Da tanzen sogar die Thunfische

"Die Rote Zora und ihre Bande" - Gut geeignet für einen Familiennachmittag

KIWI | 21.12.2018   
Foto: www.lupispuma.com

Lieber Gott, danke für nichts” lautet das Abendgebet der Vagabundenkinder rund um die rote Zora, die sich am Lagerfeuer von Gestohlenem ernähren müssen. Das Dumme ist, dass sie beim Stehlen fast immer erwischt werden, das Gute, dass die meisten Bestohlenen es eh gut mit ihnen meinen. Es herrscht ein rechtes Elend in dem dalmatischen Fischerstädtchen Senj: Einen einzigen Reichen gibt es (Steffi Krautz), und dem tanzt natürlich der Bürgermeister (Günther Wiederschwinger) nach der Pfeife. Außerdem haben die Gymnasiasten, fünf Spitzbuben in hellblauen Schuluniformen, sich in den Kopf gesetzt, die Uskoken zu hassen, wie sich “Die rote Zora und ihre Bande” in dem Roman von Kurt Held nennen. Zum Glück lassen sich diese die Laune nicht verderben, schon gar nicht in der rasanten, frechen und fast ein bisschen makabren Inszenierung von Robert Gerloff, die vom Musiker Imre Lichtenberger-Bozoki und seiner Combo fulminant vorangetrieben wird. Dem bösen Reichen werden Streiche gespielt, den gutmütigen Armen wird geholfen.

Die simple Geschichte dient als Rahmen für eine Reihe teils doofer Regieschmähs -die Gymnasiasten dürfen auch tanzende Thunfische spielen -, die funktionieren, weil sie hervorragend getimt sind. Gedanken über Solidarität und Gerechtigkeit, Arbeitsplatzsicherheit und freies Unternehmertum wirft das Stück aber trotzdem mit geradezu Brecht’scher Unterhaltsamkeit auf (einzelne Songs erinnern sogar an “Dreigroschenoper” und Co). Die entrückte, aber resolute Hanna Binder ist die Idealbesetzung für die titelgebende Anführerin, sie wechselt sich mit Eva Maria Schindele ab. Herzerwärmend auch Luka Vlatković als frisch verwaister Branko und Gábor Biedermann als vertrottelter Polizist.

Das Volkstheater empfiehlt die Produktion von 7 bis 107 Jahren. Tatsächlich eignet sie sich für einen klassischen Familiennachmittag.

Termine Volkstheater:
21., 26. und 30. Dezember um 18.00 Uhr
23. Dezember um 15.00 Uhr
9. Jänner um 16.00 Uhr
10. Jänner um 11.00 Uhr

Martin Pesl aus FALTER 51/18