Sobotkismus: „Das kommt definitiv aus China“

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der Selbstisolation 35


ARMIN THURNHER

20.04.2020

Der liebenswerte und kunstsinnige Präsident des Nationalrats, Wolfgang Sobotka (ÖVP), ein niederösterreichischer Liberaler vom alten Schlage, spricht schon sehr gut Deutsch. Hier eine Auswahl seiner schönsten Formulierungen aus der gestrigen Pressestunde ( ORF 2, 11 Uhr, Fragen: Hans Bürger, ORF und Eva Linsinger, Profil).

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) in der Pressestunde, ORF 2, 19. 4.

Ich konnte leider nicht zusehen, habe jedoch das Transkript nachgelesen, um auch Ihnen die Teilhabe an dieser eleganten sprachlichen Artikulation subtiler Staatskunst zu ermöglichen. Hier eine Auswahl der schönsten Sobotkismen:

Wie Millionen Österreicher und ihr Fahrer
Ja so wie andere zig-tausende, Millionen Österreicher halte ich mich daran, trage die Maske natürlich wenn ich einkaufen gehe, wenn ich im Auto sitze und mit meinem Fahrer (…) So werden wir auch in der Zukunft vielleicht die eine oder andere Woche noch damit zubringen müssen.

Mit dem Dativ durch die Vergangenheit
Natürlich habe ich die Maske mit. Ohne der geht es gar nicht. Die ist mein ständiger Begleiter in der Vergangenheit geworden.

Mit Maske und Humor übergeben
Ich war gestern am Abend bei einer Wirtin bei uns „Unter der Linde“ und die hat auch mit der Maske mir das Menü für den Abend übergeben, Abstand gehalten, Masken und trotzdem ein bisschen Humor

Wie uns Bilder uns ersparen
Wenn wir an die Bilder denken in Amerika, in Italien, dann sind wir uns – Gott sei Dank – erspart geblieben. Daher glaube ich, war dieser Weg ein richtiger.

Das Situationsprofil
Es war offensichtlich das Bemühen, dass das Bewegungsprofil der Österreicher nicht sofort wieder in die Situation kommt, alles und überall alles möglich zu machen, das Stück für Stück zu lockern.

Kompliment unserer Schule
Auch wir haben ein Kind zuhause, das zehn Jahre ist und muss ein großes Kompliment unserer Schule machen, die mit ungeheurem Engagement eigentlich versuchen die Kinder auch weiterhin zu unterrichten beziehungsweise die Unterstützung zu geben und das nicht nur in den Hauptgegenständen, sondern auch in vielen anderen Nebenfächern.

Hoffnung auf Regression
Und so hoffen wir gemeinsam, dass es dann wieder leichter wird und dass wir noch vor Sommer die Kindergärten und auch die Schulen besuchen können.

In Behandlung nehmen
Wenn es gesetzliche Maßnahmen notwendig erscheinen lässt, dann werden wir sicherlich bereits in, sehr wohl, und wir kommen auch schon zu Ausschusssitzungen zurück, das auch dementsprechend im parlamentarischen Prozess in Behandlung zu nehmen.

Worüber wir froh sein sollten
Das habe ich von Anfang an festgestellt und auch deutlich gemacht: In der Krise ist auch Demokratie nicht ausgeschaltet. Darüber sollten wir sehr, sehr froh sein, dass das möglich ist, dass unsere Strukturen vollkommen arbeiten und hier den Menschen Rechtssicherheit geben in einem Rechtsstaat.

Woran nicht gerüttelt wird
Woran ich nicht richten oder rütteln möchte ist ganz klar, dass der Verfassungsgerichtshof immer das Gericht bildet und immer eine Unabhängigkeit darstellen muss und nicht eine Vorprüfung stattfinden kann.

Europa Bereitschaft
Österreich hat Leute aus Italien aufgenommen oder aus Frankreich angeboten, das hat genauso Deutschland getan, aber alles im freiwilligen Bereich. Ich würde mir hier doch mehr Verbindlichkeit wünschen, wenn das die Möglichkeit ist, auch schneller zu einem geordneten Leben zurückzukehren. Auf der anderen Seite ist es glaube ich klar, dass die Staaten sich bereiterklärt haben, die Gesundheitspolitik nationalstaatlich zu lösen und nicht auf europäischer Ebene.

Ungarn
Was Ungarn letzten Endes betrifft so reden wir gerne mit den Ungarn und nicht über die Ungarn. Denn Sie wissen, wir brauchen sehr viele dort im kleinen Grenzverkehr, in der Pflege, in der Wirtschaft.

First Things First
Das Menschenleben steht immer zuerst und wenn Sie die Bilder aus Italien gesehen haben oder jetzt die Massengräber aus New York, dann muss man klar sagen, dass es immer zuerst darum geht, die Gesundheit und die Unversehrtheit des Menschenlebens zu retten und sie im Auge zu haben. Aber natürlich braucht es auch Maßnahmen die den Wohlstand oder ganz einfach das selbstständige Leben der Einzelnen wieder bestmöglich unterstützt.

