HAUS DER GESCHICHTE - WIE DER FALTER ES SIEHT

A fesches Häuserl für unser saubers Landl

Wien und St. Pölten streiten sich um das Haus der Geschichte. Nun steigt der Falter in den Ring und präsentiert die ultimative Österreich-Sammlung

Matthias Dusini MATTHIAS DUSINI | 02.03.2016

Letzte Woche wurde bekannt, dass das Haus der Geschichte in der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz einen Rückschlag hinnehmen muss. Wichtige Ausstellungsstücke wurden dem geplanten Nationalmuseum von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll weggeschnappt. Und das ausgerechnet jetzt, wo das neue Museumsgesetz des Kulturministers Josef Ostermayer (SPÖ) vom Ministerrat abgesegnet wurde und damit reif für den parlamentarischen Sanktus ist.

Pröll plant ein eigenes Österreich-Museum in St. Pölten. Nein, nein, natürlich ist es kein Konkurrenzprojekt! Es soll nur schon 2017, ein Jahr vor dem Wiener Haus der Geschichte Österreichs (ab nun HdG), eröffnen. Und es sammelt jetzt schon fleißig Objekte, ganz Niederösterreich ist aufgerufen, etwas beizutragen.

Prölls wissenschaftlichem Leiter, dem Historiker Stefan Karner, gelang es dann auch noch, die legendäre „Kaiserhaus-Sammlung“ des Wiener Siedfleisch-Gastronomen Mario Plachutta anzukaufen. Kostenpunkt: 2,6 Millionen Euro. Für diese Summe bekommt Prölls Heimatmuseum unter anderem den Hausmantel von Franz Joseph I., sein Feldschreibzeug und eine Haarlocke sowie eine Rose vom Sterbebett Kaiserin Sisis.

Jetzt, da solche Preziosen in St. Pölten gelandet sind, fragt man sich bang: Was bleibt da noch den Wiener Andenkenjägern, dem roten Kunstminister und seinem Haushistoriker Oliver Rathkolb? Die Falter-Redaktion blieb in den vergangenen Monaten nicht untätig. Sie hat nicht nur die Debatte rund um das HdG verfolgt und versucht, sie mit eigenen Kommentaren und Gastbeiträgen zu bereichern (siehe auch Text von Martin Fritz auf Seite 30).

Damit nicht genug. Wir haben uns auf die Suche nach den wirklichen Ikonen der österreichischen Zeitgeschichte gemacht und ehemalige Politiker und ihre Nachfahren gebeten, ihre Nachlässe zu öffnen. Künstler und Künstlerinnen ließen sich Devotionalien abringen. In Privatarchiven und Familiensammlungen stöberten wir nach Schätzen und durchforsteten Ebay- und Willhaben-Angebote nach unentdeckten Zeugnissen unserer großen Vergangenheit. Nach dem Ankaufsdrama wollen wir die spektakuläre Falter-HdG-Sammlung nicht länger unter Verschluss zu halten.

Der Übersicht halber haben wir das Haus der Geschichte in ein gemütliches Alpenhäuserl gepackt, das die Identität unseres schönen Landes zum Ausdruck bringt – mit einem Garten, Haustieren, einer Garage, einem Zaun, einem Keller und einem Dachboden. Als Standort für das Falter-HdG schlagen wir die Hundewiese auf dem Heldenplatz vor, sind aber auch Vorschlägen aus St. Pölten gegenüber aufgeschlossen.

Einer Umbenennung des Museumsbeisls in „Erwin-Pröll-Pub“ würden wir uns bei entsprechender Bezahlung nicht in den Weg stellen.

1 Der letzte Schneemann, Fundort Wilhelminenberg, 2015

Eines der neuesten Erwerbungen des HdG. Gesponsert vom Skigebiet Semmering, Scheekanonen inklusive.

2 Ausländer raus! Schlingensiefs Container, 2000

Der Künstler Christoph Schlingensief inszenierte die Fremdenfeindlichkeit der Österreicher als Fernsehshow, die in einem Containerdorf vor dem Burgtheater stattfand. Asylwerber wurden in täglichen Abstimmungen rausgewählt. 15 Jahre später ist das ganze Land ein Container.

