Like a Bird without a Song: Eine Stadt ohne Philipp

KATHARINA SEIDLER | 11. JANUAR 2018   

Mit Philipp L’Heritier hat die Stadt nicht nur einen ihrer allerbesten Popauskenner und liebsten Menschen verloren, sondern auch einen erstaunlichen DJ. Zwischen Flex und Fluc, Impulstanz, Volksgarten Pavillon und Rhiz konnte man ihn fast 20 Jahre lang, stets im Marktstand-Tier-Shirt, hinter dem DJ-Pult erleben. Sein Mix aus Klassikern, B-Seiten und der Musik von morgen, aus Disco, House, Pop und Indie, den er aus seinen unbeschrifteten CDs zauberte, rettete noch jede Party, und oft folgten ihm die Leute sogar dann noch in Euphorie, wenn er dieselbe Toco-
tronic-Nummer dreimal hintereinander spielte, weil ihre Großartigkeit in einem Durchgang nicht zu erfassen war. Legendär war auch Philipps Vorliebe dafür, Intros minutenlang zu loopen, bis er die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf das Lied gelenkt hatte. Der Einsatz des Beats in Kanye Wests „Runaway“ wurde so zum massiven Dancefloor-Knaller, und Philipps geliebte Abschlussnummer, „Nothing Compares 2 U“ von Prince, zum besten Song der Welt. Genau so ist es: Nothing compares to you.

VORSCHAU

FREITAG: Immer gut: Die jährliche Werkschau der Plattform klingt.org für experimentelle elektronische Musik aller Arten – heute und morgen im Rhiz. Im Venster vereinen Philipp Quehenberger, Nachtbote und Superskin ungestümen Techno mit vertracktem Sounddesign, DJ Mune_Ra aus Addis Abbeba importiert organischen Funk, Afrobeat und globale Disco mit psychedelischem Touch ins Celeste und Patricio (Salgado) lädt mit obskurer Tanzmusik aus aller Welt mit Deux Gitans und Sebastian zur Ménage-à-trois im Club-U. Die Belgierin Amelie Lens gibt der Grellen Forelle harten House- und Techno-Zucker, Karizma flutschen in der Pratersauna verspielter House, soulige Hooks und Edits durch die Finger und bei Sirius & Darktunes gibt es im Fluc eine Dance-History-Lesson in Sachen Giallo-Disco, House und Synthsachen.

SAMSTAG: Bei Mynskh, Idklang & Lebdi und Kryptomorph trifft in der Grellen Forelle Extreme Metal auf dunkle Beat-Dekonstruktionen, spätnachts lädt der Fish Market mit Joton dann zur Hardcore-Techno-Sause. Persian Empire zerlegt im Celeste Bass Music und R’n’B zu funky Post-Step, Marc Græbnør und Mike Burns versprühen afro-karibische Vibes im Elektro Gönner und Midas 104 lockt mit süßem Techhouse ins Sass. Im Fluc diskutieren Therese Terror, Martina Schöggl und die Gassen-aus-Zucker-Veranstalterinnen über Sexismus hinterm DJ-Pult und legen anschließend auf.


Flyer der Woche ausgesucht von Lisa Kiss




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