Post an den Kolumnisten: Seuchenbriefe, II

Seuchenkolumne. Nachrichten aus der Selbstisolation 29


ARMIN THURNHER

14.04.2020

 

Am gleichen Tag zwei digitale Briefe, das schiene selbst mir leidenschaftlichen Kolumnisten zu viel. Deshalb gibt es, wenn ich wie heute ein Falter-Maily schreibe, eine Auswahl an Zuschriften, sozusagen die Leserbriefseite der Seuchenkolumne. Die Seuchenbriefe. Viele von ihnen muntern mich auf. Danke dafür!

Wie klein und unwichtig ist unsere derzeitige Quarantäne angesichts Ihrer heutigen Seuchenkolumne (Nr. 27, N. kommt zu Ostern nicht). Danke dafür und für das Zurechtrücken der Perspektiven.

Eveline Herda, Wien

Weil momentan alle Welt die im Handel und im Gesundheitswesen arbeitenden Menschen als Helden bezeichnet, wollte ich Ihnen sagen, dass für mich auch Personen wie Sie, welche nicht müde werden, gegen Korruption in Österreich zu kämpfen, zu den Helden gehören. 
Ich glaube, dass ein Land wie Österreich seinen geistigen und materiellen Wohlstand mitunter eben solchen Korruptionsbekämpfern zu verdanken hat. 
Ich bin ein junger Physiklehrer an einer Wiener AHS. Obwohl es nicht zur Physik gehört, werde ich trotzdem, sobald Corona bewältigt ist, die korrupte Beziehung der Politik zu vielen Medien im Unterricht behandeln. 
Ich bin dankbar, dass es Leute wie Sie gibt. 

Simon Lidauer, Wien 

An Tag 21, währenddem ich auf die heutige Seuchenkolumne warte, muss ich dem Verfasser doch auch einmal sagen, dass diese meinen Seuchenalltag im Service public in der Psychiatrie ganz erheblich bereichert. Obwohl mir viele Finessen der österreichischen Innenpolitik nicht mehr geläufig sind, schätze ich es überaus, bei dem täglichen Journal-Ritual schmunzeln, lachen und lernen zu können. Auden zur Hand genommen, Arundhati Roys Essay „The pandemic is a portal“ gelesen, Impulse aufgreifend,  ihnen nachgehend.
Verwundert und ungläubig schauen viel Schweizer nach Österreich und können es nicht fassen. Christoph Höhtker beschreibt das treffend: „Die Schweiz hätte allen Grund, den Nachbarn Österreich zu beneiden, aber nichts da. Man ist gewohnt, beneidet zu werden. Und weil das ausnahmsweise einmal nicht geschieht, beneidet man eben sich selber.“ Mir fällt zur schweizerischen Lockdown light-Variante das Filmplakat zu einem Kluge/Reitz-Film ein: „In Gefahr und grösster Not bringt der Mittelweg den Tod“. Nur zu gern würde ich jetzt Ihre Grussformel zitieren, die das Zeug hat, zum geflügelten Wort dieser eigenartigen Zeit zu werden.

Monika Riniker, Kreuzlingen (Schweiz)

1300 Jahre Bachstadt Arnstadt: deutsche Briefmarke von 2004

Danke für den schönen Bach-Artikel (Nr. 21), die schöne K-Geschichte, und das Brendel-Zitat, das ich noch nicht kannte. Wir stecken, als Veranstalter eines Festivals in der Bachstadt Arnstadt und als Freunde von Joshua Rifkin, dem unser Meinung nach besten Kenner und Interpreten Bachscher Musik, seit Jahren in dieser „Wie-läßt-sich-das-formulieren-Wolke“, die dasPhänomen Bach umhüllt.
Zuletzt lernten wir David Chin aus Kuala Lumpur kennen, der in der Malayischen Provinz eine Matthäus-Passion aufführte, vor Muslimen und Buddhisten. David erzählte uns darüber folgendes: „Ich wußte, dass das funktionieren würde. Die Menschen waren hingerissen. Nach der Aufführung kam ein buddhistischer Mönch auf mich zu und sagte: Ich danke Ihnen. Vielleicht habe ich das Leiden dieses Jesus doch unterschätzt.“
Unser Lieblingsbuch ist übrigens von Volker Hagedorn, „Bachs Welt“, was auch deshalb so faszinierend ist, da man Sebastian besser verstehen lernt, obwohl er selbst kaum darin vorkommt. Übrigens schildert dieses Buch auch die Pest in Erfurt, der einige der Bache zum Opfer vielen, und welches Glück die Menschheit hatte, dass sein Vater zuvor nach Eisenach umgezogen!

Jan Kobel, Arnstadt (Deutschland)
Mitglied des Stadtrats

So schön! Wider meine Gewohnheit muss ich noch einmal, vielleicht nicht zum letzten Mal, auf einen Ihrer Beiträge antworten: Der Artikel (Nr. 16, Landidylle) ist so warmherzig geschrieben, dass ich danke dafür sagen muss. Ich lese alle Ihre Artikel sehr gerne, und mich beschleicht dabei immer das Gefühl, dass ich mit meinen Gedanken nicht ganz alleine bin zu alldem, was (mit) uns hier passiert. Und für dieses doch sehr erfreuliche Gefühl danke ich Ihnen!
Herzlichen Gruß aus einem Garten, in welchem alles leben darf, das da leben will,

Elisabeth Janisch, Südburgenland

Keep distance, wash hands, stay human!

Ihr Armin Thurnher

@arminthurnher

thurnher@falter.at


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