Alles normal: kein Ziel, kein Plan wie die Pandemie beendet werden könnte

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der vervirten Welt 428


ARMIN THURNHER

28.05.2021

Vernunft ist das derzeit am häufigsten missbrauchte Wort, sagt Epidemiologe Robert Zangerle in der heutigen Kolumne und rechnet mit der sorglosen Propaganda der Regierung ab, die sich nicht um die fatalen Effekte kümmert, die ihr Normalitätsgeschwafel hat. A. T.

»Pfingsten war wetterbedingt reichlich Zeit, sich mit den unmittelbar vor dem Pfingstwochenende geäußerten Weisheiten zu befassen. Jahreszeitmäßig konnte in Analogie zum Eurovision Song Contest auch im Streben nach Weisheit ein Sieger gefunden werden: „Bald werden zwei Drittel all jener, die sich impfen lassen wollen, geimpft sein“, verkündete Bundeskanzler Sebastian Kurz. Damit ließ er die Republik ein wenig ratlos zurück, weil vielen unklar war, wann denn „bald“ wäre, und wie viel sich wohl impfen lassen wollen, damit wir wissen, wann die 2/3 erreicht sein werden.

Die Schleichwege über die niedergelassenen Ärzte für den 2. Schuss nach der Erstimpfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca sollten nicht allen zugänglich sein. Da muss schon Gesetzestreue her: „Wir halten uns an die Zulassung des Medikaments“, so Stadtrat Peter Hacker. Schon arg, dass sich westlich von Österreich niemand an europäische Werte hält. Das Schlawinerland Österreich weiß sich zu helfen, situationselastisch lässt man die Alterspriorisierung bei Hausärzten fallen, nicht, dass sich am Ende die Schleichwege verstopfen!

Die eigentlich Pfingstbotschaft kommt dieses Mal vom Bodensee: „Die Zahlen gehen zurück und die Intensivstationen sind nur gering belegt, es deutet alles darauf hin, dass man Öffnungen durchführen kann,“ erklärte Landeshauptmann Wallner in einem Interview mit dem ORF am Pfingstsonntag. Es bleibt also beim „konzeptlosen Köchelkonzept“ mit dem Belag der Intensivstationen als dem Maß aller Dinge. Wohin das führen kann, hat Österreich schmerzlich erfahren müssen. Im Westen also auch Nichts Neues.    

„In der Pandemie hat Österreich entdeckt, dass es stark mit den C5 -Staaten (Anm. „Central Five“ – Österreich, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Ungarn) verbunden ist. Es geht um Staaten, die historisch starke Bindungen haben, aber auch wirtschaftlich“, sagte die Botschafterin Sloweniens in Österreich kürzlich zur Kleinen Zeitung. Selbst ein eigener C5 grüner Pass war angedacht . Zumindest was das Benchmarking der 2. Und 3. „Welle“ anbelangt, wird das wohl so sein. Österreich nicht mehr Superstar unter den knickrigen Vier? Was treibt Österreich an, zu öffnen, ohne Bedacht darauf zu nehmen, dass das dünnes Eis ist, solange nicht mindestens 50% vollständig geimpft sind? Da gibt es genügend Beispiele, wo die Impfrate höher als in Österreich und trotzdem das Infektionsgeschehen mit vielen Todesfällen und Erkrankten noch höher als in Österreich ist: Uruguay, Chile, Seychellen, Ungarn. Die jetzige Impfrate Österreich hat Israel Anfang Februar erreicht und Großbritannien Mitte März. Israels grüner Pass sieht keine „Eintrittstests“ vor (Ausnahme: Hotels für unter 16-Jährige). Die Nabelschau Österreichs ist unangebracht.

