Der Himmel blau, das Meer türkis

Loge 17 ist die Kolumne von Harry Bergmann. In Nummer 5 erfolgt die erste Auslandsrecherche, die unseren Kolumnisten an die Wiege der Demokratie führt.


HARRY BERGMANN

20.07.2020

Schon wieder PRW. Diesmal musste sie sich rechtfertigen, dass sie eine Woche Urlaub am Meer machen wird. Als ob sie nur dann eine gute österreichische Politikerin wäre, wenn sie einen guten österreichischen Berg rauf- und runterkraxelt.

Ich sag’s gleich, so wird das nix mit Europa!!

Ich hätte mich darüber auch geärgert, wenn ich in der Loge 17 gesessen wäre. Bin ich aber nicht. Loge δεκα­επτά kommt der Sache schon näher. Als aufgeklärter Europäer haben Sie natürlich sofort erkannt, wo ich mich befinde. An der Wiege der Demokratie.

Der Blick aus der Loge δεκα­επτά.

Es ist meine erste Auslandsrecherche für diesen Blog.

Ich habe zwar keine Ahnung, was ich recherchieren soll, aber ich habe mir fix vorgenommen, nicht nur dem kristallklaren Meer auf den Grund zu gehen.

Jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt (altes chin. Sprichwort aus Wuhan). In meinem Fall ein Coronatest (sicher ist sicher) und ein online-Antrag für einen QR-Code, den man bei der Einreise in die Heimat von Aristoteles vorweisen muss.

Erkenntnis 1: der Coronatest heißt deshalb Coronatest, weil man sich in der dichtgedrängten Warteschlange mit absoluter Sicherheit ansteckt. Daher heißt es ja: „Machen Sie sicherheitshalber einen Test!“

Kurz vor der Landung – übrigens komisches Gefühl wieder in einem Flugzeug zu sitzen, PRW wird das bestätigen – füllt man wieder ein Formular mit haargenau den gleichen Fragen aus wie für den QR-Code. Nur diesmal analog. Ist mir eh lieber, da hat man wenigstens was in der Hand.

Erkenntnis 2: der resistenteste Virus einer Demokratie ist die Bürokratie.

Am feindlichen Flughafen (das Ausland ist – laut Herrn Nepp – immer feindlich) herrscht mich der Grenzpolizist an, den QR-Code auf meinem Handy vorzuweisen. Ich habe mich zwar tagelang auf diesen Moment vorbereitet, aber jetzt versagen meine Nerven und ich zeige ihm versehentlich den QR-Code meines Boarding-Passes. Auch gut. Ich werde durchgewunken.

Erkenntnis 3: die 150 Euro für den Coronatest in Wien hätte ich mir ersparen können.

oder

Erkenntnis 4: der Hellene erkennt einen Gesunden, wenn er vor ihm steht. Denn Demokratie gründet sich auf gegenseitiges Vertrauen.

Nach 5 Taxifahrten, einer Übernachtung , einem Inlandflug – also Inland im feindlichen Ausland halt – einer versäumten und einer erreichten Fähre, bemerke ich, dass ich noch immer das ausgefüllte Formular vom ersten Flug – sie erinnern sich: das mit den gleichen Fragen wie im Antrag für den QR-Code, den ich aber mit dem QR-Code meines Boardingpasses verwechselt habe, was dem Grenzpolizisten aber wurscht war – in der Hand halte.

Erkenntnis 5: man muss einfach an gewissen Dingen festhalten. In Zeiten der Krise gibt einem das die nötige Erdung.

Ich bin angekommen und nehme meine „Arbeit“ auf. Leute schauen und meinen Gedanken über die erste (zeitlich!) Demokratie der Welt nachhängen.

Die causa prima (lat.) ist natürlich hier wie dort Corona. Hier wie dort, Herr Nepp! Ich bin jetzt hier, was für Sie immer dort ist, und Sie sind für mich endlich dort und nicht hier.

Wie halten es eigentlich die Nachfahren von Sokrates – der einen unerschütterlichen Glauben an die Gesetzgebung hatte – mit Maske und Abstand?

Na ja, Masken sieht man – außer in der Gastronomie – kaum, aber man ist auch ständig im Freien und verboten ist es irgendwie auch nicht. Alles gut!

Mit dem Abstand ist das so eine Sache. Der Südländer an sich ist emotionaler und liebt die physische Nähe. Social distancing ist nicht sein Ding. Aber was vom Herzen kommt, kann nicht falsch sein.

Hier ist das Gleiche einfach anders als bei uns Alplern.

Erkenntnis 6: Die Corona-Bekämpfung muss natürlich nach demokratischen Spielregeln ablaufen. Aber je südlicher, desto sympathischer ist das Nicht-Einhalten von militanten Regeln.

Wenn wir von Demokratie und Corona reden, darf die Eigenverantwortung nicht fehlen. Jeder will sie, viel zu wenige können damit richtig umgehen. Wenn wir es aber nicht bald lernen, werden die Verbieter, die Angstmacher, die Zusperrer, die Schnell-Schnell-Gesetzgeber, die Seiltänzer zwischen Legalität und Illegalität am Ende recht haben. Perikles schau ob.

So. Jetzt interessiert mich nur mehr eine Zweite Welle. Die beim Surfen.

Das nächste Mal schreibe ich dann über den Ibiza-UA, der schon längst ein Österreich-UA ist (mit dem Arbeitstitel „UUUAAA- der Schrei aus dem Dickicht“). Über den Unterschied zwischen türkischem und griechischem Kaffee – geht schnell – oder über etwas wirklich Interessantes.

Ihr Harry Bergmann

P.S.: Haben Sie zufällig meine Sonnencreme gesehen? 60++ für alternde Haut.


Harry Bergmann. Früher der Nachname von Demner, Merlicek & Bergmann. Jetzt einfach Bergmann. Weiß nach 4 Jahrzehnten ganz genau, was er alles über Werbung noch immer nicht weiß. Hobby-Schreiber. Da weiß er noch viel weniger und findet das gerade deshalb so spannend. Lebt in Wien und Herzlia/Israel.

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