Drei Sätze Stefan Weber. Eine Erledigung

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 566


ARMIN THURNHER

05.11.2021

1995 habe ich ja mein Buch „Nachrichtenkonstruktion im Boulevardmedium“ über konstruierte Wirklichkeiten der „Kronen Zeitung“ geschrieben. Jetzt weiß ich, warum es Armin Thurnher nicht sonderlich interessiert hat: Man arbeitet im „Falter“ genau so.
(Stefan Weber, Blog für wissenschaftliche Redlichkeit, 2.11.2021)

„1995 habe ich ja mein Buch (…) geschrieben.“ Das „ja“ suggeriert, man wüsste allgemein, Sie hätten ein solches Buch geschrieben. Naja. Ich weiß es, ich habe es gelesen, es hat mich interessiert. Ich habe es in meinem Buch „Das Trauma, ein Leben“, erschienen 1999, folgendermaßen zitiert:

„Das Ressentiment ist nicht mehr Gestaltungs- sondern bloß noch Auswahlprinzip. Die neue Frage lautet: Wer ist prominent? Im Ressentiment lebt, als Zerrbild politischer Gegnerschaft, noch ein Moment von jenem Gegenüber. Die Kronenzeitung konstruiert ihre Realität zwar unverschämt. Sie inszeniert ihre Kampagnen und weist den Politikern präzise Rollen darin zu. Der Journalist und Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber hat das ausführlich dokumentiert. Aber dann verbirgt die Kronenzeitung verschämt ihre Inszenierung.“

Der Satz, Ihr Buch habe mich nicht sonderlich interessiert, kann also nur bedeuten, es habe mich nicht so sehr interessiert, wie Sie es sich in Ihrem konstruktivistischen Eifer gewünscht hätten.

Leider fehlt Ihren Konstruktionen sprachliche Präzision. „Man arbeitet im ,Falter‘ genau so“ – was soll das heißen? Wie Thurnher, den Sie angeblich nicht sonderlich interessieren? Wie Ihr konstruktivistisches Werk, das gar nicht so uninteressant ist, wie Sie tun? Oder wie die Kronen Zeitung? Und wer ist „man“? Das bleibt so unklar wie der Rest Ihres Treibens, dessen Sinn zuletzt ja im Nebelwerfen besteht.

Sie nennen den von Ihnen konstruierten Grund, warum mich etwas vor 27 Jahren angeblich nicht sonderlich interessiert haben soll, also gar nicht. Wie das Zitat zeigt, ist mein von Ihnen behauptetes Desinteresse offenkundig nicht wahr.

Bleibt die Interpretation Ihrer absichtsvoll unklaren Konstruktion, „man“ würde jetzt im Falter angeblich genauso arbeiten, wie Sie es damals für die Kronen Zeitung als Under-Cover-Mitarbeiter getan haben. Und wie Sie es ihr anschließend nachwiesen.

Ein verdienstvolles Experiment, das Sie nun ad nauseam wiederholen: Sie begehen eine Schweinerei, um sie dann anzuprangern. Sie haben sich unter einem Vorwand ein Dokument von Florian Klenk erschlichen, um ihn anschließend des Dokumentenhandels zu überführen. Sie überführen ihn allerdings keiner Taten, die er begangen hat, sondern bloß Ihrer eigenen Hinterlist. Sie sind der Konstrukteur dieses Dokumentenhandels, an dessen Abmachung Sie sich nicht gehalten haben, und muten uns nun Ihre ressentimentgetriebenen Konstruktionen zu, in denen Sie Untaten phantasieren, die Sie dem Kollegen Klenk in Form wichtigtuerischer Fragen unterstellen.

Das interessiert mich ja nicht sonderlich, ich muss es zugeben, weil Sie mich ja nur bedingt interessieren, solange Sie nicht Tatbestände zutage fördern, die auch mich interessieren müssen, zum Beispiel wirkliche Plagiate. Die Umstände meines Wohnens oder des Wohnens meiner Freunde gehören nicht dazu, die Sauerei, dass Sie und Ihre Mitspieler diese Umstände einer interessierten, mutmaßlich bösartigen Öffentlichkeit provozierend präsentieren, aber ja schon.

Wenn Sie anfangen, meinen Kollegen und Partner schlechtzumachen, seine Absichten zu verdrehen, seine Taten zu verleumden, seine Adresse zu veröffentlichen und ihn insgesamt zu diffamieren, um damit auch ein Medium zu erledigen, das Sie offenbar gekränkt hat, weil es sich in Ihrer Wirklichkeitskonstruktion ja nie sonderlich für Sie interessiert hat, dann, Herr Weber, beginnen Sie mich insofern ja zu interessieren, weil ich mir die Frage stelle, ob es möglich ist, dass ein Konstruktivist sich die Wirklichkeit soweit zurechtkonstruieren kann, dass sie ihm selbst beim Schandmaul hineinfliegt wie ein Sonntagsbraten im Schlaraffenland, und ihm die von ihm selbst gebratenen Ente das Maul stopft.

Das scheint Ihnen momentan ganz gut zu gelingen. Sie vollbringen allerdings das Wunder, mit dem Mund voller Ente weiterzureden, wobei es sich nur um die Simulation einer Rede halten kann. Ja, Sie reden und reden. Es ist aber unerheblich, alle Ihre wortreichen Ausführungen zu hören.

Sie haben mit zwei, drei dürren Sätzchen ja bereits hinreichend offengelegt, worum es Ihnen geht: man möge sich sonderlich für Sie interessieren. Wären Sie etwas sonderlicher, wären Sie gewiss interessanter. Das gewöhnliche Ressentiment, die übliche Ehrabschneidung und den landläufigen Rufmord zu praktizieren und das noch unter dem Etikett „Redlichkeit“ auszustellen, das macht Sie aber nicht sonderlich, sondern ganz und gar ordinär. Deswegen fällt es mir ja schwer, mich für Sie und Ihre Freunde vom medial-politischen Schmuddelspielplatz weiterhin sonderlich zu interessieren.

Ja, ja, Herr Weber, Sie konstruieren sich gerade selbst zugrunde. Das ist schade für den ehrenwerten Beruf des Spitzels, Schnüfflers und Aushorchers, für den Sie sich nun einmal entschieden haben. Der sollte ja gerade im Zeitalter der Social Media nicht in einer Erwerbskrise stecken.

Distance, hands, masks, be considerate!
Ihr Armin Thurnher
@arminthurnher
thurnher@falter.at


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