Die Lernkurve von der 2. zur 3. Welle hatte viel Luft nach oben, und so toll war/ist Österreichs Teststrategie nicht, eher noch in den Schulen, weniger in den Betrieben, ganz zu schweigen von 48 Stunden alten Antigentests zum „Eintritt“. Den Regeln von Public Health entspricht viel mehr das Herausfiltern von Positiven für die Isolation aus Gruppen, die gegebenenfalls einem strengem Contact tracing unterliegen, als das Gewähren oder Erlauben von „Eintritt“ für negativ Getestete (Israel hat das sehr gezielt ausgelassen). Unverständlich bleibt, wieso es der Lollipop PCR Test in den Schulen so schwer hat. Die derzeit laufende PR-Maschinerie hat immer wieder einige Käsescheiben aus dem Präventionskonzept (z.B. auch Maske, Abstand) vergammeln lassen  und trägt eine wesentliche Verantwortung für das larmoyante, schlecht informierte „Mir san gimpft“ und „Mir san testet“, das suggeriert, dass wir aus dem Schneider wären. Wo bleibt die anhaltende Stärkung des Rückgrats im Hintanhalten der Pandemie, TRIQ (Testen/Rückverfolgen = Contact Tracing/Isolieren/Quarantäne), die jetzt endlich so funktionieren sollte, wie es zu erwarten wäre? Jeder einzelnen Ansteckung so nachzugehen, als wäre sie der nächste Superspreader-Fall – diese Vorgangsweise könnte das Wissen über die zukünftige Verbreitung so wachsen lassen, dass die Pandemie fortan besser kontrolliert werden könnte. Dafür sind ausreichend Ressourcen und sehr sorgfältiges Arbeiten nötig. Unsere Regierungen (Bund und Länder) sollten das umsetzen, wobei ein Blick nach Norwegen und Finnland empfehlenswert wäre. Für die App ist vermutlich Hopfen und Malz verloren, ein politisches, aber nicht technisch-inhaltliches, Fehlkonstrukt. Es fehlte vor allem an einer soliden Anbindung an für TRIQ verantwortliche Strukturen des Gesundheitssystems („geht uns nichts an“)  später in an die Testung (da war es schon zu spät)  . Sollte man bei der nächsten Pandemie besser machen.

Auch aus epidemiologischer Sicht sind, drei Wochen nach dem „Nationalfeiertag“, zweifellos weitere Öffnungen möglich. Am 10. Juni würden die Folgen der Öffnungen vom 19. Mai sichtbar und die zwei Voraussetzungen  für erfolgreiches “Lockern”, ein niedriger Wert des Reproduktionsfaktors und ein niedrige Inzidenz (Zahl an neuen Infektionen) dürfen sich nicht wesentlich ändern. Auch am 10.Juni: Reproduktionsfaktor unter 1 und 7-Tagesinzidenz unter 50. Der Reproduktionsfaktor ist wichtig, weil er den Spielraum für die nach dem „Lockern“ von Maßnahmen definiert; ein gleichzeitig niedriges Infektionsgeschehen hilft, dass die Inzidenz dann irgendwie in diesem „Niveau“ bleibt. Der Reproduktionsfaktor beträgt im Augenblick 0,79 und die 7-Tagesinzidenz ist unter 50/100 000, nur in Tirol und Vorarlberg noch darüber, im „durchgeimpften“ Bezirk Schwaz gar bei 8!

Lassen wir die Pandemie ein wenig Revue passieren. Seit März 2020 gab es mehr als 10 000 COVID Todesfälle, etwa ein Fall auf 865 hier Lebende. Oder deutlich mehr als die Todesfälle, die aufgetreten wären, wenn alle hier Lebenden in dieser Zeitspanne eine Grippe gehabt hätten. Die im Winter 2019/2020 ab März rasch zurückgedrängte Grippe und das Ausbleiben der Grippe im letzten Winter werden noch in der Aufarbeitung der Übersterblichkeit nachhallen. Die Sterblichkeit für Covid ist sehr stark altersabhängig, deshalb ist für deren objektivere Berechnung die Alterszusammensetzung in der Bevölkerung zu berücksichtigen. In Wien haben die 80 Jährigen oder Älteren mit 4,2% an der Gesamtbevölkerung den kleinsten Anteil, im Burgenland mit 6,6% den höchsten. Diese Unterschiede in den Altersstrukturen erklären auch zu 90% die unterschiedlich gefundene Infektionssterblichkeit in den verschiedenen Regionen der Welt. Deshalb benutzt man eine „Altersstandardisierung“: ein statistisches Verfahren, um Untersuchungsgruppen (hier Bundesländer) zu vergleichen, welche eine unterschiedliche Alterszusammensetzung aufweisen.

Man kann so erkennen, dass Bundesländer mit geringerem Anteil an den Älteren (Wien, Vorarlberg, Tirol) eine höhere Sterblichkeit zeigen, als man es aufgrund der Rohdaten vermuten würde, im Burgenland, in Kärnten und in der Steiermark ist es umgekehrt.

