Die Dreisten und die Aberdreisten

Das Personal des Team HC Strache überbietet sich in puncto Dreistigkeit schon jetzt regelmäßig selbst


HARRY BERGMANN

15.08.2020

Das wird Ihnen jetzt gar nicht gefallen. Aber ich bitte Sie, sich für einen Augenblick vorzustellen, Sie wären 24, eine junge Frau und Nummer 17 auf der Liste des TEAM HC STRACHE für die Wien-Wahl.

Ich muss wohl nicht betonen, dass diese Nummer 17 nichts, aber schon gar nichts, mit meiner Logennummer 17 zu tun hat. Im Gegenteil!

Die Chance dieser Nummer 17, in den Gemeinderat einzuziehen, ist noch kleiner als die Erfolgsaussicht des Russischen Corona-Impfstoffs. Dennoch, oder gerade deshalb, will sie höher hinaus. Das ist aber angesichts ihres Berufs ziemlich schwierig. Sie ist nämlich Flugbegleiterin bei der AUA. Die Bezeichnung Flugbegleiterin lehnt sie übrigens kategorisch ab. Sie ist schließlich Stewardess.

Der Oberdreist (rechts) und die dreiste Nummer 17 (auch rechts) Foto: APA/Helmut Fohringer

So ganz nebenbei ist sie Corona-Leugnerin und schwere Antisemitin. Vielleicht sogar Holocaust-Leugnerin, warum nicht? Sie wettert gegen alles und jedes, aber vorzugsweise gegen reiche Juden. Soros, Rothschild,…. andere Namen würde sie gerne anfügen, aber dazu reichen Ihre verwirrten und verirrten Kenntnisse nicht. Sie hat nichts gegen Juden, aber es wäre ihr natürlich lieber, wenn Soros und Rothschild Buddhisten wären, weil dann der Reichtum vielleicht nicht so beneidenswert groß wäre.

Jedenfalls glaubt sich die 17er im völligen Einklang mit ihrem Arbeitgeber, aber da spielt ihr ihr mangelhaftes Englisch einen Streich. National Carrier heißt nicht Nationalistische Fluglinie.

Ihr Arbeitgeber, die AUA, erweist sich als ein Unternehmen mit Werten, auch wenn sich das im Wert des Unternehmens nicht widerspiegelt, und sie fliegt. Nicht zu einer interessanten Destination, wie sie das gewohnt ist, sondern schnurstracks in die Arbeitslose.

Das höre ich gerne. Ich hab mir nämlich gerade vorgestellt, wie sich ein Flug mit so einer Begleitung abspielen würde.

Als erstes würde sie versuchen, Inländer vor Ausländern zu schützen. Vielleicht so: Inländer auf einer Seite des Flugzeugs und Ausländer auf der anderen. An Integration glaubt sie nicht. An Rassentrennung sehr wohl.

Sollte ein Ausländer versuchen, auf die Inländerseite zu wechseln, müsste er ein abgeschlossenes Germanistik-Studium vorweisen. Sie hat auch schon den einen oder anderen Schlepper-Passagier eigenhändig zur Strecke gebracht.

Schlepper-Passagiere sind solche, die versuchen, gegen ein geringfügiges Honorar, Ausländer über den Gang zu schmuggeln. Es sollen sich schon schreckliche Szenen abgespielt haben, bei denen Ausländer am Gang hängengeblieben und bei der harten Landung zu Schaden gekommen sind.

Sie hat auch eigene Formulare entwickelt, in die Passagiere ihre Religionszugehörigkeit eintragen müssen. An sich sehr einfach. Man muss nur „richtige Religion“ oder „falsche Religion“ ankreuzen.

