Sind die Barrieren jetzt weg?

FLORIAN HOLZER | 1. SEPTEMBER 2016   

Österreichs Gastronomie laboriert derzeit ja noch waidwund an der Registrierkasse. Jahrzehntelang war toleriert worden, dass eine der wesentlichen Dienstleistungs-Sparten des Landes keine ordnungsgemäßen Rechnungen ausstellt, der Schock, als die Zeit der Gnade plötzlich vorbei war, saß einigermaßen. In zwei Jahren kommt das Rauchverbot, und irgendwie drängt sich das Gefühl auf, dass die Wirten das auch eher so auf sich zukommen lassen und dann ordentlich in die Knie gehen werden, wenn es „plötzlich“ da ist (wobei eine gewisse Gelassenheit nicht die schlechteste Option ist, diesem Gesetz zu begegnen, muss man sagen. Schließlich wurde es in den vergangenen Jahren ja oft genug geändert …).

Eine Frage, die sich allerdings schon auch aufdrängt: Und was ist mit der Barrierefreiheit, die seit 1.1.2016 eigentlich (nicht nur in der Gastronomie) verpflichtend ist? Kümmert das irgendwen? Passierte da eigentlich irgendwas?

Laut Statistik Austria leiden angeblich 20% der österreichischen Bevölkerung mit irgendeiner Beeinträchtigung, angeblich eine Million Österreicherinnen und Österreicher sind in ihrer Mobilität eingeschränkt. Eine Zahl, die absurd hoch erscheint, aber okay, ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass Behinderungen jedweder Art und da besonders Einschränkungen der Mobilität zumindest mehr Menschen betreffen als solche, die unter Gluten- und Laktose-Intoleranzen leiden. Aber das ist ein anderes Thema …

Zehn Jahre dauerte die Vorlaufzeit des Gesetzes, in der geprüft, analysiert und evaluiert hätte werden sollen, in der bauliche Maßnahmen auf Machbarkeit überprüft hätten werden sollen. Bei denen der Gesetzgeber mit 5000 Euro allerdings eh eine recht niedrige Relevanz-Schwelle einzog, das heißt, alles, was teurer ist als 5000 Euro, muss nicht gemacht werden. Aber hat sich da dann wenigstens ein Geschäftszweig für 5000-plus-Gutachten entwickelt, oder ist in Wirklichkeit überhaupt gar nichts geschehen? Und wenn die Behörde dann der Meinung ist, dass die Wirten sich vom Registrierkassenschock erholt haben und „Barriere-Sheriffs“ ausgesandt werden, ist das Wehklagen wieder laut und gellend …

Ich finde Barrierefreiheit sinnvoll und wichtig, sie ist ein Indikator für die Modernität unserer Gesellschaft, ein Merkmal für die Überwindung des Sozialdarwinismus. Wär schön, wenn Barrierefreiheit nicht jedem völlig wurscht wäre, wie es offenbar der Fall ist.




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