FEMINISMUS

Böse Stiefmutter?

Barbara Tóth BARBARA TÓTH | 04.04.2017

Ich bin Stiefmutter und Mutter. Ich habe zwei Söhne im Volksschulalter, dank meines neuen Partners kamen eine erwachsene Tochter und ein weiterer Sohn im Mittelschulalter dazu. Am Anfang war die Euphorie groß. Wir basteln uns eine neue Familie, die besser, harmonischer und lustiger wird als unsere alten. Wir wiederholen die Fehler aus unseren vergangenen Beziehungen nicht. Wir können endlich beides haben: liebevolle Paarbeziehung und buntes Familienleben. Ich kann abwechselnd und gleichzeitig Geliebte und Partnerin, Mutter und Stiefmutter sein. Wir richteten uns rasch in unserem neuen Familienleben ein. Mit unseren jeweiligen Ex-Partnern stimmten wir uns so ab, dass wir abwechselnd Kinder- und Paarwochenenden hatten. Meine Kinder erlebten ihren Stiefvater also auch im Alltag, für meinen Stiefsohn, der gut eine Autostunde entfernt von uns wohnt, war ich von Anfang an nur eine Wochenend- und Urlaubsstiefmama.

Ohne dass es mir zu diesem Zeitpunkt bewusst war, machte ich den Kardinalfehler aller werdenden Stiefmütter. Ich glaubte, das alles würde sich quasi von Natur aus fügen, wenn die Liebe zwischen mir und meinem neuen Partner nur groß genug sei. Ich ging davon aus, dass sich die Beziehung der Kinder untereinander schon ergeben würde. Dass meine Kinder ihren neuen Stiefvater doch sicherlich genauso liebenswert finden würden wie ich. Und seine sich darüber freuen würden, dass es jetzt wieder eine Frau an seiner Seite gibt. In einem Satz: dass die neue Familie so funktionieren würde wie die alte, biologische Familie.

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