Die Geisterwerdung des Gangster-Rappers

KATHARINA SEIDLER | 30. MAI 2018   

Samstagnacht beim Festwochen-Festival Hyperreality: Auf der Bühne im großen Saal der Sargfabrik F23 stehen Gespenster. Es ist der Auftritt des Berliner Battle-Rappers Taktlo$$, dessen außerweltliches Alter Ego Real Geizt sich gerade erstmals live manifestiert. Unter weißen Leintüchern, ganz wie es sich für Geister gehört, spuken, rappen und singsangen sich Real Geizt und sein Team durch eine Performance zwischen Dadaismus und perfekter Inszenierung. Zwei Alphörner, ein Vibraphon und ein Theremin kommen zum Einsatz, zwischendurch wird ein zusammengeschustertes Schlagzeug mitten im Raum von einem der Gespenster unter „huhuhu“-Rufen bearbeitet. „Es gibt einen Gott, er stand gerade auf der Bühne“, strahlt ein Besucher nachher. Die große Kunst tritt beim Hyperreality gerne in Dialog mit dem guten Quatsch – genau so, wie es sein soll.

VORSCHAU

DONNERSTAG (31.5.): Motherdrum machen im Rhiz jazzigen Impro-Breakbeat, im Sass legt James Creed Deep House auf. Und: Donaukanaltreiben!

FREITAG: Die Festwochen bieten in den Gösserhallen ungestüme Soundexperimente von etwa M.E.S.H. oder Zuli. In der Voodoo Kitchen im Celeste kochen DJ Moe und Signore Barbarossa Cosmic Disco, Afrobeat und psychedelische Tropicalia, und Mike Huckaby kommt mit Detroiter Deep House in die Grelle Forelle. In der Creau findet eine lange Nacht der Menschenrechte mit Techno und House von Grischka & sein Bär statt, und der Berliner Chima Ede verbreitet im Camera Club emotionalen Conscious Rap.

SAMSTAG: Der New Yorker Blockhead reist mit gut gelauntem Instrumental-Hip-Hop in den Camera Club. In der Arena tritt der Drum’n’Bass-Riese Ed Rush an, und in der Pratersauna gratuliert Frank Wiedemann von den deutschen House-Superstars Âme der Faith-Crew zum Partygeburtstag. Die Reihe The Future verspricht im Au radikale Weichheit und dunkle Synths, während Alpha Tracks und Positive Life Force entschlackten Techno auf das Werk loslassen und der Clubmusik-Allrounder Spencer Parker mit den Vinyl-Fans des Club Mutter im Sass auflegt. Das Queer Performance Festival übersiedelt nach den Workshops vom Tanzquartier ins Fluc zu afrokaribischen Rhythmen der kolumbianischen DJ Isa GT.


Flyer der Woche ausgesucht von Lisa Kiss