3 Antiflüchtlingszaun, 2015, Leihgabe Sammlung Mikl-Leitner

Keine Grenze, nur ein Zaun. Unter heftigen semantischen Krämpfen wurde im Winter 2015 mit dem Bau von Grenzzäunen begonnen, um den Flüchtlingsstrom zu kontrollieren. 1995 gingen die Grenzen durch das Schengener Abkommen auf, nun haben wir wieder ein Eisernes Vorhangerl.

4 Kernkraftwerk Zwentendorf, Originalminiaturmodell 1972–1978, Nachlass Josef Taus

Größte Investitionsruine Bundeskanzler Bruno Kreiskys, gebaut, aber nie in Betrieb genommen, da sich das Volk 1978 per Volksabstimmung dagegen entschied.

5 Golden Retriever, ausgestopft, Familienstiftung Hans Dichand, undatiert

Macht? Interessiert mich nicht, sagte Österreichs mächtigster Mann, Kronen Zeitung-Herausgeber Hans Dichand. Lieber gehe ich nach Hause und streichle meinen Hund. Ab und zu streichelte er auch Kanzler und Präsidenten. Herausgeber sind Hunde.

6 Córdoba-Schrei, Edi Finger, 1978

Bei der Fußball-WM in Argentinien besiegte Österreich die deutsche Elf mit 3:2. Beim Siegestor von Hans Krankl überschlug sich die Stimme von Radioreporter Edi Finger. Sein „Tooor, Tooor, Tooor, i wer’ narrisch!“ steht für den nationalen Minderwertigkeitskomplex. Im Haus der Geschichte wird er von Museumspädagogen und -pädagoginnen bereits vor Betreten des Gebäudes mittels Megafon zur Kenntnis gebracht.

7 Denkmal für Karl Schranz, 1972, Selfiestation

Der verhinderte Sieger der Olympischen Spiele in Sapporo wurde bei seiner Rückkehr nach Österreich auf dem Heldenplatz frenetisch gefeiert. Es war die erste nationale Hysterie nach dem Auftritt des Führers am Heldenplatz im März 1938.

8 Glykol-Kanister, 1985, Fundort Wagram, Niederösterreich

Diethylenglykol – auch in Frostschutzmitteln enthalten – wurde in den 1980er-Jahren in Österreich wie in Deutschland anstelle von Zucker illegalerweise zum Süßen von Wein verwendet. Diese Praxis flog im Jahr 1985 auf. Der „Weinskandal“ brachte Österreichs Weinwirtschaft zum Erliegen, führte in der Folge aber zu einem der strengsten Weingesetze der Welt.

9 Wodkaflasche, 1955, Nachlass Leopold Figl

Figl, legendärer Außenminister (ÖVP) der Ersten Republik, wurde schon zeitlebens als trinkfest und volksnah stilisiert. Nicht zu Unrecht, wie zeitgenössische Quellen nahelegen. „20.30 Uhr, Diner an der Botschaft. Figl betrunken“, heißt es im Tagebuch Vizekanzler Adolf Schärfs (SPÖ) vom 12. April 1955 über die Staatsvertragsverhandlungen der österreichischen Bundesregierung in Moskau.

10 Lebendes Grauganspärchen namens Konrad & Lorenz

Konrad Lorenz begann 1937 mit dem intensiven Studium der Graugans und konnte das Studium an Anser anser und anderen Anseriformes nach dem von ihm begrüßten „Anschluss“ ansatzlos als Karrieresprungbrett nutzen: 1940 landete er als Professor in Königsberg, 1973 wurde ihm der Nobelpreis verliehen, und in den 80ern war die braune Vergangenheit schon wieder so grau, dass sich Lorenz als Grün-Guru neu erfinden konnte.

11 Burgtheater-Misthaufen, 1988

50 Jahre nach dem „Anschluss“ machte Thomas Bernhard der Kulturnation einen großen Haufen. Das Stück „Heldenplatz“ wurde bereits vor der Premiere als Nestbeschmutzung empfunden, der Boulevard drehte durch. „Steuerzahler soll für Österreich-Besudelung auch noch bezahlen!“, titelte die Krone. Rechte Aktivisten luden am Abend der Premiere eine Fuhre Mist vor dem Burgtheater ab, eine analoge Form des Shitstorms.

12 Porsche 911 Cabrio, 2000, Leihgabe Jörg-Haider-Museum

Der 911er-Cabrio wurde durch ein Foto bekannt, das den Kärntner Landeshauptmann gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf einer Spritztour zeigt. Es wurde zum Symbol für das Yuppietum der Partei des kleinen Mannes und Haiders Einfluss auf die Regierung. In der blau-schwarzen Koalition saß er am Steuer.

