KRISE DER LINKEN

Homo Faulenz

Klaus Nüchtern KLAUS NÜCHTERN | 20.09.2017

Die Müßiggänger sind rar geworden. Der Flaneur, der einst in den Metropolen „auf dem Asphalt botanisieren“ ging, um auf diese Weise „eine Demonstration gegen die Arbeitsteilung“ abzuhalten (Walter Benjamin), ist längst verschwunden. Die Hauptstadt des 21. Jahrhunderts kennt andere Figuren. Statt Spaziergängern mit Schildkröten begegnet man multitaskenden Tüchtigkeitsdarstellern, die ihren Kaffee im Stechschritt zum Arbeitsplatz tragen und wie irre vor sich hinbrabbeln, ehe man gewahr wird, dass sie in ihre Freisprechanlage sprechen.

Selbst ehemalige Enklaven des Innehaltens sind in Bühnen der Betriebsamkeit transformiert worden. In den Beiseln, einst Stätten des kollektiven Versumperns, werden keine Schnäpse mehr gezwickt, sondern die Laptops aufgeklappt, und auf den Kinderspielplätzen arbeiten junge Männer mit Migrationshintergrund an der Optimierung ihrer Körpersilhouette.

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