Es ist kein schlechtes Land. Wir bleiben Van-der-Bellizisten.

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 854


ARMIN THURNHER

10.10.2022

Aus H. C. Artmanns „das prahlen des urwaldes im dschungel“

Gratulation an den Professor. Alexander Van der Bellen ist für hoffentlich weitere sechs Jahre österreichischer Bundespräsident. Der Dominik Wlazny für die Generation 70+, also für solche wie mich, hat sich ganz klar durchgesetzt.

Ich wette, er ging hinter die Tapetentür und dachte ganz kurz: Jetzt hau ich sie alle ausse, entschied sich aber mit einem kurzen, trockenen Lachen doch anders und erklärte das dann auch noch Armin Wolf.

Erstaunlich das Ergebnis des echten Dominik Wlazny, der es in Wien schaffte, gleichauf mit dem Kandidaten der FPÖ zu liegen. Es ist ein gutes Land. Und die Stadt ist politisch immer noch ein bisschen besser als das Land. Heini Staudinger, Schuhunternehmer aus dem Waldviertel, schaffte es nur dort, mehr als zwei Prozent zu bekommen (4,75 Prozent im Bezirk Gmünd, 6,39 Prozent in der Gemeinde Schrems, wo sich sein Betrieb befindet). Die Kandidaten der Finsternis, wenn ich die Herren Rosenkranz, Wallentin, Grosz und Brunner pauschal so zusammenfassen darf, schafften in Summe knapp 34 Prozent, deutlich zu viel.

Die halb entschlossene Unterstützung der Kronen Zeitung für den hölzernen und erstaunlich untelegenen – oder sagt man teleungenen? – jedenfalls darf man sagen: unterlegenen –Tassilo Wallentin schlug bei weitem nicht so zu Buche wie einst jene für Hans-Peter Martin, dem die Unterstützung der Krone bei der EU-Wahl 2004 14 Prozent einbrachte.

Insgesamt gab es selten eine merkwürdigere Wahl als diese, bis zu ihrem Ende, das sie in einer naturgemäß doch einigermaßen überproportional ausgefallenen Berichterstattung fand, die wiederum Wlazny nicht schlecht charakterisierte, als er bemerkte, der Herr Professor Filzmaier werde uns sicher bald ausufernd erklären, was geschehen sei.

Spät nachts wurde uns noch die Schicksalsfrage gestellt: warum gab es keine weibliche Kandidatin? Vielleicht weil es zu viele Pleonasmen gibt. Kandidatin hätte gereicht.

Es ist ein gutes Land. Wir werden uns weiter wortreich im Unklaren lassen, ob wir nun so sind oder nicht so sind. Aber das halb amüsierte Hüsteln des Bundespräsidenten, während er einen dieser beiden Sätze ausspricht, wird uns zeigen, dass, was immer davon zutrifft, auch das Gegenteil ständig wahr ist. Equilibristen sind wir, zwar nicht ganz schwindelfrei, aber VdB ist weiterhin unser Vortänzer, also kann uns eh nix gschehn.

Distance, hands, masks, be considerate! Ihr Armin Thurnher

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