FALTERs BEST OF VIENNA – Tipps

La Koliba

La Koliba, altjugoslawisch so viel wie „Holzhäuschen“, im 10. Bezirk. Schon beim Betreten des Lokals wird klar – ein erfrischender Urlaub von der von Sojamilch und Chia-samen heimgesuchten Leopoldstadt. Angenehm unerheblich die Einrichtung: eine Fünfliterflasche Sekt, eine Kanone aus Holz, ein – im Gebäudeinneren grundsätzlich eher aufgabenloses – Vordach über der Bar. Einsilbig, ehrlich, direkt. Getrunken wird Bier serbischer Art – Lav. All you can eat. All you need to drink is Lav. Der Proto-Hipster, für den dieses Lokal durchaus interessant sein könnte, mag das Craft Beer für fünfeinhalb Euro vermissen. Wer auf dunkles, mit Beef Tatar versetztes und von bulgarischen Steineseln nach Favoriten gekarrtes India Pale Ale verzichten kann, für den tut es das Lav allemal. In lokaler Manier wird das erste Bier zur Hälfte geleert, bevor man sich dem Essen widmet. Die Speisekarte ist wenig selbsterklärend. Es gibt insgesamt 14 Menüs – fünf heißen „Menü 1“, acht „Menü 2“. Die Gerichte tragen klingende Namen wie „Kalb unter der Asche“, aber auch – plakativer – „Fleisch am Spieߓ. Dies sind, wie sich allerdings herausstellt, À-la-carte-Gerichte. Das „All You Can Eat“-Buffet steht unauffällig im Durchgang zum Raucherbereich des Lokals bereit und kann für kompetitive 6,60 Euro geordert werden. Ein Foodstylist (es ist völlig in Ordnung, bei Erwähnung dieses Wortes zu kichern) war im Koliba nicht am Werk. Das Essen ist einfach, aber tadellos. Worum es sich dabei jeweils handelt, ist nicht wirklich erläutert. Klar ist, die ersten beiden Töpfe beinhalten Suppe. So weit, so fettig. Rindfleisch im einen, Fronttallappen vom Balkanschwein im anderen Topf die wahrscheinlichen Einlagen. Ein Hybrid aus Bohnensuppe und Kartoffelgulasch befindet sich in einem weiteren Topf. Überhaupt wird alles in Töpfen bereitgestellt. So auch die Krautroulade, die man beim Heben des Deckels nicht vermutet hätte. Mein persönliches Highlight, weil so landestypisch und eigentlich unfehlbar. Weiters noch zu haben: zwiebelschwangerer Salat und gegrillte Paprika. Undurchschaubar: ein Haufen ungeschnittener, roher Frühlingszwiebeln. Den echten Bobo werden sie dennoch nicht unberührt lassen (möglicherweise gewachsen auf einer Dachterasse mitten in Wien-Neubau!). Als Nachspeise ist unter anderem Baklava zu haben. Erfreulicherweise wurde der zweifellos bestehenden Versuchung widerstanden, Fernsehbildschirme aufzuhängen. Stattdessen steht plötzlich eine Kapelle musizierenderweise im Raucherbereich. Sie spielt sich zwar nicht bis zur totalen Erschöpfung – nach zwei Liedern ist wieder Schluss ,- allerdings betritt sie nach einiger Zeit nochmals das Raucherparkett (für zwei weitere Darbietungen).
BEST OF VIENNA 2/2017 | ESSEN & TRINKEN

Adresse: Laxenburger Straße 6
1100 Wien

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Website: la-koliba.at
Öffnungszeiten: Täglich von 11 bis 23 Uhr

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