Das digitale Leben nach dem Tod

Was mit den eigenen Daten geschieht, wenn man stirbt, liegt in den Händen der Erben — und Technologiefirmen. Außer, man übernimmt selbst Kontrolle

10. MAI 2017   

Unser digitaler Nachlass ist vermutlich riesig groß. Was wird damit geschehen? (c) Pixabay

Niemand macht sich gerne über seinen Nachlass Gedanken. Auch ich habe das Thema vermieden, seit ich im Volksschulalter daran scheiterte, zu bestimmen, welche Freundinnen welche Stofftiere erben sollten — bis zum heutigen Tag, als ich mich auf der re:publica im Workshop von Sabine Landes und Dennis Schmolk, die seit zwei Jahren gemeinsam den Blog Digital Danach betreiben, wiederfand.

Es geht um Dateien und Kommunikation und die Frage, was damit geschieht, wenn man selbst nicht mehr da ist. Das ist wichtig, denn wenn man selbst nicht vorsorgt, muss es jemand anderer tun. Will man die Erben damit belasten? Und wer weiß, ob sie den Nachlass im Sinne des Verstorbenen regeln werden — oder überhaupt die nötigen digitalen Kompetenzen haben?

Es ist gar nicht so schwer, versprechen Schmolk und Landes. Als Erstes soll man eine Liste erstellen: Welche Dinge werden im digitalen Alltag regelmäßig genützt? Ich liste E-Mail, soziale Medien, Onlinebanking und andere Einkaufsplattformen, die Google-Suche und Apps auf meinem Handy.

„Was glaubt ihr, dass mit den Sachen passiert, wenn ihr euch gar nicht darum kümmert? Und was wollt ihr, dass mit ihnen geschieht?“, fragen die Veranstalter in die Runde. Ähm, gute Frage. “Wir sind der Willkür der Plattform und der Erben ausgeliefert”, sagt jemand im Publikum. Stimmt: Online-Accounts laufen weiter, auch, wenn sie zahlungspflichtig sind. Ich denke an den Facebook-Account einer im Vorjahr verstorbenen Bekannten, an deren Geburtstag ich weiterhin erinnert werde. Eine andere Teilnehmerin erzählt, sie kenne einen verwitweten Ehemann, der den Account seiner Frau übernommen hatte. Das wolle sie nicht für sich selbst. Also alles löschen? Auch die Fotos auf meiner Festplatte, die halbfertigen Geschichten auf meinem Google Drive, die Notizen am Smartphone? Hm.

Als nächstes sollen wir uns überlegen, welche konkreten Schritte nötig wären, um den eigenen Wünschen zu entsprechen und wie man diese Anleitungen festhalten und hinterlegen würde. Das Wichtigste, ist man sich im Publikum schnell einig, sind die Passwörter, für die E-Mail, den Zweitaccount, zur Geräteentsperrung, und so weiter. Bei der Lagerung, so Landes, müsse man abwägen: Wie zentral ist es für einen selbst, dass die Daten sicher verschlüsselt sind, auch wenn man dann in Kauf nimmt, dass die Software eventuell in einigen Jahren veraltet ist?

Auf Facebook kann man einen Nachlassverwalter wählen — oder den Account löschen lassen (c) Screenshot/facebook.com

Der Inaktivitätsmanager ist Teil jedes Google-Accounts (c) Screenshot/google.com

Und wer soll überhaupt der digitale Nachlassverwalter sein? Facebook bietet seit kurzem an, einen Kontakt für diese Funktion anzugeben; auch beim Passwortmanager LastPass kann man einen anderen User als Notfallkontakt angeben. Bei Google gibt es einen Inaktivitätsmanager. Man kann also jeden Bereich des digitalen Lebens einer anderen Person verantworten.

Ich sehe schon: das wird so kompliziert wie damals mit den Stofftieren.

Genauere Anleitungen finden Sie auf dem Blog Digital Danach von Dennis Schmolk und Sabine Landes. Dort sind auch verschiedene Dienstleister für den digitalen Nachlass gelistet.




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