Fisch Ahoi, Teil 15 – Schiller-Karpf

FLORIAN HOLZER | 04.04.2019   

Was ich über Schillerlocken NICHT wusste:

•Dass der Dornhai, aus dem sie hergestellt werden, nicht nur quasi ausgerottet ist, sondern auch zu den am höchsten mit Methylquecksilber vergifteten Fischen überhaupt zählt. 0,1 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag gilt als tolerable Verzehrmenge, bei Dornhai spricht man aber von 700 Mikrogramm pro Kilo.

•Dass aber nach wie vor Schillerlocken aus Dornhai, der auch unter dem verharmlosenden Namen „Seeaal“, „Seestör“ oder „Steinlachs“ verkauft wird, hergestellt werden.

•Dass es aber tatsächlich auch schon Schillerlocken gibt, die aus Tilapia gemacht werden. Hab sie probiert, sind gar nicht schlecht.

•Und was ich auch nicht wusste: Dass es tatsächlich Menschen gibt, die keine Ahnung davon haben, was Schillerlocken sind und Schillerlocken dementsprechend auch noch nie gegessen haben. Ingo Pertramer ist so ein Mensch.

Wir haben’s ihm aber erklärt, denn die Schillerlocke war ja unser Ziel, als wir Karpfen „fischen“ gingen. Tatsächlich waren wir nämlich bei einem so genannten „Abfischen“ dabei, bei dem im Spätherbst Karpfenteiche ausgelassen und die darin befindlichen Karpfen an der tiefsten Stelle zusammengetrieben werden, um sie dann (lebend) in Klarwasser-Container zu verfrachten und mit diesen dann zu Kaltern zu bringen, wo sie nach Bedarf für das Weihnachtsgeschäft (das nach wie vor die Hauptsaison für Karpfen ist) entnommen und geschlachtet werden können.

Klingt jetzt so einfach. Tatsächlich ist das eine Action, wie man sie sonst nur von Mannschafts-Schlammringkämpfen unter Beteiligung von etwa 7000 großen, lebendigen, zappelnden, kräftigen Fischen kennt. Zum Glück wird das schon seit etwa tausend Jahren gemacht und die zuständigen Menschen wissen, wie das geht, brüllen laute Befehle in einem nord-waldviertler Dialekt, die man aber trotzdem besser verstehen sollte. Wir haben uns bemüht. Und angestrengt. Und ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass ich dabei meine neue, sehr gute, Bewegungsfreiheit garantierende Fliegenfischer-Wathose trug. Die blöderweise bis heute (und wahrscheinlich bis ans Ende ihrer hoffentlich vielen Tage) noch nach Waldviertler Karpfenteich-Schlamm riecht.

Und apropos Karpfenteich-Schlamm: Unser großartiger Kameramann Viktor versank beim Versuch, eine besonders gute Perspektive zu bekommen, im Schlamm. Also wirklich, so wie im Film. Er hielt die Hände nach oben, damit die Helfer zuerst einmal die wertvolle Kamera bergen konnten, dann waren ungefähr vier Leute eine Viertel Stunde damit beschäftigt, den Mann aus dem Sumpf zu ziehen. Werd ich nie vergessen.

Das mit den Karpfen-Schillerlocken war dann jedenfalls eine eher leichte Übung: Karpfen töten, zerlegen – okay, da hat meiner noch einmal ordentlich gezappelt, wahrscheinlich, weil ich mit dem Messer an irgendeinen Rückenmarks-Nerv ankam, was jedenfalls SEHR gruselig war –, die fetten Bauchlappen vom mageren Filet trennen, einsalzen und räuchern. Gelang recht gut.

 Von meinem Schreckmoment gibt’s kein Foto, aber auch Pertramers Fisch zuckte beim Zerlegen (alle Fotos: Hanna Gassner)