. Ich habe mich vor Jahren schon angemeldet und habe das sogar vergessen gehabt.

Wo haben Sie vorher gewohnt?
Im 12. Bezirk. Also ganz was anderes.

Wie empfinden Sie es hier bis jetzt?
Ich habe mich eingewöhnt. Am Anfang war es bisschen ungewohnt, alles so offen und grün aber mittlerweile geht es. Es ist okay.

Und Sie arbeiten in der Stadt, weil Sie jetzt in der Früh bei der U-Bahn stehen?
Ja. Manchmal fahr ich mit dem Auto, sonst mit der U-Bahn. Kommt darauf an, wann ich beginnen muss. Wenn ich um sechs in der Früh Dienst habe, fahr ich mit dem Auto. Wenn ich, wie jetzt, Zeit habe, mit der U-Bahn.

Wie empfinden Sie die lange Fahrt?
Ich fahr nicht lange. Ich brauche mit der U-Bahn genauso lange wie mit dem Auto. 25-30 Minuten, dann bin ich im 3. Bezirk. Also bis Stadion und dann mit dem Bus. Das ist nicht so schlimm. Ich habe Zeit für Nachrichten und so weiter.

Wie empfinden Sie die U2?
Okay. Hin und wieder – wie ihr seht 13 Minuten – muss man lange warten. Das ist halt nicht so gut. Sonst ist es in Ordnung, vor allem in der Früh. Da fährt sie alle fünf Minuten. Ab acht Uhr dann alle zehn Minuten.

Haben Sie schon mal etwas lustiges/ merkwürdiges in der U2 erlebt?
Nein, es ist ganz ruhig. Auch meine Familie und meine Freunde fahren mit der U2 und ich habe noch nie gehört, dass da etwas war.

Wie finden Sie das Zusammenleben in der Seestadt?
Da kennt halt jeder jeden. Es ist wie in einem kleinen Dorf, find ich. Ich weiß nicht, ob das gut so ist. Ich bin mehr der Mensch, der für sich sein will. Aber es geht. Schauen wir mal, wie das ist, wenn alles fertig ist.

Wer lebt denn so in der Seestadt?
Eine bunte Mischung. Sehr viele Familien mit Kleinkindern. Auf jeden Fall sind das so 60 Prozent. Bei uns im Haus ist es auch so.


Aspernstraße



Arabella (22) und Paulina-Marie (22)

Wohnt ihr in der Seestadt?
-Paulina-Marie: Nein, wir haben eine Exkursion für eine Übung für die Uni.

Wart ihr schon mal in der Seestadt?
-Arabella: Nein.
-Paulina-Marie: Ich einmal. Ich bin aber nur durchgefahren und habe mich umgeschaut.

Welchen Eindruck habt ihr bis jetzt von der Seestadt?
-Paulina-Marie: Ja cool, ich habe es der Arabella eh gerade erzählt, ich war begeistert.

Wie habt ihr die lange Fahrt empfunden?
-Arabella: Es ist eigentlich nicht so lang.
-Paulina-Marie: Wir hatten uns zum Plaudern, also ist es schnell vergangen. Ich bin jetzt aus dem 23. Bezirk gekommen und war eine Stunde und zehn Minuten unterwegs.
-Arabella: Wenn man in andere Bezirke fährt, fährt man auch lange. Es kommt darauf an, wo man arbeitet.
-Paulina-Marie: Wir dolmetschen ja heute und ich habe mich ein bisschen vorbereitet. Daher weiß ich, dass die Verwaltung in Seestadt will, dass so viele Leute wie möglich hier wohnen und arbeiten können.

Was genau macht ihr hier? Dolmetschen?
-Arabella: Ja genau. Wir machen simulierte Tourguide-Vorträge und die anderen dolmetschen.
-Paulina-Marie: Wir simulieren, dass wir eine französische Touristengruppe sind und die Seestadt besichtigen. Einer trägt vor und der andere übersetzt dann ins Französische. So funktioniert das.

Das heißt, ihr habt euch ein bisschen informiert?
-Paulina Marie: Ich habe mich eingelesen, aber nicht viel. Wir haben Folder zu Verfügung bekommen. Keine Ahnung, wo unser Lektor die her hat. Da steht alles sehr detailliert drinnen. Gegoogelt habe ich es nicht.
-Arabella: Ich auch nicht.

Was fällt da so auf?
-Arabella: Ich habe mir nur die Seiten durchgelesen, die für mich relevant sind. (lacht) Das ging es um „Smart-User“. Das bedeutet, dass man die gesamte Smart-Technologie in den Gebäuden hat und auch zur Forschung anwendet. Das habe ich cool gefunden.
-Paulina-Marie: Bei mir ging es darum, dass in der Seestadt früher ein Flughafen war, der so toll und modern war. Das hat sich dann aber nach Schwechat verlagert, dann war er nicht mehr wichtig. Von der Bauweise her wurde viel auf Recycling gesetzt, zum Beispiel wurden die alten Rollbahnen für die Straßen der Seestadt verwendet.


Hausfeldstraße



Xialin (21)

Xialin trägt ein schwarzes T-Shirt und blaue Schuhe. Er trägt eine Brille und hat einen Jansport Rucksack bei sich. Er studiert “Technische Physik” an der TU Wien.

Wohnst du in der Seestadt?
Ja, tu ich.

Seit wann und wieso?
Seit ca. einem Jahr. Ich bin mit meiner Familie hergezogen. Wir brauchten eine Wohnung und hier war es nicht so schlimm. Es war alles neu und die Gegend war auch nicht schlecht. Also sind wir halt hergezogen.