Wenn man die COVID Sterblichkeit innerhalb eines Monats pro 100 000 der einzelnen Bundesländer anschaut, so fällt auf, dass das Risiko in den 3 „Wellen“ immer anders verteilt war. Besonders interessant und vermutlich zusammenhängend ist das niedrigere Risiko des Ostens in der 2. „Welle“, der relativ schwächere Abfall der 2. Welle und in der Folge das höhere Risiko in der 3. Welle. Da die Maßnahmen („nicht-pharmazeutische Interventionen“ –NPI) jedoch dieselben waren, spricht das auch für ein, von den Maßnahmen unabhängiges, unterschiedliches Verhalten, aber sehr wohl in Zusammenhang mit dem Infektionsgeschehen, durchaus suboptimal informiert durch Politik und Medien. Im November 2020 (Peak der 2. Welle) gab es beträchtliche Unterschiede in der Sterblichkeit, mit 23 Todesfällen pro 100 000 in Niederösterreich und 47,2 in der Steiermark. Noch größer sind die Unterschiede jedoch im Dezember, mit 12,4 Todesfällen pro 100 000 in Tirol und 34,5 in der Steiermark, und im Jänner (Vorarlberg 6,4 vs. 20,9 in Wien). Sehr vorsichtig kann die Impfung bei der Sterblichkeit in der 3. Welle ins Spiel gebracht werden, es gibt da immer auch das gesamte Infektionsgeschehen zu beachten. Der eindrucksvolle Rückgang der Todesfälle im Burgenland im April, verglichen mit Wien, ist zum guten Teil der dortigen Impfstrategie zuzuschreiben.

Der Rückgang der Krankenhausbelegung durch Patienten mit Covid ist ebenfalls eindrucksvoll und untermauert die niedrigen Fallzahlen. Die Geschwindigkeit, in der das in den letzten 4 Wochen passierte, ist ungewöhnlich und nicht gänzlich verstanden. Aspekte wurden hier vor 2 Wochen diskutiert. Zu erwähnen gilt es noch die „Austrittstests“, die ganze Gemeinden, Bezirke oder sogar ein ganzes Bundesland betrafen, und deren Effekte erstaunlich hoch waren. Nicht vergessen werden sollten auch die harschen Maßnahmen im Osten (40% der Bevölkerung), da kann dann auch das Spiel mit dem Feuer, wie es das Burgenland getrieben hat, als Trittbrettfahrer gut ausgehen.

In allen Bundesländern liegt die Belegung der Intensivstationen nach AGES deutlich unter 20% . In der Grafik findet man die Belegung im Nomalpflegebereich und der Intensivstationen pro 100 000 Einwohner. Das gibt die Häufigkeit der sehr schwer Erkrankten besser wieder, verzerrt aber mancherorts ein wenig die Auslastung. Charakteristisch dafür ist Vorarlberg, das aufgrund der geringen Bettenzahl pro Bevölkerung (alemannisches Sparen, naturgemäß!) aktuell eine Auslastung knapp über 10% aufweist, obwohl weniger als 2 Intensivbetten pro 100 0000 belegt sind. Bei Kärnten ist es umgekehrt, dort gibt es die größte Zahl an systemisierten Intensivbetten, und auch eine eigensinnige Zählweise, jetzt aber wurscht, weil dort Covid Patienten kaum mehr einer Intensivstation bedürfen. Eine österreichweite Belegung von 5 Intensivbetten pro 100 000 bedeuten insgesamt 450 belegte Intensivbetten (was wiederum etwa einer Belegung von 20% nahe kommt). Bei der Belegung der Normalpflegestationen rücken die Bundesländer auf sehr niederen Niveau ganz dicht zusammen (links). Es schaut also wirklich gut aus. Wieso also jetzt nicht einen Langzeitplan mit Niedriginzidenz dauerhaft anstreben? Vertrauen bei allen schaffen. Was steht dem entgegen?

