Die dunklen Ecken der digitalen Gesellschaft

Am Montag beginnt die Internetkonferenz re:publica in Berlin. Am Programm: Fake News, Algorithmen — und Liebe

6. MAI 2017   

Google Cardboard Flashmob auf der re:publica TEN in Berlin, Mai 2016 (c)  re:publica/Jan Zappner CC BY 2.0

“Love Out Loud” lautet das Motto der diesjährigen re:publica, die sich selbst als “das inspirierendste Festival für die digitale Gesellschaft” bezeichnet. Bei der Berliner Konferenz, die von 8. bis 10. Mai 2017 stattfindet, darf man also auf Vorträge mit Titeln wie “Ficken für den Weltfrieden” gespannt sein.

Das Programm der Mega-Konferenz (900 Vortragende präsentierten im Vorjahr 500 Stunden Programm vor 8000 Besuchern) verspricht darüber hinaus, “positive Kräfte zu bündeln” und “Licht in dunkle Ecken der Gesellschaft” zu tragen. Es sollen Fake News und Rechtspopulismus bekämpft, “gute” von “bösen” Algorithmen unterschieden und digitale Grundrechte diskutiert werden. Man will Wege aufzeigen, wie das Internet die Welt vielleicht doch noch zum Besseren verändern kann. Dazu schrieb ich über die re:publica TEN im Falter 19/16:

Eloquent wurde im Rahmen der Selbstreflexion festgestellt, dass man sich nicht auskannte: “Wir alle sind eigentlich Pubertierende”, konstatierte etwa der deutsche Journalist Friedemann Karig. Mit der Digitalisierung sei man nämlich ebenso überfordert wie Teenager mit ihren Hormonen. Als verlorene Generation des Internets bezeichnete wiederum Sascha Lobo seine Zeit-und Bloggergenossen: Man habe sich von der Digitalisierung erhofft, die Welt zu verbessern, und die utopischen Ziele nicht erreicht.

Ist man nun, bei der elften Ausgabe der Konferenz, die als Blogger-Treffen begann, erwachsen geworden? Erwartet werden Antworten von Speakern wie Friedensbuchpreisträgerin Carolin Emcke, Schachgenie und Menschenrechtsaktivist Garry Kasparov und Frank Pasquale, Autor von “The Black Box Society”. Abseits der großen Namen bin ich auf interessante Entdeckungen gespannt, über die ich hier ebenso berichten werde: Funktionieren webbasierte Therapien? Welche App benützt die Seerettungsorganisation Sea-Watch? Wie es ist, in Nordkorea überwacht zu werden?

Und ja, auch die Sache mit dem Weltfrieden werde ich mir ansehen.




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