Die Trias: Dreirädler. Dreiländersex. Dreifach gesundes Essen!

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 760


ARMIN THURNHER

22.06.2022

KOMPENSATION. Eine Seuchenkolumne und ein Seinesgleichen zum Thema Fellner, da kann einem ganz schön schlecht werden. Ich gestehe, ich habe mich mit Heuarbeit wieder aufgebaut. Dabei kam mir mein neues Gefährt zu Hilfe, ich habe es schon kurz erwähnt und im Bild vorgestellt, mein neuer Graf-Carello Tuk Tuk. Ein indisch inspirierter Dreiradler, zum Lastentransport geeignet, mit E-Motor, angeboten vom Lagerhaus und gefördert von der Republik Österreich, sofern ich eine Sonnenkollektoren-Anlage besitze. Besitze ich noch nicht, aber demnächst hoffe ich eine zu besitzen, ich werde berichten.

Der Tuk Tuk rief sogleich die wundersamsten Reaktionen hervor. Männer gratulierten mir zu diesem Gefährt, das so untoxisch wie möglich ist, und eben doch noch ein Gefährt. Quasi das rurale Pendant zu Siegmar Schlagers urbaner Falter-Ape. Die E-Mobilität rettet den Fetisch, man sieht das an der einschlägigen Formel-E. Wir müssen uns wegen zu viel Mentalitätswandel keine Sorgen machen. Über den fantastischen Tuk Tuk werde ich noch berichten. Drohung!

MENTALITÄTSPOLITISCHER EINSCHUB über Sex in drei Ländern ( in Vorarlberg gibt es die Dreiländerspitze, aber die gehört zu je einem Drittel zu Tirol, Vorarlberg und der Schweiz. Ich denke jetzt an Deutschland, Österreich und die Schweiz).

Deutschland Die Frankfurter Allgemeine Zeitung befasst sich  in einer Glosse des Feuilletons mit einer Handlungsempfehlung der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC betreffend Affenpocken und schließt: „Kondome und ihr sinnvoller Umgang damit hat man – diese Prüderie ist gute bürokratische Sitte – im Sex­leitfaden leider ausgelassen. Offensichtlich will die CDC einfach nicht für „Safer Sex“ plädieren, sondern erreichen, dass Affenpocken-Infizierte und -Ver­dächtige keinen Ge­schlechts­verkehr haben. Nach der Handreichung allerdings werden sich viele, die sie befolgen, die Jacke lüpfen und zu Recht fragen müssen: ,Huch, hatten wir gerade Sex?‘“

Schweiz Unter dem Titel „Lecktuch und Umschnalldildo“ berichtet die Neue Zürcher Zeitung in der Politik nur halb amüsiert über eine offenbar sozialdemokratisch inspirierte Aufklärungsbroschüre. Wir hatten unseren Sexkoffer übrigens schon vor Jahrzehnten. Den Schweizer Konservativen geht das viel zu schnell, die Sozis aber sagen, die Zwölfjährigen sind eh pornifiziert, da kann man nur noch vor Gefahren warnen. Wird so sein.

Österreich Hier kommt der Sextipp zum Tag unter „Religion“ auf orf.at daher. „Es gibt eine alte Weltreligion, in der Männer ihre Frauen befriedigen müssen – das Judentum. Das erklärte Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, bei der Präsentation der morgen startenden Ausstellung ,Love me Kosher. Liebe und Sexualität im Judentum‘.“

LAST CHANCE TO EAT. Die Idee ist nicht originell, aber schmackhaft. Brennnesseln sind jetzt nicht mehr jung, aber man kann und soll sowieso nur die Spitzen nehmen (beim Pflücken tragen nur die Harten keine Handschuhe!). Ich habe kürzlich einen Brennnesselstrudel verfertigt, zum Abschied vom Frühjahr. Er schmeckte hervorragend, und ja, Sie können ihn auch mit Blattspinat machen und überhaupt die Zutaten nach Lust und Laune variieren, aber meiner war eben so, und die Brennnessel als Gemüse wird sträflich unterschätzt. Ich bitte um Nachsicht für den radikalen Bruch mit der Reihe „Ungesundes Essen“. Es wird schon wieder, versprochen.

STRUDEL:
400 g Brennnesseln
200 g Zwiebeln, fein gewürfelt
40 g Knoblauch, fein geschnitten
250 g Champignons, grob gewürfelt
150 g Feta, kleinwürfelig geschnitten
2 Eier
Basilikum, Thymian, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Butterschmalz, Butter
2 ausgezogene Strudelblätter (1 von den 2 Päckchen Fertigware)

SAUCE: ½ Becher Sauerrahm, frische Kräuter, Salz.

Rohr auf 170 ° vorheizen

Brennnesselblätter blanchieren, abschrecken, sehr gut ausdrücken, klein schneiden. Zwiebel und Knoblauch zart in Butterschmalz anschwitzen. Champignons in Butterschmalz scharf anbraten, gleich salzen. Alles auskühlen lassen. Saft von Champignons abgießen. Mit Eiern mischen, Feta hineinbröseln, Gewürze zugeben. Butter schmelzen.

Backblech mit Backpapier auslegen, Papier mit flüssiger Butter bestreichen

Strudelblätter knapp überlappend auf ein feuchtes Geschirrtuch legen, ebenfalls gut mit flüssiger Butter bepinseln.

Belag in der Mitte der Strudelblätter aufstreichen, oben und unten ein paar Zentimeter freilassen, Rand umschlagen, mithilfe des Tuchs vorsichtig zusammenrollen, Nahtstelle nach unten. Bepinseln, aufs Backpapier gleiten lassen.

Goldbraun backen (ca. 15 Minuten)

Dazu Sauerrahmsauce und Blattsalat. Für die Sauce Sauerrahm cremig rühren, salzen, mit Kräutern vermischen, fertig.

Distance, hands, masks, be considerate!

Ihr Armin Thurnher

@arminthurnher

thurnher@falter.at


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