Die Öffnungseuphorie und das allenthalben anzutreffende Öffnungsgeschrei lenken vielleicht vom abgedrehten Untersuchungsausschuss ab, diese sich selbst auf die Schulter klopfende PR richtet aber noch einen ganz anderen ordentlichen Kollateralschaden an. Man vermittelt bewusst oder unbewusst, dass „Pandemie vorbei“ sei, und das erinnert fatal an den Mai/Juni 2020. Auch wenn die Impfung ein wirklicher Gamechanger ist, so befinden wir uns eigentlich erst am Beginn des Endes der Pandemie. Nur: Dieser politische Wettstreit um das Öffnen und die dabei vorgenommene ständige wahrheitswidrige Betonung, dass jetzt unmittelbar alle „Impfwilligen“ ein Angebot bekommen, führt klar zu einem falschem Sicherheitsgefühl bei Nicht-Geimpften und zu wenig reflektiertem Verhalten bei Geimpften. Verstärkt wird das durch die Anerkennung der aus epidemiologischer Sicht bedenklichen Anwendung der Antigen-Selbsttests als „Eintrittstests“. Und die wichtigste, übelste Folge der PR-Maschinerie: diese Stimmung untergräbt die „volatile“ Impfbereitschaft  statt alles zu tun, die Impfbereitschaft zu erhöhen, und zwar wesentlich zu erhöhen.

Es geht nicht um Information allein. Dieses Pushen eines „Normalisierungsgefühls“ nimmt keine Rücksicht auf Menschen, die durch die Pandemie belastet, gar traumatisiert wurden. Diejenigen, welche sich aufgrund eines erhöhten Risikos isoliert haben, die Covid durchgemacht haben, Angehörige, Freunde, Betreuende u.a. Selbst wenn die Pandemie morgen beendet wäre, brauchen deshalb sehr viele Menschen Zeit, um sich sicher zu fühlen. Wo bleibt das Verständnis für sie? Geradezu absurd mutet auch an, wie das Tragen der Maske in Innenräumen oder bei Gedränge im Freien (z.B. Demonstrationen, Warteschlangen, Zuschauer in Stadien) zur Unkultur gestempelt werden soll. Wissenschaftlich oder im Mitmenschlichen verhältnismäßig ist das nicht. Schon wieder eine kaum aufzudröselnde Gemengelage von fehlender Solidarität, Fatalismus und auch Ahnungslosigkeit.

Nicht selten ist dieses Pushen von „Normalität“ gespickt mit Halbwahrheiten, sodass eine Strohmannargumentation vermutet werden darf. Sichere Abstände in schlecht belüfteten Innenräumen, vor allem bei erhöhtem Lärmpegel und langer Aufenthaltsdauer können nicht präzise definiert werden. Andererseits macht es im Allgemeinen sehr wohl einen Unterschied, ob man 5 oder 1 Meter Abstand wahrt. Allerdings ist ein Abstand von einem (1) Meter in solchen Räumen deutlich zu wenig. Das Infektionsgeschehen in Österreich und Neuseeland unterscheidet sich eben. Ich habe mich viel mit der Übertragbarkeit der Tuberkulose beschäftigt, sodass mir seit langem bewusst ist, wie kompliziert der Begriff „airborne“ ist. Aber jetzt scheint nach anderen Kriterien entschieden zu werden.

Am 19. Mai bin ich selbstverständlich ins Freibad gegangen, die Außentemperatur von 11° hat für freie Bahnen gesorgt. Wenn dann schönes Wetter und Hitze für beengte Verhältnisse sorgen wird, werde ich gelegentlich in „mein“ Hotel ausweichen, das Mitte Juni eröffnen wird. Bin geimpft, auf die Schnapsidee, Antikörper bestimmen zu lassen, bin ich natürlich nicht gekommen, da sprach doch mein ganzes medizinisches Wissen dagegen. Kann mich noch gut an eine ausführliche Diskussion im Jahr 2006 mit John Ioannidis am Bergisel in Innsbruck über den Nutzen von Mammografie erinnern (Spoiler: eingeschränkter Nutzen). Das Präventionskonzept „meines“ Hotels war stimmig, deshalb nicht verwunderlich, dass ich mich dort auch noch am Beginn des Lockdowns Anfang November sehr sicher fühlte. War ganz schön absurd dort Kolumnen zu schreiben, die auf einen früheren Lockdown drängten.

Wie viele sind denn schon geimpft? Angeblich soll der E-Impfpass 95% aller Impfungen erfassen, und diese Daten gibt das Gesundheitsministerium frei  . Es ist davon auszugehen, dass ein kleiner Teil, ca. 5% „nachgetragen“ wird. Wäre interessant zu wissen, wo das passiert und von welchen Impfstellen. Bei den 85-Jährigen und Älteren sind erst 63%, bei den 75-84-Jährigen 58% und bei den 65-74-Jährigen 29% voll geimpft. Bei den voll Geimpften gibt es in diesen Altersgruppen beträchtlich unterschiedliche Impfraten, so sind in der Gruppe der 65-74-jährigen in der Steiermark gerade einmal 11% und in Vorarlberg 41% voll geimpft. Bei den „Teilgeimpften“ schaut es besser aus, allerdings sind da die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern über mehr oder weniger alle Altersstufen beträchtlich, am größten sind die Unterschiede in der Altersgruppe der 45-54-Jährigen, wo 37% in Wien und 58% in Vorarlberg teilgeimpft sind.