13 Der Hut vom Herrn Karl, 1961 (S. 28)

Der von Helmut Qualtinger verkörperte und miterfundene Herr Karl (Koautor: Carl Merz), der am 15.11.1961 die Wohnzimmer der heimischen TV-Zuseher betrat, trägt auch im Keller seines Lebensmittelgeschäfts einen Hut. Er steht für die Kopfbedeckungen, die sich dieser Inbegriff des perfid-gemütlichen Austro-Opportunisten je nach Lage aufsetzt: „Man hat nie gewusst, welche Partei die stärkere ist. Man hat sich nie entscheiden können, wo man eintritt.“

14 Glock 7, Unikat aus „Die Hard 2“ (S. 28)

Die Glock 7, die ein Terrorist in „Die Hard 2“ benutzt, ist eine doppelte Fiktion: Weder wurde diese angeblich aus Porzellan gefertigte und ergo von Metalldetektoren nicht aufspürbare Waffe je produziert, noch handelt es sich – wie Bruce Willis behauptet – um ein deutsches Produkt. Wahr ist vielmehr, dass die Glock 17 und andere weltweit vertriebene Umnietprodukte des Ingenieurs Gaston Glock echte (nieder)österreichische Wertarbeit sind.

15 Austropop-Koksline auf Klobrille, Sammlung Fendrich, undatiert (S. 28)

Kokain löst bei Konsumenten Größenwahn aus, auch in der Nase von Austropoppern wie Rainhard Fendrich. Sein Hit „I’m from Austria“ wurde trotzdem zur geheimen Nationalhymne. Do kann ma moch’n, wos ma wül.

16 Steuererklärung 2007 KHG, Archiv Verein zur Förderung der New Economy

Sie ist so blütenweiß wie das Hemd des ehemaligen Finanzministers.

17 Sissi – Die junge Kaiserin, 1956

Beliebte Geschichtsfälschung mit Romy Schneider in der Rolle der jungen Kaiserin. Läuft im Museums-TV.

18 Conchita Wursts Rasierapparat, 2014 Leihgabe ORF

Im Jahr 2014 gewann der Travestiekünstler Thomas Neuwirth unter dem Pseudonym Conchita Wurst den Eurovision Song Contest. Die konservative Alpenrepublik bekam plötzlich ein tolerantes Image. Der Mann mit dem Vollbart, der eine schöne Frau spielte, hatte Auswirkungen auf die Exportwirtschaft. Osteuropäische Länder stornierten Bestellungen aus der „Schwuchtelnation“.

19 Staberls Saunamantel, 1992, Sammlung Dichand

Im Jahr 1992 schrieb der Krone-Kolumnist Richard Nimmerrichter, kurz Staberl, über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Paul Grosz: „Wer den Herrn Hitler überlebt hat, wird auch den Herrn Grosz überleben.“ Regelmäßige Besucher der Sauna im Wiener Prater halfen dem notorisch Rassistischen dabei, dem Volk aufs Maul zu schauen. Staberl überließ dem HdG seinen geliebten Saunamantel inclusive originaler Schweißflecken.

20 Das Hypo-Alpe-Adria-Loch, Bauzeit seit 2006, Urheber umstritten

Gemeinschaftliches Kunstwerk, unter massiver Förderung des Landes Kärnten und ohne Aufsicht des Finanzministeriums in den Nullerjahren entstanden.

21 Kolaric yourself! 1973/2016 Initiative Minderheiten/HdG

Selfie-Station mit dem legendären Anti-Rassismus-Plakat & Slogan „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns’ zu dir Tschusch“ aus dem Jahr 1973.

22 Freuds letzte Wiener Zigarre, 1938

Der Vater der Psychoanalyse hatte gegen eine schöne Linie Koks nichts einzuwenden, seine wahre Suchtleidenschaft aber galt den Zigarren, von denen er bis zu 20 Stück am Tag konsumierte – und wovon er sich auch durch Dutzende Krebsoperationen nicht abhalten ließ. So verdächtig phallisch eine fette Havanna auch aussieht, für den im Juni 1938 nach London emigrierten Freud war sie vor allem eines: eine Zigarre.