Wie gefällt es dir hier?
Es ist sehr ruhig. Mir gefällt dieses “Weiter-Weg” von der Stadt, die Natur eben. Das gefällt mir ziemlich gut.

Wie weit fährst du jetzt mit der U-Bahn?
Bis Karlplatz. (Anm. von Endstation zu Endstation)

Ist das nicht mühsam, solange mit der U-Bahn zu fahren?
Ist es. Aber man kann ja was anderes machen. Musik hören, irgendwas spielen oder etwas für die Uni tun. Man hat immer was zu tun. Es ist nicht so schlimm.

Wie findest du die U2?
In der Früh ist sie komplett voll. Das ist nicht so ideal fürs Lernen, weil es dann manchmal lauter wird.

Und im Gegensatz zu anderen U-Bahnen?
Was ganz extrem ist: Manchmal hat man in der U1 und der U6 die ganzen Betrunkenen und “Witzbolde”. Die hat man in der U2 nicht so.

Wie empfindest du die Intervalle?
Die Intervalle sind ein Punkt, wo ich sag: Das kann man ändern. Aber wahrscheinlich haben die Wiener Linien ihre Gründe, warum das Intervall zehn Minuten ist und nicht alle fünf Minuten wie in der Aspernstraße. Man könnte es schon auf fünf Minuten reduzieren, aber wahrscheinlich gibt es nicht genug Platz in der Seestadt, damit die U-Bahnen dort Pause machen können.


Aspern Nord



Adrian (18)

Adrian steht mit seiner Freundin am Bahnsteig vor der U-Bahn und verabschiedet sich von ihr. Sie küssen sich leidenschaftlich. Sie steht bereits in der U-Bahn, er am Bahnsteig. Die Minuten auf der Anzeige werden weniger. Die Ansage: “Bitte einsteigen” ertönt. Adrian geht zwei Schritte zurück, die Tür schließt sich, die Lichter blinken rot. Mit einem Ruck fährt die U-Bahn an. Das Paar winkt sich zu. Er wartet noch einen Moment und geht dann los, Richtung Seestadt. Noch am Bahnsteig sprechen wir ihn an. Er trägt einen lila Kapuzenpulli und hat ein freundliches Lachen.

Wohnst du in der Seestadt?
Ich wohne seit zwei Jahren hier. Mein Vater war Hausmeister und hat seinen Job verloren. Deshalb haben wir eine günstigere Wohnung gebraucht und sind hergezogen.

Wie findest du die U2?
Die U2 ist die beste U-Bahn. Sie fährt die schönsten Strecke. Bis zur Station “Messe Prater” fährt sie über der Welt. Es gibt auch keine zwielichtigen Gestalten. Es ist nur doof, wenn einem die U-Bahn wegfährt und man dann bei Aspernstraße noch einmal zehn Minuten warten muss.

Wie findest du die Seestadt?
Wie ich die Seestadt finde? Saugeil.
Es ist Stadt und gleichzeitig Natur. In nur 30 Minuten ist man im Zentrum. Die lange Fahrt ist auch kein Problem, mit ein bisschen Musik geht das schon. Die Einwohner der Seestadt sind friedlich, es gibt relativ viele Polen. Aber es ist eine Gemeinde. Die Leute halten zusammen und es wird viel interagiert. Man probiert viel aus — Es gibt, zum Beispiel, Fahrräder zum Ausborgen. Oder auf unserem Dach gibt’s ein Hochbeet, das alle benutzen können.

Denkst du, dass sich die Seestadt zu einem Ghetto entwickeln könnte?
(Er schüttelt die flache Hand unsicher.) Ich hoffe nicht, aber es wird ja alles verbaut, also wer weiß.

Wie würdest du die Seestadt in einem Satz beschreiben?
Seestadt ist geil!


Seestadt



Emily, Annika, Anna, Carina (alle 14)

Wohnt ihr in der Seestadt?
-Annika: Nein, wir kommen aus Groß-Enzersdorf. Wir fahren mit der U2 in die Stadt.

Fahrt ihr öfter mit der U2?
Ja, immer (einstimmig).

Wie findet ihr die U2?
-Emily: Also ich find die am besten, ich fühl mich da am sichersten. (die anderen stimmen zu).

Habt ihr schon mal etwas Lustiges oder Merkwürdiges erlebt?
-Emily: Nein, wir noch nie etwas erlebt. Wir sind aber auch eher nicht in der Nacht draußen. Hin und wieder gibt es Jugendliche mit einer Weinflasche – aber die sind meistens noch nicht betrunken. Das ist nicht so schlimm.
-Annika: Wir fahren nicht so oft, wenn dann nur zur Mariahilfer Straße. Von meiner Mutter aus ist die U2 die U-Bahn, mit der ich am ehesten allein fahren darf. Wenn ich mit einer anderen Linie fahre, muss ich immer mit wem telefonieren.

Wie findet ihr die Seestadt?
-Carina: Es ist ur cool hier. Es ist alles voll schön. Es sind so viele Jugendliche hier.
-Emily: Carina, bitte hör auf.

Also seid ihr hier eher um Freunde zu treffen?
Wir haben keine Freunde, wir sind hier in der Hoffnung Freunde zu finden. (alle lachen)


Autoren: Anna Stockhammer, Nadine Zeiler
Mit Unterstützung von: Nina Kriegler
Fotos: Harun Celik, Nadine Zeiler

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