Die dreiste Nummer 17 würde den Passagieren natürlich auch die Masken herunterreißen. „Sie brauchen keinen Mund-Nasen-Schutz. Die Pandemie ist eine Erfindung gewisser Kreise an der Ostküste. Die Sauerstoffmasken, die sich über Ihren Sitzen befinden, genügen und sind, wenn es wirklich Corona geben sollte, auch gleichzeitig Therapie.“

„Ich kämpfe für Ihre Freiheit und mein Idol wäre Che Guevara, wenn er nicht auf der Ausländerseite des Flugzeugs sitzen müsste.“

„So, und jetzt auf mein Kommando alle gleichzeitig anschnallen. Ich möchte nur EIN großes „KLICK“ hören!“

Liebe Leser und Leserinnen, eine Frage: kann man gleichzeitig ahnungslos und schlau sein? Ich glaube schon, weil die 17er damit spekuliert, mit ihrer unverhofften Bekanntheit über Vorzugsstimmen doch in den Gemeinderat zu kommen.

Deshalb und nur deshalb: Liebe, hochverehrte Conny Bischofberger, mussten sie der 17er wirklich Ihre wunderbare, große Bühne geben?

Antisemiten, geschichtslose Krakeeler und gesichtslose Mitläufer, wie die Flugbegleiterin wider Willen gibt es leider hierzulande genug, und daher wende ich mich mit dem größtem Vergnügen von ihr ab und dem TEAM HC STRACHE mit dem größten Missvergnügen, zu.

Damit eines von allem Anfang an klar ist: Wir reden hier von jenem HC Strache, der vor nicht allzu langer Zeit eine Historiker-Kommission eingesetzt hat, um die braunen Flecken in der FPÖ zu untersuchen. Jetzt mal abgesehen davon, dass ich es mir unheimlich kompliziert vorstelle, auf einer einheitlich braunen Fläche einen braunen Fleck zu entdecken, gab es – meines Wissens – nie einen Abschlussbericht dieser „Kommission“. Ich glaube zu wissen, warum.

Strache hat einen Vorbericht gelesen und sofort beschlossen, irgendetwas zu unternehmen, um von dieser Partei ausgeschlossen zu werden. Er rief seinen Haberer, Gudenus, an, sie buchten einen Flug nach Ibiza und patsch.
Jetzt können wir uns dieses Video immer und immer wieder reinziehen, das uns mittlerweile weniger interessiert als das Schwarze unter den Fußnägeln.

Das Team HC Strache wird die dreiste gesinnungsgefestigte Reisebegleiterin bis zum letzten Blutstropfen – das haben sie gern – begleiten, um das Recht(s) wiederherzustellen. Wenn die Zionisten und Antifaschisten schon ihre Nummer 17 herausschießen wollen, was planen sie dann erst mit HC Oberdreist? Die Verleumdung mit dem Hauptwohnsitz in Klosterneuburg war sicher nur ein Anfang.

Besonders unappetitlich war die Demontage des Dreists mit dem absolut migrationsfreien Namen Knezevic. Er soll Angela Merkel mit Hitler verglichen haben. Lächerlich! Und wenn, dann war das nur seine schützenswerte Privatmeinung. Und überhaupt: was ist schlecht an Hitler ?

Dass jeden Tag ein anderer Dreist dieses Teams auftaucht und gleich wieder ins politische Nichts abtaucht, ist zwar bedauerlich, aber an den nötigen Personalreserven soll es nicht fehlen. Die RO-Zahl liegt derzeit bei 2. Für jeden verleumdeten und ausgeschiedenen Dreist kommen 2 neue nach.

„Wie der Herr, so’s Gescherr“. Der Oberdreist ist und bleibt Strache. Und ich habe mich als Gebührenzahler geniert, diesen Herrn im ORF sehen zu müssen und ich werde mich als Wahlberechtigter genieren, ihn auf dem Wahlzettel wiedersehen zu müssen.

Das nächste Mal schreibe ich dann das, was ich Ihnen beim letzten Mal versprochen habe oder was wirklich Interessantes.

Ihr Harry Bergmann


Harry Bergmann. Früher der Nachname von Demner, Merlicek & Bergmann. Jetzt einfach Bergmann. Weiß nach 4 Jahrzehnten ganz genau, was er alles über Werbung noch immer nicht weiß. Hobby-Schreiber. Da weiß er noch viel weniger und findet das gerade deshalb so spannend. Lebt in Wien und Herzlia/Israel.

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