23 Briefmarkensammlung Simon Wiesenthal, diverse Jahrgänge, Sammlung HdG

In seiner Privatwohnung archivierte der berühmte Nazi-Jäger unzählige belastende Dokumente, das Haus der Geschichte zeigt erstmals seine umfangreiche Briefmarkensammlung mit Schwerpunkt auf der Philatelie seiner Heimat Galizien, darunter seltene sogenannte Zemstvo-Briefe der russischen Landschaftsämter.

24 Orthopädischer Nagel, 36 Zentimeter, 2003 Schenkung Stiftung Raiffeisen

Dieser Nagel wurde Österreichs erfolgreichstem Skifahrer aller Zeiten, Hermann Maier, am 28. Februar 2003 aus seinem einst gebrochenen Unterschenkel wieder entfernt. Die Skination ist wieder heil.

25 Parmalat-Kapperl von Niki Lauda, 2006 Leihgabe Fly Niki

Obwohl er seine großen Erfolge (Weltmeister 1975 und 1977) mit Ferrari errang, sollte das Rotkäppchen des Brabham-Sponsors Parmalat zu seinem Markenzeichen werden. Lauda wechselte ins Flugzeugcockpit, flog Niki und ist seitdem aus „Adabei“-Sendungen und peinlichen Werbespots nicht mehr wegzudenken. Der Milchmulti Parmalat wurde geschnupft, das Kapperl blieb und wechselte den Sponsor, Hauptsache, die Kohle stimmt: Er hat nix zu verschenken!

26 Wanda-Jacke, 2015, Courtesy Gerhard Stöger Collection

Sie ist kackbraun, sie ist stinkig, sie ist eingelaufen, sie ist zerschlissen – kurz und gut: sie ist ziemlich grindig. Doch nur bei oberflächlicher Betrachtung. Denn was wie eine Billigsdorfer-Lederjacke vom Flohmark aussieht, ist in Wirklichkeit ein Superheldenkostüm: 2014 verwandelte es einen jungen Wiener Tagedieb namens Michael Marco Fitzthum in den Rockstar und Amore-Prediger Marco Michael Wanda.

27 Lederhose Andreas Gabalier, 2014

Die Hose des Austrobarden mit Originalwölbung beim Singen der alten Nationalhymne.

28 Johanna-Dohnal-Perücke, 1999

Eine anonyme Bewunderin schickte dieses Objekt an das HdG. Die berühmte Frauenpolitikerin selbst trug keine Perücke, ihr halblanger Scheitel wurde aber von vielen nachgeahmt. Der Fetisch steht für den Kultstatus, den Dohnal in der österreichischen Frauenbewegung hatte.

29 „Aktionshose: Genitalpanik“, 1968 Leihgabe Valie Export

Die Künstlerin schockierte das Publikum mit einer im Schritt offenen Hose und posierte für den Fotografen mit Waffe – das Manifest für einen militanten Feminismus. Im HdG kommt das Kleindungsstück regelmäßig bei Führungen zum Einsatz.

30 Tischobelisk in Erinnerung an Udo Proksch, undatiert

Der kunstsinnige Schweinehirte, der sich als Brillendesigner (Carrera), Demel-Eigentümer (Club 45) und mörderischer Versicherungsbetrüger (Lucona) einen Namen machte, hatte bei den Damen den Spitznamen „Obelisk“.

31 Toninstallation „Wende 2000“

Originalaufnahmen vom 4. Februar 2000, dem Tag der Angelobung der schwarz-blauen Regierung Wolfgang Schüssels. Zu hören ist ein Megafon-Aufruf: „Achtung: Hier spricht die Polizei. Es gibt keinen Grund für Aggressionen. Die Bundesregierung befindet sich bereits beim Bundespräsidenten“, dazu „Schande, Schande“-Rufe der Protestanten am Ballhausplatz sowie der Satz einer Bediensteten des Kanzleramtes: „An Schlüssel für die hintere Tür brauch ma. Dringend!“ Die Regierung wählte einen unterirdischen Geheimgang zwischen Kanzleramt und Präsidentschaftskanzlei, um sicher zur Angelobung zu gelangen.

32 Nadelstreif-Anzug,1996 Kaschmir/Schurwolle, Leihgabe Franz Vranitzky

Mit Kanzler Franz Vranitzky (1986 – 1997) kam ein neuer Stil in die SPÖ. Der ehemalige Banker kleidete sich klassisch-elegant, der Nadelstreifanzug wurde zum Symbol seiner wirtschaftsfreundlicheren, europaoffeneren Politik.