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch kündigte Auffrischungsimpfungen für den Herbst an. Man arbeite an der Logistik, jeder geimpfte Bürger werde eine Empfehlung für den richtigen Zeitpunkt bekommen. Wenn man sich da die unterschiedlichen Impfraten der Bundesländer anschaut, hofft man, dass man nicht selber mit „jeder Bürger“ und der „richtige Zeitpunkt“ gemeint ist.

Um die österreichische Impflogistik besser zu verstehen, möchte ich aus der Kolumne vom 4. Mai wiederholen: Mein Freund, ein pensionierter praktischer Arzt aus Wien (Dr. B.) hat einer ehemalige Patientin, einer 98-jährige Frau, auf ihren Wunsch hin, unterstützen wollen, die Impfung zu erhalten. Sie ist alleinstehend und ohne familiäre Hilfe. Zuerst wurde er abgewiesen, weil im Augenblick Risikopatienten dran seien. Erst nach heftigem Insistieren wurde vereinbart, dass demnächst eine Terminvereinbarung durch das mobile Team selber erfolgen wird. Ist bis zum heutigen Tag nicht zustande gekommen. Herr Hacker, könnten sie sich darum kümmern?

Dann bekam Dr. B. Post von Franz Bittner, dem Patientenombudsmann der Ärztekammer für Wien,. Mit leichtem Unwohlsein öffnete er den Brief und fand eine Anfrage einer anderen ehemaligen Patientin vor, die dringlich um Kontakt bittet, es sei wegen der Corona Impfung. Daraufhin nahm Dr. B. mit der inzwischen zur Lehrerin umgeschulten 40-jährigen Patientin auf, die berichtete, dass ihr Schulleiter sie nicht ins Impfprogramm aufgenommen habe, weil sie neu sei. Er verwies auf den Hausarzt, und sie wandte sich umgehend an den neuen Hausarzt mit der Bitte um einen Impftermin. Der versuchte sie zu überzeugen, dass eine Impfung überhaupt nicht notwendig sei, die bringe mehr Schaden als Nutzen.

Schon verstörend, welche bürokratischen und esoterischen Hürden sich da sogar für sehr Impfwillige auftun. Auch das gilt als „normal“. Ganz offensichtlich mehr als nur geduldet. Es ist wichtig zu betonen, dass der weitere Verlauf der Pandemie von komplexen Interaktionen zwischen Impfraten, Verhalten der Menschen und öffentlich verordneten Maßnahmen abhängt. Sich impfen zu lassen ist zwar eine individuelle Entscheidung, aber mit weitreichenden Folgen für die ganze Bevölkerung. Eine mangelnde Impfbereitschaft kann einen erheblichen Einfluss auf den weiteren Verlauf der Pandemie haben, auch mit vielen Todesfällen und Krankenhausaufnahmen . Müssen deswegen wieder harschere Maßnahmen für einen längeren Zeitraum in Kraft gesetzt werden, mit hohen ökonomischen und sozialen Kosten? Eine immense Kraftanstrengung, um die Impfbereitschaft mit gemeinde- oder betriebsnaher Aufklärung und mehr mit lokalen Rollenvorbildern zu fördern („Graswurzelbewegung“) ist deshalb unabdingbar. Vorarlberg hat mit der Einbindung von Influencern für die Jugend einen richtigen Schritt getan, aber es geht um die ganze Gesellschaft. Die Einbettung von Hausärzten und deren Initiativen („Impfboxen“) bekommen eine Schlüsselfunktion, um mehr Impfbereite zu gewinnen. Und bitte nicht eine solche Entwicklung mit Geschwafel um Normalität und dem Geschrei um Öffnungen behindern! Vernunft ist das derzeit am häufigsten missbrauchte Wort.« R. Z.

Distance, hands, masks, be considerate!

Ihr Armin Thurnher

@arminthurnher

thurnher@falter.at


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