BEST OF VIENNA – Tipps

Blue Tomato

Wurmsergasse 21
1150 Wien

Telefon: 985 59 60
Web: www.bluetomato.cc
Öffnungszeiten: Di-Do 19-1.30 Uhr, Fr-Sa 19-3.00 Uhr

BEST OF VIENNA 2/2011 (Freizeit)
BoV: Mats, wie kommt es, dass es dich nach Wien verschlagen hat?
Mats: Die Liebe hat mich nach Österreich geführt. Wie soll es anders sein? Meine Frau und ich haben bisher in Schweden und Wien gewohnt. Jetzt lassen wir uns ganz in Österreich nieder, hier ist unser Lebensmittelpunkt.
BoV: Du nennst Österreich ab jetzt “Zuhause”?
Mats: Mein Zuhause ist dort, wo meine Frau und meine Tochter sind. Meine ursprünglichen Wurzeln sind in Lappland, im Norden Schwedens. Dorthin zieht es mich immer wieder. An Wien mag ich die Gemächlichkeit. Alles ist ein wenig langsamer als in anderen Großstädten. Und das Essen ist toll: Ich stehe auf österreichische Küche und die Einflüsse aus dem Balkan oder Italien. Und die Portionen sind meist riesig. Für einen Musiker sind Essen und Trinken extrem wichtig. Als Schwede genieße ich es, endlich in einem Land zu leben, in dem Wein produziert wird.
BoV: Worin unterscheidet sich Österreich von Schweden?
Mats: Für mich ist Schweden toll, Österreich genauso. Soll aber nicht heißen, dass es da wie dort nur Gutes gibt. In Österreich schwärmt man davon, wie toll etwa das Gesundheitssystem in Schweden sein soll. Um ehrlich zu sein: Das ist ein Mythos. Ich finde, dass es in Wien besser funktioniert. Du musst nicht drei Monate auf einen Arzttermin warten. Wien liegt außerdem mitten in Europa. Ich kann in ein paar Stunden mit einem Zug oder mit dem Auto zu einem Gig fahren. Skandinavien ist da ein wenig abgelegen.
BoV: Was vermisst du, wenn du in Wien bist?
Mats: Ich vermisse Rentierfleisch, das beste Fleisch überhaupt. Das fehlt mir sehr. Und Elchfleisch. Und Surströmming, auf Deutsch Stinkefisch. Mmmmh, unvergleichlich! Natürlich vermisse ich auch Familie und Freunde und den besten Plattenladen der Welt: Andra Jazz in Stockholm. Aber ich bin oft in Schweden, also ist es nicht zu schlimm. Vermissen kann auch etwas Gutes bedeuten!
BoV: Wie beurteilst du Wien als Kulturstadt?
Mats: Die Architektur fasziniert mich. Man schafft es, jahrhundertealte Tradition mit Modernem zu verbinden. Außerdem hat Wien viele Museen und Galerien. Aber besonders liebe ich die Plattengeschäfte, zum Beispiel Substance and Extraplatte. Hammer!
BoV: Und die moderne Musikszene?
Mats: Es gibt tolle Kollegen hier. Ich schätze Martin Siewert, Dieb 13, DD kern, Martin Brandlmayr, Burkhard Beins, Peter Rehberg und viele andere. Im Laufe der Zeit habe ich tolle Clubs kennengelernt, etwa Blue Tomato, Echoraum, WUK, Porgy & Bess, FLUC und Rhiz. Ich bin neugierig, was die Zukunft noch bringen wird.
BoV: Du bist Jazzmusiker. Was bietet Wien hier?
Mats: Die Szene, in der ich mich bewege, spielt sich im Blue Tomato und im Porgy & Bess ab. In Wien gibt es viele junge Musiker, die Mut haben, etwas Neues zu probieren. Es gibt viel Experimentelles, vor allem im Bereich der Elektronik. Jazz ist international fast ausgestorben. Kreative, neue Formen werden sich behaupten.
BoV: Free Jazz ist deine Richtung. Wie beschreibst du deine Musik?
Mats: Ich halte nichts davon, Musik oder Kunst einen Stempel zu geben. Damit erweckt man Erwartungen, die dem eigentlichen Erleben der Musik im Weg stehen können. Musiker und Publikum sollten so offen wie möglich sein. So können sie das, was bei einem Konzert entsteht, wirklich erleben und spüren – was auch immer das sein mag.
BoV: Free Jazz ist intuitiv, improvisiert, entwickelt immer neue Formen. Wie kommt das in Wien an?
Mats: Wie überall sonst auch, hängt es von der Einstellung des Publikums ab. Von der O enheit in der Gesellschaft. Free Jazz war immer schon Underground. Ich beobachte eine Bewegung in Osteuropa, ein interessiertes Publikum. Ich höre, das wird sich auf den Westen ausbreiten.
BoV: Erkennt man deine schwedischen Wurzeln in deiner Musik?
Mats: In meiner Musik hört man meine Persönlichkeit, meine musikalische Sprache. Meine Musik bin ich. Ich spiele, wer ich bin. Das hat weniger damit zu tun, woher ich komme. Aber bestimmt werde ich irgendwo auch von schwedischer Musik beeinflusst.
BoV: Welche Österreicher inspirieren dich?
Mats: Es gibt so viele, dass es schwer ist, sie aufzuzählen. Da gibt es HF Biber, Elfriede Jelinek, Ulrich Seidl, Mathias Pöschl, Alfred Kubin oder Günter Brus. Und Wien hat den legendären Jazzmusiker Hans Koller hervorgebracht.
BoV: Welche Chancen bietet Wien dem musikalischen Nachwuchs?
Mats: Die Stadt ist in Bewegung. Damit ist sie ein guter Ort für junge Künstler. Ich kenne mich zu wenig aus mit den Förderungen hier. Ich habe für das Swedish Arts Council gearbeitet und weiß bloß, wie das schwedische System funktioniert. Es ist extrem wichtig, junge Talente zu fördern und fi nanziell zu unterstützen. Nur so haben junge Musiker die Chance, zu reisen, andere Künstler kennenzulernen und zu wachsen.

BEST OF VIENNA 1/2016 (Kultur)
Es gibt auch ein paar Galerien (Kunst!Raum) und Bühnen abseits der Stadthalle.

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