33 Radlerhose, 2006, weiß, Nylon, Leihgabe Alfred Gusenbauer

SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer (2006 – 2008) startete in dieser Radlerhose seine Wahlkampftour für das Kanzleramt. Ein Beispiel für unfreiwillig komischen Populismus.

34 Gustav Klimt: „Adele Bloch-Bauer I“, 1907, Leihgabe Neue Galerie, New York

Die Nazis raubten den Juden das Vermögen, darunter auch viele Kunstsammlungen. Erst spät begann der Staat damit, seine Sammlungen nach „arisierten“ Objekten zu durchforsten. Tausende Kunstwerke wurden ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben, darunter Gustav Klimts Porträt von Adele Bloch-Bauer, bekannt auch als „Goldene Adele“. Nach der Restitution wurde es von dem New Yorker Sammler Ronald Lauder um 135 Millionen Dollar gekauft und dem HdG geschenkt, „als Stück Moderne in einer rustikalen Umgebung“.

35 Falcos Amadeus-Perücke, 1985

Eigentlich fand Falco die Idee ja ziemlich deppert, als Wiener ein Lied über Wolfgang Amadeus Mozart zu singen. Aber dann ließ er sich doch dazu überreden – und landete mit „Rock Me Amadeus“ auf Platz eins der US-Charts. Für die Welt ist der jung verstorbene Österreicher seitdem ein One-Hit-Wonder, für Österreich ist er ein Popstar von Weltrang. An beides erinnert die punkig-schrille Mozart-Perücke, die Falco im Video trug.

36 Original Mundl Unterleiberl, 1979

Wahlweise machomäßig saudeppert und mitleiderregend schmähstad gab Karl Merkatz in der legendären, von Ernst Hinterberger geschriebenen Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ (1975–1979) den Working Class Anti-Hero aus Nordfavoriten. Eigentlich ein Wappler und Ungustl, erreichte er dank seiner schlichten Sprüche („Mei Bier is ned deppert“) und seines Outfits (Feinrippunterleiberl + Flaschenbier) dennoch Kultstatus.

37 Kopftuch Christine Lavant, 1973

Museumspädagogisch heikel ist der Umgang mit religiösen Symbolen. Das Kopftuch war das Markenzeichen der Schriftstellerin Christine Lavant. Putzig!

38 Kokoschkas Alma-Puppe, 1918, Privatsammlung Wien

Der Künstler Oskar Kokoschka bestellte 1918 eine Puppe, die seiner Wiener Geliebten Alma Mahler nachempfunden war. In seinem Dresdner Atelier lebte er mit dem Alma-Ersatz. Bisher war man der Meinung, dass OK den Fetisch im Suff zerstört hatte. HdG-Recherchen haben ergeben, dass das Objekt intakt ist. Es befand sich lange Zeit im Schweizer Depot eines Wiener Sammlers, der als Eigentümer eine Boulevard-Zeitung reich geworden ist.

39 Filmrequisiten Ulrich Seidl, 2012/2013, Leihgabe Filmmuseum

Die Werke des Regisseurs Ulrich Seidl sind Heimatfilme über die abgründigen Neigungen der Nation. Das Kruzifix stammt aus einem Film über katholischen Fanatismus, die Peitsche gehörte einem sadomasochistischen Paar. Die ausländischen Besucher bekommen anhand dieser Objekte einen mentalitätsgeschichtlichen Einlauf.

40 Das Jochen-Rindt-Wrack, 1970

Formel-1-Fahrer Jochen Rindt verunglückte 1970 beim Grand-Prix-Rennen von Monza. Aus Pietätsgründen ist das Wrack nicht öffentlich zugänglich.

41 Der Groër-Kessel, 2003

Hans Hermann Kardinal Groër (1919 – 2003) war Erzbischof von Wien. Als Leiter eines Knabenseminars soll er Schüler sexuell missbraucht haben. Der erzreaktionäre Kirchenfürst ließ sich zeit seines Lebens nur zu vagen Entschuldigen bewegen, typisch für das Schweigen der katholischen Kirche über sexuelle Gewalt. Als Leihgabe aus der Hölle zeigt das HdG den Kessel, in dem der Gottesmann schmort – bis beim Jüngsten Gericht ein endgültiges Urteil gesprochen wird.