Krise als Chance
Denken Sie nur zurück an die Weinwirtschaft 1986, die viele Rückschläge mit sich gebracht hat und die dann einen Neubeginn ermöglicht hat. Vielleicht wird auch im Tourismus eine neue Qualität gesucht werden.

Die Handy-App-Sache
Ich habe nicht meine Meinung geändert, sondern ich habe einen Diskussionsbeitrag geliefert. Die Demokratie lebt von unterschiedlichen Beiträgen. Man muss als Demokrat ja dann wohl akzeptieren, wenn sich eine große Mehrheit dafür ausspricht, dieser Meinung nicht beizutreten. Und mir fällt da kein Zacken aus der Krone, um zu sagen, das ist sehr okay und wenn freiwillig hier das Ergebnis erzielt werden, bin ich der erste, der das unterstützt. Ich habe sie schon abgeladen, heruntergeladen auf mein i-Phone.

Herz, seitlich
Mein Herz schlägt da sehr an der Seite der Schauspielerinnen und Schauspieler, oder der Sängerinnen, Sänger oder der Orchester-Musiker – da kann man nur um Verständnis bitten, dass wir auch hier dieses Gemeinsame letzten Endes unter Beweis stellen.

Tirol, seitlich
Aber zuerst ist es, glaube ich an der Seite Tirols und das ist auch sehr klar zum Ausdruck gekommen, dass man damit sich auseinanderzusetzen hat, welche Maßnahmen wie gesetzt worden sind und ist dort alles eingehalten worden?

Und dass das klar ist!
In erster Linie ist die Frage, woher kommt das Virus? Das kommt definitiv aus China, da haben wir keine anderen derzeit Erkenntnisse und hat sich dann über Italien in Europa ausgebreitet. Ich muss schon klar sagen, das ist nicht in Ischgl entstanden.

Noch einmal Herz
Hand aufs Herz: Umfragen sind Temperaturmessungen momentan und die gehen sehr schnell rauf und gehen sehr schnell runter. Davon darf sich die Politik nie irritieren lassen und schon gar nicht dann, wenn sie nachhaltige und wirklich eine konsequente Politik betreiben möchte.

Keep distance, wash hands, stay human!

Ihr Armin Thurnher

@arminthurnher

thurnher@falter.at


Zuletzt erschienen:

Nr. 196 Gernot Blümel, der oberschlaue Zensor, und seine schlauen Verteidiger (28.09.2020)
Nr. 195 Alles steuerte auf Beethoven zu. Eine Sonntagsgeschichte (27.09.2020)
Nr. 194 „Wer Charakter hat, hat kein Schicksal“. Zu Walter Benjamin (26.09.2020)
Nr. 193 Holz schlichten. Streit schlichten. Unter Schlichten. (25.09.2020)
Nr. 192 Was Twitter aus einem machen kann (24.09.2020)
Nr. 191 Wie ich 50 Jahre Profil erlebte. Szenen einer kritischen Freundschaft (23.09.2020)
Nr. 190 Ein oder zwei Meter? Abstand nehmen von falschen Dichotomisierungen! (22.09.2020)
Nr. 189 100mal „Herr Sobotka, treten Sie zurück!“ (21.09.2020)
Nr. 188 Quellwolken voller Zweifel (20.09.2020)
Nr. 187 Himbeermarmelade und Herzensdemokraten (19.09.2020)
Nr. 186 Man sollte besser über Sport berichten. (18.09.2020)
Nr. 185 Narzissmusdusche und Bedeutungseisbad. Über Coronakommunikation (17.09.2020)
Nr. 184 Wer die ÖVP wirklich regiert. Appell an Ö1. Monster. Falken. (16.09.2020)
Nr. 183 Dominic Thiem besiegte die Schlümpfe. Ich weiß, was er meint. (15.09.2020)
Nr. 182 Ampelologie: bald kennt jeder jemanden, der die Ampel nicht versteht (14.09.2020)
Nr. 181 Zwei Herzen, eine Seele: der Kanzler ohne Milde und die Krone (13.09.2020)
Nr. 180 Corona, Moria und unser europäisches Wir. (12.09.2020)
Nr. 179 Dieses Blümelkurz-Österreich ist nicht mein Österreich (11.09.2020)
Nr. 178 Glückspräsident Sobotka klärt die Presse auf. Eine Ansprache (10.09.2020)
Nr. 177 Der „Lockdown“ und seine Folgen für Patienten abseits von Covid-19 (09.09.2020)
Nr. 176 Wie privat ist „privat“ auf Twitter? ICH sage: eher nicht. (08.09.2020)


Alle bisher erschienen Kolumnen finden Sie hier.