BEST OF VIENNA – Tipps

Theater und Kulturverein das Kunst

Ottakringer Straße 242/10/8
1160 Wien

Web: www.daskunst.at

BEST OF VIENNA 1/2012 (Kultur)
Bretter, die die Welt bedeuten
Nicht zu übersehen: Wiens postmigrantische Theaterszene
Viele sagen: Das wirklich zeitgenössische Theater findet nicht an der Burg, sondern in den Off-Theatern und Mittelbühnen Wiens statt. Da ist was dran, auch wenn man die großen Bühnen (Burgtheater, Akademietheater, Volkstheater, Josefstadt) nicht gegen die kleineren ausspielen sollte. Manche Aufführungen im Kasino, der “Experimentalbühne” der Burg (z. B. “Perikles”), sind aufregender als das, was so manche Off-Bühne versucht.
Einen Trend haben die Großbühnen allerdings verschlafen: das “postmigrantische Theater”. Die gesellschaftliche Realität von Migranten in Österreich endlich auf die Bühne zu bringen. Und nicht als etwas Exotisches bzw. Fremdes “ausstellt”. Dazu gehört auch, dass Schauspieler mit türkischem Hintergrund nicht immer nur den “türkischen Gastarbeiter” spielen.
Zu diesem Thema gab es zuletzt eine interessante Reihe in der Garage X: “Pimp my Integration”. Sie wurde mitkurartiert von Asli Kislal, der Leiterin der frei flottierenden Wiener Theater- und Kunsttruppe “das kunst”. Kislal ist mit 19 Jahren aus der Türkei nach Österreich gekommen. “Als Schauspielerin wurde ich auf die Türkin festgelegt”, sagt sie. Und als “Türkin” kann man “natürlich” nicht das Gretchen spielen. Oder die Julia. Seit sieben Jahren leitet Asli Kislal das kunst. Kislals Anliegen ist es, die “Diversität” der österreichischen Gesellschaft auf die Bühne zu bringen. “Unsere Gesellschaft hat sich verändert,” sagt sie. “Wir leben längst in einer postmigrantischen Realität, auch wenn dies das Publikum in der Josefstadt noch nicht wissen will.”
Aktuell leitet Asli Kislal zwei Theaterprojekte im Rahmen von “Macht | Schule | Theaterc. Sie zeigt Schülerinnen und Schülern, wie sie ihren Zorn durch Theaterspielen ausdrücken können. Aus so etwas sind schon erfolgreiche Inszenierungen wie “Insel X” hervorgegangen, das 2011 im Dschungel aufgeführt wurde. Aktuell unterstützt das kunst auch ein Straßentheaterprojekt aus Madrid: “StreetlifeMAD”. Junge Künstler zeigen eine wilde Mischung aus Breakdance, Flamenco und Percussion. Damit waren sie schon in Salzburg und Klagenfurt unterwegs – nur in Wien hat sich mangels finanzieller Unterstützung noch keine Zusammenarbeit ergeben. Für den Herbst/Winter plant das kunst eine neue Theaterproduktion in Wien: Shakespeares “Othello”. Man darf annehmen, in einer postmigrantischen Interpretation.

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