BEST OF VIENNA – Tipps

The Vegetable Orchestra

Theresianumgasse 35
1040 Wien

Web: www.vegetableorchestra.org

BEST OF VIENNA 1/2011 (Freizeit)
KLINGENES GEMÜSE
Selleriegitarre, Kürbistriangel und Karottenflöte: The Vegetable Orchestra zweckentfremdet Gemüse als Musikinstrumente
Lauch statt Violine, Kürbis statt Trommel, Karotten statt Flöte. Ein Orchester, das ausschließlich auf Gemüse Musik erzeugt – das war 1998 die Idee einiger Wiener Freunde. Ursprünglich sollte das Projekt „Gemüse­orchester“ nur eine Performance bestreiten. 13 Jahre später hat sich das Spaßprojekt zum weltweit einzigen professionellen Gemüseorchester entwickelt.
Die Musik des Vegetable Orchestra klingt nach Minimal Techno, Noise, Ambient oder Electro Pop. Tamara Wilhelm erklärt diese stilistische Vielfalt so: „Durch die Einschränkung auf ein Material – Gemüse – wird man einfach dazu gezwungen, mehr zu experimentieren.“
Vor den Konzerten des Gemüseorchesters ist das Publikum hauptsächlich neugierig: „Die Leute kommen oft mit dem Gefühl hin, ,das muss jetzt irrsinnig lustig werden‘, und merken dann, dass es eigentlich um Musik geht“, sagt Susanna Gartmayer.
Die Instrumente, auf denen geklopft, gepfiffen, gerasselt und getrötet wird, tragen charmante Namen wie Kürbistriangel, Selleriegitarre oder Karottenflöte. Mit Bohrmaschine und Schnitzmesser werden sie vor jedem Konzert neu gebaut. Auch das gehört zum Auftritt. Nur wenige Instrumente überstehen ein Konzert. Meistens zerfallen sie schon während des Auftritts. So gibt es das Gemüse nicht nur zum Hören, sondern auch zum Riechen, Sehen und Schmecken. Nach den Konzerten serviert das Orchester dem Publikum selbst gekochte Gemüsesuppe. „Es ist ein total ungewohntes Bild, wenn ein ganzer Konzertsaal Suppe löffelt“, beschreibt Wilhelm die Post-Konzert-Atmosphäre.
In Österreich ist das Vegetable Orchestra trotz jahrelangen Bestehens noch fast ein Geheimtipp. Im Ausland haben die zwölf Musiker mehr Erfolg. Sie haben schon Konzerte von Kanada bis Libanon gespielt. Generell bevorzugt das Orchester Auftritte in ruhigen Sälen mit guter Akustik. Es geht aber auch anders: „In England haben wir auf der Isle of Wight open air vor 5.000 Leuten gespielt. Auch das funktioniert!“, sagt Jörg Piringer. Die Tourneen haben einen praktischen Nebeneffekt: „Im Ausland entdecken wir oft Gemüsesorten, die es bei uns nicht gibt, und probieren sie aus.“ Bio- Gemüse eignet sich für den Instrumentenbau übrigens nur bedingt: „Bio-Gemüse ist oft kleiner als industriell gezogenes, und wir brauchen eben gewisse Größen zum Instrumentenbau“, erklärt Gartmayer.###Auch nach jahrelanger Zusammenarbeit ist die Lust auf neue Experimente ungebremst. Tamara Wilhelm bringt es schmunzelnd auf den Punkt: „Wir scherzen manchmal darüber, ob wir mit sechzig auch noch Musik auf Gemüse machen wollen. Aber derweilen macht es großen Spaß!“

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